Gipser trifft auf Finanzelite

FDP-Präsident Philipp Müller will seine Partei volksnaher machen und hat mit teils nicht zitierfähigen Voten hoch bezahlte Banker abgekanzelt. Doch nun erhält der Finanzplatz-Flügel Zuwachs.

Gelernter Gipser: FDP-Parteipräsident Philipp Müller.

Gelernter Gipser: FDP-Parteipräsident Philipp Müller. Bild: Keystone

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Es ist der Versuch einer Imagekorrektur. Die FDP soll eine Volkspartei sein, wählbar auch für den Büezer – nicht nur für Anwälte, Ärzte, Kaderleute und Manager. Seit seiner glanzvollen Wahl zum Parteipräsidenten vor zwei Jahren will Philipp Müller dem Freisinn dieses Gepräge geben. Um Distanz zur Elite zu markieren, hat Müller, ein gelernter Gipser, wiederholt und in teils nicht zitierfähigen Voten hoch bezahlte Vertreter der Finanzbranche abgekanzelt. Den Mächtigen des Bankenplatzes, so Müllers Botschaft, habe die FDP ihre langjährige Liebesbeziehung aufgekündigt.

Doch nun steht der Bankenflügel in der FDP vor einer Erstarkung. Seit Anfang Mai politisiert mit Hans-Peter Portmann (51) neu ein Zürcher Banker in der Bundeshausfraktion der Freisinnigen. Portmann, langjähriger Zürcher Kantonsrat, folgt auf Filippo Leutenegger, der im Februar als Stadtrat in Zürich gewählt wurde. Einen Namen hat sich Portmann als liberaler Verfechter des Bankgeheimnisses gemacht. Der Thalwiler arbeitet als Direktionsmitglied bei der liechtensteinischen LGT-Bank in Zürich und amtet als Vizepräsident des Zürcher Bankenverbandes.

«Gescheiter geworden»

Nebst Portmann stösst auf die Sommersession hin ein weiterer Politiker dazu, der den Finanzplatz Zürich verteidigt: Beat Walti (45), ebenfalls erfahrener Kantonsrat und Präsident der Zürcher FDP. Er rückt nach für den Garagisten Markus Hutter (57), der am 8. Mai zurückgetreten ist – aus beruflichen Gründen, wie Hutter beteuert; er baue sein Garageunternehmen in Schaffhausen aus. Der Rückzug wird parteiintern aber auch anders erklärt: Hutter räumt seinen Platz rechtzeitig vor den Wahlen 2015, um zu ermöglichen, was schon FDP-Schwergewicht Ulrich Bremi im Sinn hatte: Walti nach Bern zu schicken. Der smart wirkende Rechtsanwalt aus Zollikon verkörpert das Bildungsbürgertum der Zürcher Goldküste. Seine Versuche bei den Wahlen 2007 und 2011 waren indes nicht von Erfolg gekrönt.

Diese neue personelle Konstellation könnte einen alten Graben in der Partei neu aufreissen: Vor den Wahlen 2011 war es zum offenen Richtungsstreit gekommen, weil sich Vertreter des Finanz- und des Werkplatzes über wichtige finanzpolitische Fragen nicht einig waren, etwa punkto Weissgeldstrategie. Portmann ist überzeugt, dass beide Flügel inzwischen «gescheiter geworden sind». Die Schweiz brauche eine starke KMU-Wirtschaft ebenso wie einen gut funktionierenden Finanzplatz; dies betont auch Walti. Ebenso wollen sich beide nicht als Vertreter der Hochfinanz betitelt sehen. «Ich fühle mich keiner sogenannten FDP-Aristokratie angehörig», sagt Portmann, der eine kaufmännische Banklehre gemacht hat, nicht aber über einen Hochschulabschluss verfügt. Er setze sich seit 30 Jahren für den Finanzplatz ein und sei dabei «immer Teil der Basis geblieben» und somit bestrebt, Arbeitsplätze in der Branche zu erhalten. Portmann betont zudem sein soziales Engagement unter anderem als Präsident der Stiftung Zürcher Lighthouse, die sterbenden Menschen ein letztes Zuhause bietet. Walti seinerseits beschreibt sich als «überzeugter Vertreter der KMU-Wirtschaft», mit der er beruflich täglich zu tun habe. Sowohl Walti als auch Portmann sehen keinerlei Problem darin, mit Müller zusammenzuarbeiten. Auch dieser ortet keine Spannungsfelder: Das Einvernehmen sei sehr gut.

Dass gleichwohl Differenzen bestehen, zeigt sich bei der Volksinitiative «Ja zum Schutz der Privatsphäre» – einem Anliegen, das von Banker Thomas Matter initiiert wurde, einem weiteren neuen Zürcher Nationalrat, allerdings im Dienst der SVP. Portmann steht voll hinter der Initiative, die das Bankgeheimnis neu in der Verfassung verankern will. Walti befürwortet zwar das Ansinnen, will die Thematik aber auf Gesetzesstufe geregelt sehen. Müller signalisiert lauen Support: Die Delegierten wollten die Initiative unterstützen. «Daher unterstütze ich sie auch.»

Erstellt: 16.05.2014, 02:46 Uhr

Beat Walti

Hans-Peter Portmann

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