Graubünden gibt vier Jungwölfe zum Abschuss frei

Bis Ende März 2020 sollen vier Junge des neunköpfigen Beverinrudels geschossen werden. Die Tiere haben in geschützten Herden gerissen.

Zwei Jäger sind in einem Wald unterwegs. (Symbolbild) Foto: Olivier Maire/Keystone

Zwei Jäger sind in einem Wald unterwegs. (Symbolbild) Foto: Olivier Maire/Keystone

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Im Kanton Graubünden sollen bis Ende März nächsten Jahres vier Jungwölfe aus dem neunköpfigen Beverinrudel geschossen werden. Im Streifgebiet dieses Rudels sind mindestens 15 Risse aus Ziegenherden bekannt. Die Gruppe Wolf Schweiz bedauert den Abschuss.

Mit den mindestens 15 Rissen aus Ziegenherden, die durch Herdenschutzmassnahmen geschützt waren, sei ein Grenzwert überschritten worden, der das Verhalten dieses Wolfsrudels als problematisch klassifiziere, schreibt die Bündner Jagdverwaltung in einer Mitteilung vom Freitag.

Die DNA-Proben hätten das männliche Elterntier M92 als Verursacher identifiziert. Als Elterntier wird es selber allerdings vom Abschuss verschont bleiben. Bereits im letzten Jahr sei das Tier negativ aufgefallen, als es auf der Stutzalp oberhalb Splügen eine grosse Anzahl Schafe gerissen habe.

Insgesamt habe das Wolfspaar im letzten Jahr 59 Schafe gerissen und in diesem Jahr sei es nach der Rudelbildung zu gegen 40 weiteren Schafrissen gekommen, sagte der Bündner Jagdverwalter Adrian Arquint auf Anfrage der Nachrichtenagentur Keystone-SDA.

Für diese Tiere habe es allerdings keinen Herdenschutz gegeben, sie seien also ungeschützt gewesen. Nun habe dieser Wolf aber damit begonnen, Tiere in geschützten Herden zu reissen und dieses Verhalten an seine Nachkommen weiterzugeben. Das Rudel bestehe aus insgesamt neun Tieren, die Hälfte davon dürfe gemäss dem Gesetzgeber reguliert werden, sagte Arquint weiter.

Eines der Jungtiere in der Nähe des Piz Beverin. Bild: Kanton Graubünden

Das Bundesamt für Umwelt (Bafu) hat nun den Antrag des Kantons Graubünden gutgeheissen, insgesamt vier Wölfe aus dem Beverinrudel unter Schonung der Elterntiere abzuschiessen. Die Bewilligung zur Regulierung des Wolfsbestandes beschränkte sich auf das Streifgebiet des Wolfsrudels Beverin und die Abschüsse hätten bis am 31. März 2020 zu erfolgen, heisst es in der Mitteilung weiter.

Das Amt für Jagd und Fischerei Graubünden (AJF) habe sich in den vergangenen Wochen auf diesen Eingriff vorbereitet. Die Wildhut werde die entsprechende Regulierung vornehmen. Geplant sei ein zeitnahes Vorgehen: Dies sei nötig, damit die Elterntiere noch von den übrigen Wölfen unterschieden werden könnten. Je länger zugewartet werde, desto schwieriger werde sich die Identifizierung der einzelnen Wölfe gestalten.

Weiter werde versucht, die Tiere im Rudelverbund zu erlegen, um eine zusätzliche vergrämende Wirkung zu erziehen. Generell sei zu erwarten, das sich der Eingriff als schwierig herausstellen werde, da das Rudel mittlerweile äusserst mobil sei und sich jeweils nur für kurze Zeit am selben Ort aufhalte.

Rund 30 Wölfe im Kanton Graubünden

Die Entwicklung der Wolfspopulation im Kanton Graubünden hat sich nach Einschätzung der örtlichen Behörden nach dem Auftauchen des ersten Rudels am Calanda im Jahr 2012 gemäss den Prognosen bestätigt. Bereits damals seien weitere Rudelbildungen prognostiziert worden. Gemäss Arquint leben im Kanton Graubünden derzeit rund 30 Wölfe. Allein in diesem Jahr seien mindestens 17 Jungwölfe geworfen worden.

Bis heute hätten in allen Teilen des Kantons Einzelnachweise von Wölfen erbracht werden können. Weitere Rudelbildungen seien daher wahrscheinlich. Wenn wie beim Beverinrudel festgestellt werde, dass Wölfe und Wolfsrudel ein problematisches Verhalten zeigten, müsse das AJF seine Verantwortung wahrnehmen und einen Eingriff in die Wolfspopulation vornehmen, sofern die gesetzlichen Voraussetzungen dafür erfüllt seien.

Bedauern über Abschuss

Die Gruppe Wolf Schweiz bedauert den Abschuss, erachtet die Regulierung aber als rechtmässig und akzeptiert sie, wie aus einer Mitteilung vom Freitag hervorgeht. Dennoch werde die Regulierung nicht dazu beitragen, dass Nutztiere im Gebiet geschützt oder Wölfe besser akzeptiert würden. Ein starker, gut ausgebauter Herdenschutz bleibe alternativlos zum Schutz von Schafen und Ziegen.

Die Vorgaben des Bundes seien aber derart schwach, dass dies zwingend dazu führe, dass Wölfe den Herdenschutz immer wieder überwinden könnten. Die Gruppe Wolf Schweiz hat sich deshalb bereits in der Vernehmlassung zu dieser Richtlinie dafür ausgesprochen, die Vorgabe zu erhöhen, um einen besseren Schutz zu erreichen. Leider seien diese Forderungen nicht berücksichtigt worden. (sda)

Erstellt: 04.10.2019, 10:59 Uhr

Artikel zum Thema

Drittes Wolfsrudel in Graubünden aufgetaucht

Ein Wolfspaar hält sich in der Gegend von Thusis auf. Es hat fünf Junge bekommen. Mehr...

«Die Leute fühlen sich nicht sicher»

Das Parlament will den Schutz des Wolfes lockern. Während man im Wallis das Raubtier am liebsten verbannen würde, hat man um das Calanda-Massiv kein Problem mit ihm. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Blog

Kommentare

Paid Post

Blasenentzündung? Ein schneller Test bringt Klarheit

Sie bemerken Anzeichen einer Blasenentzündung? Ein unkomplizierter Test schafft Klarheit und verhindert eine Antibiotika-Behandlung.

Die Welt in Bildern

Bergungsarbeiten nach Taifun-Katastrophe: Der heftige Wirbelsturm «Hagibis» hinterliess über weite Teile Japans eine Spur der Verwüstung. Die Zahl der Todesopfer ist gemäss eines japanischen Fernsehsenders auf 66 gestiegen. (15. Oktober 2019)
(Bild: Jae C. Hong/AP) Mehr...