Grossflächige Computerpanne beim Bund

Ein Hardwareausfall im zentralen Rechenzentrum des Bundes hat Folgen für 26'000 Bundesangestellte. Sie alle mussten ihre Zugangsdaten erneuern.

Der Hardwareausfall betraf alle Mitarbeiter der zivilen Bundesverwaltung. Foto: TA-Archiv

Der Hardwareausfall betraf alle Mitarbeiter der zivilen Bundesverwaltung. Foto: TA-Archiv

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Von der Computerpanne betroffen sind alle Mitarbeiter der zivilen Bundesverwaltung, wie das Bundesamt für Informatik und Telekommunikation (BIT) auf Anfrage erklärt. Nicht betroffen sind die Angestellten im Verteidigungsdepartement (VBS). Das VBS setzt ein eigenes Verschlüsselungssystem ein. Laut BIT-Sprecherin Sonja Uhlmann-Haenni war ein Hardwareausfall im zentralen Rechenzentrum des BIT Ursache der Panne. Dadurch ist ein zentraler Wiederherstellungsschlüssel so stark beschädigt worden, dass er nicht mehr gebraucht werden kann. Der Grund für den Hardwareausfall ist unbekannt. Eine Dritteinwirkung könne ausgeschlossen werden.

Bundesangestellte müssen sich mit einer sogenannten Smartcard an ihrem Arbeitsplatz anmelden. Die Karte enthält einen Chip und ermöglicht es ihnen, E-Mails zu verschlüsseln. Verlieren die Nutzer die Karte, können sie verschlüsselte Mails nicht mehr lesen. In solchen Fällen kommt der Wiederherstellungsschlüssel zum Einsatz.

Just dieser zentrale Schlüssel ist nun verloren gegangen. Das hat laut Uhlmann-Haenni «in Einzelfällen» dazu geführt, dass Mitarbeiter verschlüsselte Mails nicht mehr lesen konnten. Allerdings würden dem BIT nicht alle solchen Vorfälle gemeldet. Soweit bekannt, seien aber keine Daten verloren gegangen. Die verschlüsselten Mails blieben vorhanden und sichtbar, und die betroffenen Personen konnten sich die Mails nochmals zusenden lassen.

Kein Backup vorhanden

Wegen der Panne mussten alle Mitarbeiter der zivilen Bundesverwaltung ihre Zugangs- und Verschlüsselungsschlüssel erneuern, damit im Bedarfsfall der neue Wiederherstellungsschlüssel eingesetzt werden kann. Laut BIT-Sprecherin Uhlmann-Haenni ist der Schaden gering, da die Erneuerung der Zugangsdaten online am Arbeitsplatz erfolgen kann.

Bleibt die Frage, weshalb vom Wiederherstellungsschlüssel kein Back-up existiert, auf das man im Schadensfall zugreifen könnte. «Zu den Details des Ausfalls erteilen wir aus Sicherheitsgründen keine Auskunft», sagt Uhlmann-Haenni dazu.

Es ist nicht das erste Mal, dass es im Zusammenhang mit den Smartcards der Bundesangestellten zu Problemen kommt. So hielt die Eidgenössische Finanzkontrolle (EFK) in ihrem Jahresbericht 2013 fest: «Die Beschaffung der Smartcards, welche als Zertifikatsträger für die Authentifikation dienen, verlief problematisch.» Die EFK hätte erwartet, dass die Einführung der neuen Authentifizierung zentral koordiniert werde. «Stattdessen führten nebst dem BIT die meisten Departemente eigene Projekte.» In der Folge sei die Hälfte der Departemente bis zum Juni 2013 im Ungewissen gewesen, ob die Karten termingerecht geliefert würden. Als besonders problematisch erachtete die EFK zudem den Zugang von mobilen Geräten aus auf das Netzwerk des Bundes. «Die strikten Regeln, welche heute bestehen, damit solche Geräte eingesetzt werden dürfen, werden schon jetzt in der Praxis umgangen», hielt die EFK fest. Eine termingerechte Absicherung der Fernzugänge werde nicht möglich sein.

Laut BIT-Sprecherin Uhlmann- Haenni ist der Rollout der Karten in einzelnen Ämtern immer noch nicht abgeschlossen. Beim Zugriff von mobilen Geräten aus komme keine Smartcard zum Einsatz. Wie der Sicherheitszugang dort gewährleistet ist, bleibt aus Sicherheitsgründen jedoch geheim.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 30.08.2014, 08:28 Uhr

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