Grosskampf um die Nachfolge Keller-Sutters in St. Gallen

CVP, FDP und SVP kämpfen am 10. März um den zweiten Ständeratssitz.

Benedikt Würth (CVP) steigt aus aussichtsreicher Position in den Ständeratswahlkampf. Foto: Keystone

Benedikt Würth (CVP) steigt aus aussichtsreicher Position in den Ständeratswahlkampf. Foto: Keystone

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Die FDP werde den St. Galler Ständeratssitz sicher nicht kampflos hergeben, sagt der St. Galler FDP-Nationalrat Walter Müller. Marcel Dobler, Digitec-Firmengründer, ist deren aussichtsreichster Kandidat. Dobler politisiert seit drei Jahren im Bundeshaus. Die SVP, als grösste Partei im Kanton, müsse und werde antreten, sagt Parteisekretärin Esther Friedli. Im Vordergrund steht deren Regierungsrat Stefan Kölliker.

Doch der klare Favorit für die Ersatzwahl für die neue FDP-Bundesrätin Karin Keller-Sutter, Stand heute, kommt von der CVP. Er heisst Benedikt Würth, ist seit acht Jahren Regierungsrat und seit März 2017 Präsident der Konferenz der Kantonsregierungen. Der St. Galler Finanzdirektor geniesst im Kanton einen ähnlichen Überfliegerstatus, wie ihn dort bisher Keller-Sutter genoss. CVP-Mann Würth sorgte mit seinem Verzicht auf eine Bundesratskandidatur um die Nachfolge von Infrastrukturministerin Doris Leuthard (CVP) bereits im Oktober für Schlagzeilen.

Lob von Gerhard Pfister

Bundesrat wäre er zwar auch jetzt gern geworden, der als ehrgeizig geltende HSG-Jurist. Doch im Zeichen des allgemeinen Frauenbonus verzichtete der CVP-Mann auf eine zweite St. Galler Kandidatur gegen die arrivierte FDP-Frau Karin Keller-Sutter. Nun wird er, im Erfolgsfall, als Ständerat in Bern weiterpolitisieren. Der Entscheid über die Kandidatur Würth wird Ende nächster Woche an einer CVP-Delegiertenversammlung fallen.

Würths Fähigkeiten und seine Beliebtheit im Kanton fanden bereits die Aufmerksamkeit im Bundeshaus. Der volksverbundene Exekutivmann sei einer der stärksten Regierungsräte seiner CVP, sagte Parteipräsident Gerhard Pfister. Doch Bauernpräsident Markus Ritter, ebenfalls ein St. Galler CVP-Nationalrat, wird wohl zu dessen parteiinternem Widersacher. Ritter nimmt für sich in Anspruch, auch Bauernstimmen, sogar aus SVP-Kreisen, auf sich vereinigen zu können. Also: Er sei aussichtsreicherer Kandidat als Würth für den St. Galler Ständeratssitz.

Doch in den Reihen der CVP gibt es noch weitere mögliche Ständeräte. Der Bewahrer der erfolgreichen St. Galler Olma, Nationalrat Nicolo Paganini, gilt ebenfalls als Ständeratskandidat. Er winkt auf Anfrage aber ab: «Das Rennen müssen Würth und Ritter unter sich ausmachen», sagt er. Für die Ausmarchung stehe er nicht zur Verfügung, zu kurz sei er Nationalrat, er habe sich zuerst dort zu etablieren.

SVP unter Zugzwang

Ein FDP-Firmengründer und gleich mehrere CVP-Topkandidaten: Mit welcher Kandidatur will da die SVP im Wahlkampf ein ernsthaftes Wort mitreden? Der Rorschacher Stadtpräsident und Nationalrat Thomas Müller winkt auf Anfrage ebenfalls ab. Müller war bei den letzten Wahlen als Ständerat unterlegen, trotz anerkannter Konsensfähigkeit als Exekutivpolitiker und gleichzeitigem Erfolg als Fussball-Meisterpräsident (FC St. Gallen). «Nach dem Rücktritt von Toni Brunner steige ich mit Elan 2019 in den Nationalratswahlkampf», verspricht Thomas Müller. Es gelte die Lücke Brunners zu schliessen.

Brunner geht, Müller, der 66-Jährige, kämpft. Wohl mit Stefan Kölliker als Wahlkampflokomotive. Vorauseilen dürfte im März CVP-Erfolgsmann Würth. Im Wahlherbst 2019 werden die Karten neu gemischt. 

(Redaktion Tamedia)

Erstellt: 06.12.2018, 22:34 Uhr

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