Interview

«Gut möglich, dass sich Minder im Ständerat nicht wohlfühlt»

Die Schaffhauser schicken Thomas Minder nach Bern. Politologe Louis Perron sagt, weshalb er sich nun einer Fraktion anschliessen wird und warum der Vater der Abzockerinitiative ein politischer Sonderfall ist.

Passt wohl am ehesten zu den Grünliberalen: Der parteilose Thomas Minder gibt sein erstes Interview als Schaffhauser Ständerat.

Passt wohl am ehesten zu den Grünliberalen: Der parteilose Thomas Minder gibt sein erstes Interview als Schaffhauser Ständerat. Bild: Keystone

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Herr Perron, Thomas Minder wurde heute als Schaffhauser Kandidat in den Ständerat gewählt. Überrascht Sie der Entscheid?
Nein, das überrascht mich eigentlich nicht. Erstens, weil er beim ersten Wahlgang am 23. Oktober das absolute Mehr nur relativ knapp verpasst hat, und zweitens aufgrund seiner nationalen Bekanntheit.

Minder ist der erste parteilose Ständerat des Kantons Schaffhausen. War seine Parteilosigkeit ein Vorteil?
Grundsätzlich ist Parteilosigkeit kein Vorteil, sonst gäbe es mehr Parteilose im Ständerat. Aber Minder hat es geschafft, durch ein Thema – die Abzockerinitiative – bekannt zu werden. Sein Engagement für diese Sache hat ihm viel Aufmerksamkeit und Glaubwürdigkeit geschenkt. Das ist ein Sonderfall, denn normalerweise haben es Quereinsteiger in der Politik schwer.

Kann Minder in der kleinen Kammer parteilos bleiben, oder wird er sich ein politisches Zuhause suchen müssen?
Ich glaube, Minder wird eine Fraktionsangehörigkeit anstreben – und zwar bei den Grünliberalen. Denn er ist klug genug zu wissen, dass er ohne einen Platz in einer Kommission kaum Einfluss im Parlament haben wird.

Werden ihn die Grünliberalen aufnehmen?
Ich denke schon. Trotz der untypischen Kombination von Standpunkten passt Minder wohl am ehesten zu den Grünliberalen.

Minder gilt als politische Ausnahmeerscheinung. Welche Schwierigkeiten könnten in der kleinen Kammer auf ihn zukommen?
In Bern drehen die politischen Mühlen langsam. Minder als Unternehmer und initiative Persönlichkeit könnte ein anderes Tempo vorlegen wollen. Gut möglich, dass er sich im Ständerat nicht wohlfühlt.

Minder wurde mit 3517 Stimmen Vorsprung auf Matthias Freivogel (SP) gewählt. Anscheinend hat ihm die politische Schlammschlacht im Vorfeld der Wahl nicht geschadet.
Das war auch nicht anzunehmen. Die Attacke seiner Gegner kam zu spät. Das Bild, welches die Bevölkerung von Thomas Minder hat, war zu diesem Zeitpunkt bereits gefestigt. Zudem handelte es sich bei der aufgewärmten «Beobachter»-Story um eine alte Geschichte. Es war offenbar für viele Stimmbürger keine neue Information.

Minder gilt als Antipolitiker, der immer gegen den Politfilz wettert. Werden es ihm seine Ständeratskollegen schwer machen?
Das glaube ich nicht. Viele Politiker teilen beispielsweise Minders Ansicht, dass in Bern vieles zu lange dauert. Im Gegensatz zum Nationalrat zählt im Ständerat die Person mehr als pure Parteipolitik. Das kommt Minder sicher entgegen.

Minder ist der Vater der Abzockerinitiative. Inwiefern hilft ihm sein Amt als Ständerat, seine Anliegen durchzubringen?
Sein neues Amt wird ihm sicherlich helfen, seine Initiativen vorwärtszubringen. Der Ständerat ist eine Plattform, die ihm und seinen Anliegen viel Aufmerksamkeit bringen wird.

Erstellt: 13.11.2011, 15:24 Uhr

Louis Perron ist Politologe und Politberater mit Kunden im In- und Ausland.

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