Gutzwiller prüft Klage wegen eines Ratings

Der Wirtschaftsinformationsdienst Credita veröffentlicht jedes Jahr ein Rating über die Verwaltungsratsmandate von Politikern. Die Parteien in Bern sprechen von einem Unwesen.

Nur vier kommerzielle Mandate: Felix Gutzwiller (FDP) ärgert sich über das Rating von Credita.

Nur vier kommerzielle Mandate: Felix Gutzwiller (FDP) ärgert sich über das Rating von Credita. Bild: Keystone

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Die Politiker mit den meisten Mandaten sind in der SVP und FDP. Spitzenreiter ist dabei der Zürcher Ständerat Felix Gutzwiller (FDP). Das jedenfalls zeigt ein Rating des Wirtschaftsinformationsdienstes Credita über Verwaltungsratsmandate von Parlamentariern. Für Politiker und Parteien ist dieses Rating ein Ärgernis, weil von den ausgewiesenen Mandaten längst nicht alle kommerziell sind.

Das gilt ganz besonders für Spitzenreiter Felix Gutzwiller. So gibt das heute publizierte Ranking an, FDP-Ständerat Felix Gutzwiller sei mit 21 Mandaten der am meisten verflochtene Parlamentarier in Bern. Credita schreibt Gutzwiller 21 Mandate zu, tatsächlich sind es 23. Laut FDP verschweigt der Wirtschaftsinformationsdienst aber auch, dass von den 21 Mandaten Gutzwillers ganze 4 kommerziell sind (Verwaltungsräte). 19 Mandate seien hingegen ehrenamtliche Tätigkeiten für gemeinnützige Organisationen wie die Krebsliga des Kantons Zürich oder das «Alzheimer Forum Schweiz».

Schädliche Vorurteile würden verstärkt

Die FDP taxiert das Verschweigen dieses entscheidenden Aspekts als unredlich. Damit werde das schädliche Vorurteil verstärkt, die FDP sei verfilzt. Man sei stolz darauf, mit einer wirtschaftsfreundlichen Politik gute Rahmenbedingungen für Zehntausende kleine und grosse Unternehmen in der Schweiz zu schaffen und damit Arbeitsplätze zu sichern. Mandate von Parlamentariern seien ein Grundprinzip des bewährten Milizsystems.

Ebenso engagierten sich die FDP-Parlamentarier aber für gesellschaftliche und gemeinnützige Institutionen. Diesen freiwilligen Einsatz unter den Tisch zu kehren, zeichnet ein verzerrtes und unwahres Bild von Parlamentariern aller Parteien. Ständerat Gutzwiller selber will das nicht mehr länger hinnehmen. Er verlangt in einem Vorstoss, dass künftig auf www.parl.ch ehrenamtliche Tätigkeiten gekennzeichnet werden.

Undifferenziertes Rating?

Der Zürcher Ständerat will aber auch rechtliche Schritte gegen Credita prüfen – wegen Rufschädigung. «Ausgerechnet im Jahr der Freiwilligen wird ehrenamtliche Arbeit noch unattraktiver gemacht, indem das gemeinnützige Engagement eines Parlamentariers durch ein undifferenziertes Rating abgewertet wird», kritisiert Gutzwiller. Das lasse er sich nicht mehr gefallen. Vor einem Jahr ärgerte sich die FDP bereits einmal über den Wirtschaftsinformationsdienst.

Damals wurde FDP-Nationalrätin Gabi Huber als «bestkapitalisierte» Nationalrätin im Rating aufgeführt. Deswegen wurde sie von einer linken Nationalrätin in der Debatte zur Minder-Initiative damit konfrontiert. Die Wahrheit war, so erklärte die FDP in einer Mitteilung rasch: «Gabi Huber ist vom Bundesrat gewählte Ersatzverwaltungsrätin der Pfandbriefzentrale der schweizerischen Kantonalbanken. Die Pfandbriefzentrale hat ein Kapital von 825 Millionen Franken, deshalb die Aufführung im Ranking.»

Gabi Huber bezieht für dieses Mandat aber keinen einzigen Rappen Honorar.

Erstellt: 14.06.2012, 15:30 Uhr

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