Hätte eine Gurtenpflicht in Bussen heute Leben gerettet?

Busse im öffentlichen Linienverkehr müssen in der Schweiz nicht mit Gurten ausgerüstet sein. Der Gesetzgeber ist sich der Problematik bewusst – geschehen ist aber bis heute nichts. Grund: Es gibt kaum Unfälle.

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Die Gurtentragpflicht in sogenannten Gesellschaftswagen wird nach Unfällen wie jenem im Aargau immer wieder thematisiert.

«Der Lastwagenchauffeur versuchte noch zu korrigieren»: Kapo-Sprecher Bernhard Graser schildert den Unfallhergang. (Video: Stefan Hohler)

Denn Fahrzeuge im konzessionierten, öffentlichen Linienverkehr müssen nicht mit Gurten ausgerüstet sein, wie Astra-Sprecher Thomas Rohrbach erklärt. Demzufolge gibt es für die Passagiere auch keine Gurtentragpflicht.

Sicherheitsgurten sind nach Einschätzung der Beratungsstelle für Unfallverhütung (bfu) eines der effektivsten und zentralsten Mittel zur Verminderung von Verletzungen bei Verkehrsunfällen. Deshalb sollten sie auch getragen werden, wenn sie in einem Fahrzeug vorhanden sind, sagt bfu-Sprecher Daniel Menna.

Die Gurtentragpflicht im Strassenverkehr gilt seit 15 Jahren. 1999 wurden die technischen Vorschriften für Fahrzeuge dahingehend geändert, dass Sicherheitsgurten auf Rücksitzen von Lieferwagen sowie auf Sitzen von Lastwagen und Gesellschaftswagen vorhanden sein müssen.

2001 wurde diese Vorschrift auf Rücksitze von Kleinbussen ausgedehnt und 2006 auch auf Längsbänke, welche wiederum zwei Jahre später bei Neuzulassungen von Fahrzeugen verboten wurden. 2010 wurde auch eine Nachrüstpflicht von Sicherheitsgurten bei bestehenden Längsbänken und Plätzen für Kinder angeordnet.

Kompromiss für Linienverkehr

Die Gurtentragpflicht in allen mit Gurten ausgerüsteten Fahrzeugen wurde 2006 eingeführt. Mit der Ausnahme allerdings, dass Fahrzeuge im konzessionierten öffentlichen Linienverkehr nicht mit Gurten ausgerüstet sein müssen.

Der Gesetzgeber sei sich der Problematik bewusst. Da aber kaum Unfälle geschähen, sei man diesen Kompromiss für die Leistungsfähigkeit dieser Transportmittel eingegangen, erklärte Rohrbach.

Tatsächlich sind Unfälle mit Verletzten, bei denen Gesellschaftswagen involviert sind, äusserst selten. Ausnahme bildete das schwere Busunglück mit Schülern im Wallis von 2012. In jenem Jahr starben bei Unfällen in Gesellschaftswagen auf Schweizer Strassen 31 Menschen.

2010 wurden zwei und 2011 ein Toter bei Unfällen mit Gesellschaftswagen im Strassenverkehr verzeichnet. Verletzte gab es pro Jahr durchschnittlich drei. Ausreisser waren wiederum das Jahr 2012 wegen des Busunglücks im Wallis sowie 2010 mit elf Verletzten.

Aufprall mit 50 km/h = Sturz aus 10 Metern

Wie sehr sich das Tragen der Sicherheitsgurte lohnt, zeigen auch die physikalischen Auswirkungen, die das Astra in einer Broschüre zur Sicherheit im Strassenverkehr zusammengefasst hat. Bei einem Aufprall wird ein nicht angegurteter Autofahrer ungebremst in die Scheibe oder gegen das Armaturenbrett geschleudert.

Jeder bewegte Körper besitzt Bewegungsenergie, die mit zunehmender Geschwindigkeit quadratisch ansteigt. Doppelte Geschwindigkeit bedeutet demnach vierfache Energie. Ein Aufprall mit einer Geschwindigkeit von 50 km/h ist gleichbedeutend wie ein Sturz aus zehn Metern Höhe, schreibt das Astra. (bru/sda)

Erstellt: 11.11.2014, 14:03 Uhr

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