«Hast du in den letzten zwölf Monaten für Sex bezahlt?»

Sexuell übertragbare Krankheiten sind auf dem Vormarsch. Das Bundesamt für Gesundheit will dem Trend mit einem Safer-Sex-Check entgegenwirken.

«Vaginalsex und Analsex mit Kondom»: Das Video zur Kampagne. (Quelle: Youtube/Love Life)


Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Die sexuell übertragbaren Infektionen nehmen weiter zu. Während die Zahl der HIV-Fälle stabil blieb, wurden im letzten Jahr mehr Fälle von Ansteckungen mit Gonorrhoe, Syphilis und Chlamydien gezählt. Der Bund empfiehlt einen Safer-Sex-Check.

Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) hat am Montag seine neuste Präventionskampagne vorgestellt. Die Botschaft sei seit 30 Jahren dieselbe, sagte Simone Eigenmann, Leiterin der Sektion Prävention im BAG, vor den Medien in Bern. «Safer Sex» bleibe zentral, bedeute aber nicht mehr für alle dasselbe.

Neu vermittelt das BAG zwei Regeln. Erstens: «Vaginalsex und Analsex mit Kondom.» Zweitens: «Und weil's jede(r) anders liebt: Mach jetzt deinen persönlichen Safer-Sex-Check auf lovelife.ch.»

Zur bisherigen Botschaft gehörte «Eindringen immer mit Kondom» und «Kein Sperma und kein Blut in den Mund nehmen». Diese Botschaft war für HIV entwickelt worden und wird nun präzisiert, weil Oralsex auch ohne Sperma oder Blut im Mund das Risiko einer Ansteckung mit einer sexuell übertragbaren Krankheit birgt.

Regeln je nach Sexpraktik

Der Safer-Sex-Check im Internet ermöglicht personalisierte Empfehlungen entsprechend der individuellen Sexualität. Wer im Internet den Check macht, beantwortet anonym Fragen zum Alter, der Anzahl Sexualpartner («Hast du in den letzten zwölf Monaten für Sex bezahlt?») und den Sexpraktiken («Praktiziert ihr zusammen Fisting?» oder «Benutzt ihr gemeinsam Sextoys?») und erhält dann darauf zugeschnittene Informationen und Empfehlungen, mit weiterführenden Links.

In der neuen Love-Life-Kampagne wird auf diese Möglichkeit verwiesen. Die Kampagne unter dem Motto «Partner wechselt. Safer Sex bleibt.» dauert zwei Wochen und umfasst Plakate, einen Kurzfilm, der an Bahnhöfen ausgestrahlt wird sowie Botschaften in Online-Medien und sozialen Netzwerken.

Sinkende Zahlen als Ziel

Die Stagnation bei den HIV-Ansteckungen sei «ein kleiner Erfolg», sagte Daniel Koch, der Leiter der Abteilung übertragbare Krankheiten im BAG. Das Ziel seien aber sinkende Zahlen. Zudem nähmen die anderen sexuell übertragbaren Krankheiten weiterhin zu.

2016 wurden 2270 Gonorrhoe-Fälle (Tripper) verzeichnet, 20 Prozent mehr als im Vorjahr. Die Syphilis-Fälle stiegen um 15 Prozent auf 733, die Chlamydien-Infektionen um 8 Prozent auf 11'013. Ein Teil der Zunahme ist darauf zurückzuführen, dass mehr getestet wird und dass die Tests besser geworden sind. So werden auch Fälle ohne Symptome entdeckt.

Es sei aber davon auszugehen, dass die Zunahme auch einen tatsächlichen Anstieg der Fallzahlen widerspiegle, sagte Koch. Wie hoch dieser Anteil ist, lässt sich nicht genau beziffern. Von Gonorrhoe, Syphilis und HIV sind Männer stärker betroffen - am stärksten Männer, die Sex mit Männern haben. Die Chlamydien-Infektionen treten häufiger bei Frauen auf. (woz/sda)

Erstellt: 23.10.2017, 11:56 Uhr

Artikel zum Thema

Love rules

#12 Ist es okay, neidisch zu sein? Das richtige Verhalten in Beziehungen ist schwierig. Experten und Redaktoren mit den 16 wichtigsten Antworten. Mehr...

Sex-Krankheit Syphilis in der Schweiz auf dem Vormarsch

Zürcher Forscher haben nun die Herkunft des Erregers zurückverfolgt. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Blog

Blogs

Sweet Home Versteckspiel mit dem TV

Tingler Immer schöner

Paid Post

Profis lassen sich nicht von Emotionen leiten

Intelligente Roboter verbessern unseren Alltag. Warum nicht auch unsere Investments?

Die Welt in Bildern

Ungewisse Zukunft: Seit Tagen harren auf einem Rettungsschiff 629 Flüchtlinge aus. Spanien hat sich nun bereit erklärt, das Schiff im Hafen von Valencia anlegen zu lassen, nachdem Italien die Einfahrt in seine Häfen verweigert hatte. (16. Juni 2018)
(Bild: Karpov/SOS Mediterranee/handout ) Mehr...