Hintergrund

Heikler Tweet von Bundesrat Berset

Der Innenminister warb vergangene Woche über Twitter für die neue App von Meteo Schweiz. Sehr zum Ärger der privaten Dienstleister, die sich ohnehin schon benachteiligt sehen.

Macht Werbung für einen Dienst seines eigenen Departements: Bundesrat Alain Berset.

Macht Werbung für einen Dienst seines eigenen Departements: Bundesrat Alain Berset. Bild: Screenshot: Tagesanzeiger.ch

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«Gemäss der neuen #App von #Meteosuisse hellt sich heute der Himmel über Bern auf. Manchmal beeinflusst der Himmel die Politik.» Diese Mitteilung versandte Bundesrat Alain Berset am vergangenen Donnerstagmorgen via Twitter. Am Ende des Tweets hängte er noch den Link zum Beschrieb des Mini-Programms an, von wo man auch zum Download der Applikation gelangt. Die App ist seit dem 25. Februar verfügbar.

«Kaum gibt es die neue App, macht ein Bundesrat Werbung dafür»

Eigentlich harmlos, könnte man meinen, doch an diesem Tweet erhitzen sich nun die Gemüter privater Wetterdienstleister. Peter Wick, CEO des Dienstes Meteonews, der auch die Daten für die Wetter-Seite von Tagesanzeiger.ch/Newsnet liefert, erklärt den Grund: «Wir sind der Meinung, dass die App über den eigentlichen Auftrag von Meteo Schweiz, nämlich den Service public, hinausgeht», sagt er gegenüber Tagesanzeiger.ch/Newsnet. Laut ihm würde es reichen, wenn Meteo Schweiz über die allgemeine Lage informiert und Warnungen an die Bevölkerung herausgibt. Doch in der App biete sie für alle Ortschaften eine detaillierte Prognose für die nächsten sechs Tage sowie Statistiken und einen Wetterradar.

Laut Wick war deshalb das Erstaunen über Bersets Tweet bei den privatwirtschaftlichen Meteo-Anbietern gross: «Kaum ist die neue App von Meteo Schweiz aufgeschaltet, macht ein Bundesrat Werbung für eine steuerfinanzierte Bundesbehörde, welche die privaten Anbieter konkurrenziert», ärgert er sich.

Meteo Schweiz stellt den Service kostenlos zur Verfügung

Rückendeckung in dieser Sache erhält er von Medienrechtsprofessor Urs Saxer: «Ich finde es punkto Wettbewerbsneutralität heikel, wenn sich ein Bundesrat auf diese Weise starkmacht für einen Dienst, der, anders als viele andere Bundesdienste, in Konkurrenz zu privaten Anbietern steht», so der Titularprofessor der Universität Zürich. Berset bewerbe die neue App von Meteo Schweiz ja praktisch und dieses verschaffe für jedermann kostenlosen Zugriff auf die Wetterdaten. Für die privaten Meteo-Dienstleister und die auf den Smartphones vorinstallierten Meteoapps entstehe so eine Ungleichheit, denn «der Tweet eines Bundesrates hat marketingtechnisch ein starkes Gewicht – Berset hat fast 9000 Follower», so Saxer.

Ein weiteres Problem liegt laut Peter Wick auch darin, dass die App von Meteo Schweiz gratis ist, wogegen ihre eigene vier Franken kostet. «Wir Privaten müssen diese Daten über Meteo Schweiz teuer einkaufen und können diese Inhalte daher nicht gratis zur Verfügung stellen», erklärt er. Damit entstünden für die Privatwirtschaft ungleiche Wettbewerbsbedingungen. Hinzu komme, dass Meteonews die Entwicklungskosten von rund 100'000 Franken selbst bezahlen musste, während Meteo Schweiz das Geld vom Bund zur Verfügung gestellt bekommt.

Lange schwelender Konflikt

«Dass uns Meteo Schweiz vor das Fait accompli, also vor vollendete Tatsachen, stellt, ist nicht neu», sagt Wick und ergänzt: «Wir haben jeweils keine Chance, darauf zu reagieren, denn wenn ein Produkt erst mal auf dem Markt ist, kann man es nicht einfach wieder entfernen.»

Ein Blick auf die Website des Verbandes Schweizer Meteo Anbieter (SMA) zeigt denn auch, dass der Konflikt zwischen dem Bundesamt und den privaten Meteodienstleistern schon länger schwelt: Von Wettbewerbsbehinderung durch eine staatliche Institution ist die Rede sowie von einer im vergangenen Dezember eingereichten Motion, die den freien Zugang zu Meteodaten fordert.

Wick erklärt, dass man momentan zwei Möglichkeiten sehe, wie das Problem mit Meteo Schweiz zu lösen sei: Entweder würden die Privaten weiterhin für die Wetterdaten bezahlen, dafür ziehe sich Meteo Schweiz aus dem Markt zurück, oder aber der Dienstleister des Bundes stelle die Wetterdaten gratis zur Verfügung und könne im Gegenzug weiterhin im Markt auftreten. «Dadurch würden wieder gleich lange Spiesse geschaffen», meint Wick.

Auf die Konkurrenz im App-Markt hat Meteonews bereits reagiert, wie Peter Wick erklärt: «Wir bieten einen umfassenderen Service wie zum Beispiel Bilder von Webcams oder internationale Wetterdaten an.» Damit hoffen sie, auf den Zuspruch der Konsumenten zu stossen. Ob dieser Zusatzservice reichen wird, um die Zukunft des Wetterdienstleisters sicherzustellen, ist gemäss Wick ungewiss: «Momentan ist unser Überleben noch gesichert, doch wenn Meteo Schweiz den Markt weiterhin mit solchen Vorstössen unterläuft, sieht es für unsere Firma nicht gut aus.»

Erstellt: 05.03.2013, 19:37 Uhr

Ärgert die privatwirtschaftlichen Meteo-Anbieter: Die Gratis-App von Meteo Schweiz. (Bild: Screenshot Meteo Schweiz)

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