«Herumtwittern reicht nicht»

Die Jungen bei der SVP Zürich wollen den Generationenwechsel einleiten. Was sagt SVP-Nationalrat Hans Fehr (65) über die Palastrevolution, altgediente Schlachtrösser und neue Ideen?

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Herr Fehr, wann treten Sie zurück?
Stellen Sie mir bitte eine intelligentere Frage!

Die Zeitung «Der Sonntag» schrieb, die Jungen in der Zürcher SVP seien ungeduldig, man erwarte von den alten Schlachtrössern, dass sie langsam zurücktreten. Es ist von einer Palastrevolution die Rede.
Die sogenannte Palastrevolution, welche gewisse Sonntagsmedien sehen wollen, hat für mich vor allem Unterhaltungswert. Besonders die Sonntagsmedien müssen doch ständig irgendwelche Storys aufkochen, wenn sie Beachtung finden wollen. Meine Antwort heisst: Gelassenheit.

Spüren Sie keinen Druck von den Jungen, Platz zu machen?
Selbstverständlich gibt es Druck. Und hoffentlich gibt es Druck. Es ist doch ein völlig normaler Prozess in einer starken Partei mit klaren Positionen, dass die Jungen Druck machen, andernfalls wäre es eine tote Partei. Wir können uns nur beglückwünschen, dass da junge Politiker nach vorne drängen.

Ihr Parteikollege Toni Bortoluzzi sieht das offenbar nicht so. Er will nur noch Passivmitglied der SVP sein.
Er stört sich nicht am Druck der Jungen, er stört sich offenbar daran, dass es bei der Managed-Care-Vorlage ein wenig dolchstossartig zuging. Die Art und Weise, wie man seine langjährige Arbeit rund um Managed Care zerzaust hat, hat er nicht goutiert.

Bortoluzzi sagt auch, man habe ihn ins offene Messer laufen lassen. Tut man das nicht immer dann, wenn man jemanden desavouieren und abschiessen will?
Bewährte Schlachtrösser lassen sich doch nicht abschiessen und desavouieren. Sie kämpfen und führen Schlachten – manchmal haben sie Erfolg und manchmal eben nicht.

Bei Ihnen heisst es, Sie seien zurückgestuft worden. In Asylfragen habe nun der Bündner Nationalrat Heinz Brand die Federführung.
Das tönt zwar brandheiss, ist aber barer Unsinn. Aber hoffentlich lässt man ein neues Parlamentsmitglied, das 20 Jahre lang einem kantonalen Migrationsamt vorstand, in der Asylpolitik eine erste Geige spielen. In der SVP-Fraktion sind wir ein Quartett, welches die Asylfragen bearbeitet, das sind neben Brand und mir Christoph Blocher und Roberta Pantani von der Lega dei Ticinesi. Wir haben bei der letzten Asyldebatte gemeinsam insgesamt 40 Verschärfungs- und Verbesserungsanträge erarbeitet und diese zum grossen Teil auch durchgebracht.

Hat man Ihnen persönlich nie gesagt, dass es langsam an der Zeit wäre, an einen Rücktritt zu denken?
(Lacht) Vielleicht denken das tatsächlich Einzelne, gehört habe ich es aber noch nie. Ich bin aber auch «erst» 16 Jahre im Amt. Wir haben sehr gute Fraktionsmitglieder, die schon länger dabei sind. Die Leistung der älteren Garde ist für die SVP sehr wichtig und wird meiner Meinung nach von der Parteibasis und in der Bevölkerung honoriert. Dort ist man der Überzeugung, dass wir es nicht so schlecht machen. Ich bin vielleicht ein Sonderfall, weil ich dreisprachig bin. Darum bin ich auch oft in der Romandie und im Tessin unterwegs. Zudem mache ich klare Aussagen und habe einen Leistungsausweis.

Vor zwei Jahren haben Sie für die SVP buchstäblich Ihre Haut zu Markte getragen. Sind Sie enttäuscht, dass der Druck auf die ältere Garde stärker wird?
Enttäuscht? Nein. Erwarten Sie in der Politik niemals Dankbarkeit, es wäre eine absurde Erwartung. Und am Albisgüetli-Überfall waren nicht die jungen Stosskräfte der SVP schuld, sondern der Schwarze Block. Die Jungen haben das Recht anzutreten, sofern sie eine Leistung bieten, sofern sie neue Konzepte und Anträge und einen Tatbeweis bringen. Sie müssen zuerst eines: chrampfen. Bundesrat Gnägi hat einmal gesagt: «Politik ist eine beharrliche Dauerleistung.»

Sind die Jungen bereit zu einer beharrlichen Dauerleistung?
Doch, zum grossen Teil schon. Die Ansätze sind gut. Es muss aber alles solide ausgebaut werden. In der Welt herumtwittern reicht nicht, es braucht gute Konzepte und neue Ideen.

Führen Sie die laufende Legislaturperiode zu Ende?
Ein Abgang ist für mich noch in der Ferne. Und wenn ich jetzt etwas darüber sagen würde, wäre ich ab sofort eine lahme Ente. Über einen allfälligen Rücktritt wird sich wohl keines der altgedienten Schlachtrösser äussern. Wir wären ja dumm, wenn wir das täten. Und dumm sind wir nicht.

Erstellt: 10.09.2012, 14:47 Uhr

Ein Jüngerer rutscht nach

Kurz nachdem dieses Interview mit Hans Fehr von Tagesanzeiger.ch/Newsnet publiziert worden ist, erreichte uns die Meldung, dass der Zürcher SVP-Nationalrat Bruno Zuppiger zurücktritt. Davon profitiert Gregor Rutz aus Küsnacht. Der 39-jährige Jurist wird Zuppigers Nationalratssessel erben. Dies sagte der Zürcher SVP-Sekretär auf Anfrage der sda. Rutz sitzt gegenwärtig noch im Zürcher Kantonsrat und ist zudem Vizepräsident der Zürcher Kantonalpartei.

Daneben engagiert er sich im Vorstand der IG Freiheit und in der Aktion Medienfreiheit. Der Inhaber einer Kommunikationsagentur politisiert zwar stramm auf Zürcher Linie, spricht mit seinem Auftreten aber ein eher jüngeres und urbaneres Publikum an. Rutz war 2001 bis 2008 Geschäftsführer und Generalsekretär SVP Schweiz. (sda)

Hat laut Parteikollege Fehr «nicht goutiert», wie seine langjährige Arbeit zerzaust wurde: Toni Bortoluzzi. (Bild: Keystone )

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