Höchststand seit 1999: Gefängnisse zum Bersten voll

Fast 6200 Menschen sind in der Schweiz inhaftiert; das ist der höchste Stand seit 1999. In der Romandie ist die Situation besonders prekär. Schweizweit sind 72 Prozent der Insassen Ausländer.

Gefängnisinsassen in der Schweiz seit 1999

Gefängnisinsassen in der Schweiz seit 1999


Quelle: Bundesamt für Statistik


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Wie aus der Statistik über den Freiheitsentzug 2010 des Bundesamts für Statistik hervorgeht, waren am 1. September 2010 in der Schweiz 6181 Personen in Einrichtungen des Freiheitsentzugs inhaftiert. Im Vorjahr waren es 6084 gewesen. Die Gefängnisse waren im vergangenen Jahr zu 92,5 Prozent belegt. Die Belegungsrate nahm gegenüber 2009 um 1,5 Prozentpunkte zu. In den lateinischen Kantonen lag die Belegungsrate gar bei 105 Prozent.

Von den Inhaftierten befanden sich 31 Prozent in Untersuchungshaft und 61 Prozent im Straf- und Massnahmenvollzug. 6 Prozent waren dagegen im Rahmen von Zwangsmassnahmen gemäss Bundesgesetz über die Ausländerinnen und Ausländer inhaftiert, während 2 Prozent aus anderen Gründen festsassen.

Mehr Gefangene zuletzt in Neunzigern

Wie das Bundesamt für Statistik auf Anfrage von Tagesanzeiger.ch/Newsnet mitteilte, war im Jahr 1997 eine höhere Belegungsquote erfasst und publiziert worden. Damals waren 6729 Menschen als Insassen registriert; im Jahr 1996 waren es 6779 Personen gewesen und 1995 waren es 6618.

Allerdings wurden in der Statistik andere Methoden verwendet; zum Beispiel wurden auch kleinere Polizeigefängnisse mit zwei oder drei Plätzen erfasst. Deshalb sind die Zahlen von damals und heute kaum vergleichbar. Nach den aktuellen Erfassungsmethoden, die als genauer gelten, dürften die Zahlen etwas geringer ausfallen – doch laut dem Bundesamt dürften sie die aktuelle 6181 Erfassten auf jeden Fall überschreiben. Die Zahl der inhaftierten Personen sank dann ab dem Jahr 1998 zwischenzeitlich wieder auf eine tieferes Niveau.

Ein sehr hoher Anteil an Ausländern

Seit 2004 ist der prozentuale Anteil an ausländischen Inhaftierten stabil und macht 72 Prozent des Gesamtbestands aus. Bei den Untersuchungshäftlingen lag der Ausländeranteil sogar bei über 81 Prozent. Ausländer werden schon wegen Fluchtgefahr eher in Untersuchungshaft genommen als Schweizer.

Die Erhebung zum Freiheitsentzug wurde bei den 114 Anstalten und Institutionen des Freiheitsentzugs der kantonalen Justiz- und Polizeidepartemente durchgeführt. Sie verfügen über total 6683 Haftplätze. (sda)

Erstellt: 11.01.2011, 09:57 Uhr

Viel mehr U-Häftlinge in der Romandie

In der lateinischen Schweiz sitzen mehr Häftlinge in Untersuchungshaft als in den deutschschweizer Kantonen. Befanden sich gesamtschweizerisch knapp 31 Prozent der Inhaftierten in U- Haft, waren es in den lateinischen Kantonen über 40 Prozent.

Laut der Statistik des Freiheitsentzugs 2010 waren in der lateinischen Schweiz von total 2165 Häftlingen 869 Untersuchungshäftlinge - das entspricht 40,1 Prozent.

In den Haftanstalten der Ostschweiz befanden sich 548 Personen in U-Haft (26,5 Prozent aller Häftlinge), in jenen der Nordwest- und Innerschweiz 477 (24,5 Prozent).

Die Aussenmauer der Strafanstalt Pöschwies in Regensdorf. (Bild: Keystone )

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