Holenweger-Prozess startet mit einem Protest

Heute hat vor dem Bundesstrafgericht in Bellinzona der Prozess gegen den Zürcher Privatbankier Oskar Holenweger begonnen. Verteidiger Lorenz Erni eröffnete mit einer Rüge.

Auf dem Weg ins Gericht: Der Zürcher Privatbankier Oskar Holenweger.

Auf dem Weg ins Gericht: Der Zürcher Privatbankier Oskar Holenweger. Bild: Keystone

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Holenwegers Anwalt Lorenz Erni protestierte dagegen, dass die sogenannten «Ramos-Akten» nicht in das aktuelle Verfahren einbezogen werden konnten. Der ominöse Informant «Ramos» hatte die Ermittlungen der Bundesanwaltschaft (BA) gegen Holenweger mit seiner Beschuldigung ausgelöst, dass sich der Bankier als Drogengeldwäscher anbiete.

830'000 Euro entgegengenommen

Holenweger räumte ein, vom verdeckten Ermittler «Markus Diemer» im September 2003 830'000 Euro entgegengenommen und weitergeleitet zu haben. Der Privatbankier bestritt allerdings vehement, von Diemer darüber informiert worden zu sein, dass es sich um Drogengeld handle. Diemers anderslautender Bericht sei falsch.

Der erste Kontakt mit Diemer sei von Ramos bei einem Besuch in Holenwegers Tempus-Bank über das Handy seiner Freundin hergestellt worden. Auch der zweite Kontakt mit Diemer habe nur auf Intervention von Ramos stattgefunden. Ramos selber sei ganz offensichtlich auf ihn angesetzt worden.

Kernkompetenz Lügen

Ramos Kernkompetenz sei das Lügen. Was er der BA mitgeteilt habe, sei weitgehend haltlos. Er habe berichtet, was die BA habe berichtet haben wollen. Die Anschuldigungen der BA bezüglich seiner Funktion als Drogengeldwäscher würden insgesamt eine Kaskade «sich selbst erfüllender Prophezeiungen» darstellen.

Zu seiner Person gab Holenweger an, aus einfachsten Verhältnissen zu stammen. Heute sei er als Berater tätig, führe aber einen sehr bescheidenen Lebensstil. Seit seiner Entlassung aus der U-Haft im Januar 2004 habe er Bilder, Uhren, Gold und anderes im Wert von rund einer Millionen Franken veräussern müssen.

Prozess soll eine Woche dauern

Die BA wirft Holenweger einerseits vor, als Drehscheibe für Bestechungszahlungen des französischen Industriekonzerns Alstom fungiert zu haben. Weiter soll er für den V-Mann Diemer 830'000 Euro angebliches Drogengeld entgegengenommen und gewaschen haben.

Laut BA soll sich Holenweger der Urkundenfälschung, der Gehilfenschaft zu ungetreuer Geschäftsbesorgung, der qualifizierten Geldwäscherei und der Bestechung fremder Amtsträger schuldig gemacht haben.

Der Prozess ist auf fünf Tage angesetzt. Das Urteil wird zu einem späteren Zeitpunkt fallen. Das Gericht verhandelt in Dreierbesetzung unter Vorsitz von Richter Peter Popp. Die Anklage wird vertreten von Lienhard Ochsner und Stefan Lenz. Holenweger lässt sich von Rechtsanwalt Lorenz Erni verteidigen. (pbe/sda)

Erstellt: 11.04.2011, 14:59 Uhr

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