Horten Schweizer Banken 1400 Milliarden Dollar indisches Schwarzgeld?

Wegen Schwarzgeld-Konten stehen die Schweizer Behörden und der Finanzplatz erneut in der Kritik. Die Attacken kommen diesmal aus Indien.

«Swiss mystery deepens» («Schweizer Geheimnis wird grösser»): Debatte im indischen Fernsehen mit dem Schweizer Anwalt Daniel Fischer (oben rechts).

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Indiens Elite konnte jahrzehntelang ungehindert Geld aus dem Land schaffen. Das ist aber nicht mehr so: Die indische Regierung bemüht sich seit etwa zwei Jahren, Schwarzgeld aus dem Ausland zurückzuholen. Und den grössten Teil der unversteuerten Vermögen in der Höhe von bis zu 1400 Milliarden US-Dollar vermuten die Inder in der Schweiz. Die Schweiz steht denn auch im Zentrum einer heftigen Schwarzgeld-Debatte in den indischen Medien, wie das Schweizer Finanzportal «Finews» berichtet.

In einer TV-Debatte in dieser Woche versuchte der Zürcher Wirtschaftsanwalt Daniel Fischer, die Haltung der Schweiz zu erklären – allerdings ohne Erfolg, weil ihm die Diskussionsteilnehmer der Sendung gar nicht richtig zuhörten und weil er wiederholt unterbrochen wurde. Vor allem der Moderator beharrte auf seinen Vorwürfen.

Waffenhändler mit Konten bei der UBS?

Die TV-Diskussion drehte sich immer wieder um den Multimilliardär Hasan Ali Khan: Er soll acht Milliarden Dollar auf Konten der UBS in Zürich versteckt haben. Khan, der zu den fünf reichsten Indern gehört, ist Pferdezüchter und Investor. Gegen ihn laufen seit 2007 Ermittlungen wegen Steuerhinterziehung und Geldwäscherei. Ende 2008 wurde er in Mumbai verhaftet. Khan soll auch in illegale Waffengeschäfte verstrickt sein.

Anwalt Fischer sagte in der Fernsehsendung, dass die Schweiz entschlossen gegen Kriminalität wie Geldwäscherei oder auch Terrorfinanzierung vorgehe. «Die Schweiz unterstützt keine kriminellen Aktivitäten, nie», sagte Fischer. «Aber genau das ist, was die Schweiz getan hat», konterte der TV-Moderator.

Indien soll Beispiel der USA im Fall UBS folgen

Gemäss Medienberichten beklagen sich die indischen Behörden über eine ungenügende Zusammenarbeit der Schweiz. Mit ihren Anträgen auf Einsicht in die Bankkonten von Khan seien die Inder in Bern aufgelaufen. Angeblich seien Bankeinlagen von indischen Bürgern in der Schweiz durch das Bankgeheimnis geschützt. Laut dem Finanzportal «Finews» hofft nun die indische Regierung, dass das Doppelbesteuerungsabkommen mit der Schweiz bald einen leichteren Zugang zu Bankkundendaten ermöglicht.

Wegen des Schwarzgelds auf Schweizer Konten liefern sich die indischen Parteien einen heftigen Schlagabtausch. So wirft die Opposition der Unionsregierung vor, zu wenig gegen die Steuerflucht zu unternehmen. Zudem würden Steuerflüchtlinge geschont. In der Debatte werden immer wieder die USA als Vorbild genannt. Die USA hätten es schliesslich geschafft, tausende Namen von Bankkunden in der Schweiz zu erhalten.

Indische Namen auf CDs von Whistleblower Elmer

Auslöser der Debatte sind nicht zuletzt die CDs mit Bankkundendaten, die der Schweizer Whistleblower Rudolf Elmer vor zehn Tagen an Wikileaks-Chef Julian Assange übergeben hatte. Angeblich befinden sich unter den Steuerhinterziehern mit Schweizer Bankkonten auch Unternehmer und Politiker aus Indien.

Bereits im Besitz der indischen Regierung sind Daten von Kunden der liechtensteinischen Bank LGT. Die Informationen stammen angeblich von Daten-CDs, die Steuerbehörden in Deutschland erworben und teilweise an Indien weitergeleitet haben. (vin)

Erstellt: 27.01.2011, 16:45 Uhr

Mutmasslicher Kunde der UBS: Hasan Ali Khan, Unternehmer aus Indien.

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