Hotelverband klagt über Knebelverträge – und knebelt selber

Eine Tochterfirma hat Hoteliers Verträge auferlegt, welche die Wettbewerbskommission für unzulässig hält.

Zankapfel Preisparität: Hotel Rigi Kulm. Foto: Gaetan Bally (Keystone)

Zankapfel Preisparität: Hotel Rigi Kulm. Foto: Gaetan Bally (Keystone)

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Mit allen rechtlichen und politischen Mitteln geht Hotelleriesuisse gegen ­Booking.com und Expedia vor. Der Verband wirft den Internetkonzernen vor, die Schweizer Hoteliers mit «Knebelverträgen» in ihrer unternehmerischen Freiheit einzuschränken. Erst rief er die Wettbewerbskommission (Weko) an. Weil diese aber nicht in seinem Sinne entschied, wählte er den Weg über das Parlament: Am 9. Januar ist in der Wirtschaftskommission des Ständerats eine Motion von CVP-Ständerat Pirmin Bischof traktandiert, welche den Buchungsplattformen gewisse Vertragsklauseln verbieten will.

Kurz vor dieser Sitzung wird nun bekannt, dass eine Tochterfirma von Hotelleriesuisse den Hoteliers selber ähnliche Knebelklauseln auferlegt hat. Der Verband ist mit 33 Prozent an der Firma Switzerland Travel Centre (STC) beteiligt – die beiden anderen Hauptaktionäre sind Schweiz Tourismus und die SBB. STC betreibt eine ähnliche Online­buchungsplattform wie Booking und ­Expedia, nur viel kleiner. Im Internet erreichbar ist die STC-Plattform unter anderem über die Websites Swisshotels.com und SBB.ch. Hotels, die auf dieser Plattform Zimmer anbieten, unterschreiben einen Vertrag mit dem STC.

Rüge von der Weko

Dieser Standardvertrag ist auf der Website von Hotelleriesuisse aufgeschaltet und enthält pikanterweise eine ähnliche Preisparitätsklausel wie die kritisierten Verträge von Booking und Expedia — mit einem Unterschied: Booking.com und die anderen Grossen wenden eine enge Preisparitätsklausel an, das heisst: Sie verbieten dem Hotelier, auf seiner eigenen Website tiefere Zimmerpreise zu offerieren als auf der Buchungsplattform. Das STC hingegen verlangt die weite Preisparität, das heisst: Der Hotelier darf zwar auf seiner Website billigere Zimmerpreise offerieren, aber nicht auf einer anderen Buchungsplattform.

Aus Sicht der Weko ist die vom STC angewandte weite Klausel sogar problematischer als die enge Klausel von Booking und Expedia. In ihrem Entscheid vom Oktober 2015 hat sie die weiten Preis­paritätsklauseln für wettbewerbsbehindernd und damit für unzulässig erklärt. Die engen Klauseln hingegen hat die Weko bis auf weiteres erlaubt: Deren Auswirkungen auf den Wettbewerb seien noch zu wenig eindeutig.

Als Tagesanzeiger.ch/Newsnet das STC mit seiner problematischen Vertragsklausel konfrontiert, sagt STC-Chef Michael Maeder, der Vertrag auf der Website von Hotelleriesuisse sei nicht mehr aktuell. Das STC habe den Vertrag Anfang Dezember 2016 geändert und dabei die Preisparitätsklausel gestrichen. Diese Vertrags­änderung erfolgte demnach, zwei Monate nachdem Bischof auf Betreiben der Hotelbranche seine Motion gegen die «Knebelverträge» eingereicht hatte.

Maeder dementiert jedoch einen Zusammenhang zwischen Motion und Vertragsänderung: «Das STC operiert unabhängig von den Verbandsinteressen von Hotelleriesuisse.» Enge Preisparitätsklauseln habe das STC ohnehin nie verlangt, und die weite Preisparitätsklausel habe man zu Beginn gebraucht, um von den Hotels keine schlechteren Preise zu bekommen als die Konkurrenzplattformen. Zuletzt habe die Klausel kaum noch eine Bedeutung gehabt, sagt Maeder. Man habe sie nun geändert – auch weil sie für viele Hoteliers «ein Reizthema» sei.

Auch Thomas Allemann, Geschäftsleitungsmitglied bei Hotelleriesuisse, sagt, die Preisparitätsklausel im STC-Vertrag habe nur noch «auf dem Papier bestanden» und sei kaum je eingefordert worden. Es sei falsch, wenn man deswegen jetzt die Hotelleriesuisse-Tochter STC kritisiere, die nur einen kleinen Marktanteil habe. «Die grossen Gegner der Schweizer Hoteliers sind Booking und Expedia.»

Zu spät zu kämpfen begonnen

STC-Chef Maeder hingegen ist anderer Meinung als sein Aktionär Hotellerie­suisse. Seiner Ansicht nach wird der Kampf gegen die Klauseln zu spät geführt. «Diese Klauseln waren für die Buchungsplattformen vor allem am Anfang wichtig, um bedeutende Marktanteile zu erringen.» Auch mit einem Verbot lasse sich dies nicht mehr rückgängig machen. Um ihre Abhängigkeit von ­Booking zu reduzieren, sollten sich die Hotels vielmehr darum bemühen, ihre Verteilkanäle zu diversifizieren.

Erstellt: 02.01.2017, 22:17 Uhr

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