«IZRS-Sprecher Illi und Pornografie – das ist Doppelmoral»

IZRS-Sprecher Qaasim Illi wurde wegen Pornografie verurteilt – vor über zehn Jahren. «Weltwoche»-Journalist Kurt Pelda erklärt, warum er das publik machen musste.

Er wurde auch wegen Verstössen gegen das Waffengesetz verurteilt: Qaasim Illi 2013 an der Jahreskonferenz des Islamischen Zentralrats in Genf.

Er wurde auch wegen Verstössen gegen das Waffengesetz verurteilt: Qaasim Illi 2013 an der Jahreskonferenz des Islamischen Zentralrats in Genf. Bild: Keystone

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Qaasim Illi wurde wegen Pornografie, Rassendiskriminierung und Verstössen gegen das Waffengesetz verurteilt. Allerdings ist das über zehn Jahre her, der entsprechende Eintrag im Strafregister ist gelöscht. Warum haben Sie das trotzdem veröffentlicht?
Ich glaube, es gibt ein öffentliches Interesse daran. Gerade auch in der Diskussion um den Händedruck in der Schule in Therwil und die Rolle des Islamischen Zentralrats darin. Der IZRS moralisiert ständig, verbietet den Händedruck mit Frauen, weil das zu Unzucht führe, er bezeichnet Pornografie auf seiner Website als «haram», also verboten. In meinen Augen ist das Doppelmoral, wenn ein Führungsmitglied wegen Pornografie verurteilt wurde. Dazu kommen antisemitische Äusserungen, auch nach seiner Verurteilung. Das rechtfertigt für mich die Veröffentlichung.

Auch öffentliche Personen haben das Recht auf Vergessen. Sprechen Sie Illi ab, dass er sich geändert haben könnte?
Ich habe Illi einen ganzen Fragekatalog geschickt, unter anderem mit der Frage, ob sich seine Haltung inzwischen geändert hat. Ich habe keine Antwort erhalten, auch vom IZRS nicht, mit der Begründung, weil ich einmal ein Verbot des Zentralrats gefordert hätte. Ich hätte diese Diskussion gerne geführt. Ich glaube auch an das Recht auf Vergessen. Ein Islamrat, der aber ein offensichtlich antisemitisches, ehemaliges Auns-Mitglied als Führungsperson hat, das ist klar von öffentlichem Interesse. Mir geht es auch gar nicht um den Pornografiekonsum an sich, solange es sich nicht um Kinder handelt oder jemand zu Schaden kommt. Aber es ist reine Heuchelei, da wird Wein getrunken und Wasser gepredigt.

Macht sich der IZRS mit der Beschäftigung eines wegen illegaler Pornografie Verurteilten unglaubwürdig?
Ja, klar. Würde man eine offene Diskussion darüber führen, wäre es etwas anderes. Der Zentralrat wiegelt aber ab und sagt, das sei in der Zeit vor Illis Konvertierung zum Islam geschehen. Das stimmt aber nicht. Die verbotenen Bilder wurden beschlagnahmt, als Illi schon Muslim war. Er hat also nach Haltung des IZRS eigentlich eine Sünde begangen.

Bedeutet denn der Übertritt zum Islam die Absolution von vergangenem Unrecht?
Das ist die Haltung des Islamischen Staats. Ob das der IZRS auch so sieht, weiss ich nicht. Es macht aber den Anschein, als würde «Jahiliya», die «Zeit der Ignoranz vor der Konvertierung» als Rechtfertigung herangezogen. Ich verstehe den Koran aber so, dass die Menschen am Tag des Jüngsten Gerichts für alle begangenen Sünden geradestehen müssen, ähnlich wie im Christentum. Das wird aber im Islam unterschiedlich ausgelegt.

Qaasim Illi wurde auch wegen antisemitischer Rassendiskriminierung verurteilt, er hatte Juden als «Schweine» bezeichnet. Ist der salafistische Islam, zu dessen Strömung der IZRS gehört, grundsätzlich antisemitisch?
Auch im Salafismus gibt es keine einheitliche Linie. In islamistischen Kreisen ist Antisemitismus aber weit verbreitet. Qaasim Illi selber hat ein Video verbreitet, in dem zur Tötung von Zionisten aufgerufen wird.

Gegen aussen bezeichnet der Zentralrat die Verurteilung Illis als Privatsache. Wie, glauben Sie, wird das intern diskutiert?
Der IZRS wird ziemlich diktatorisch geführt, von Illi und Nicolas Blancho. Ich denke nicht, dass Illi innerhalb des Zentralrats gross kritisiert wird. Solche Diskussionen werden meines Wissens schnell unterdrückt.

Und in der Anhängerschaft?
Ich denke, meine Enthüllungen werden wieder als Islamophobie abgetan, als Hetze gegen Muslime.

Liefern Sie mit Ihrem Angriff auf Illis Person nicht gerade Munition für diese Sichtweise?
Mit dem Argument der Islamophobie will der IZRS ja gerade Kritik unterdrücken. Ich will dem nicht entgegenkommen, sondern die Konfrontation suchen. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 21.04.2016, 20:41 Uhr

Kurt Pelda ist freier Journalist und Kriegsreporter. Er berichtet regelmässig aus Syrien und dem Irak, unter anderem für die «Weltwoche». Pelda wurde 2014 zum Journalist des Jahres gewählt. (Bild: SRF)

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