«Ich besitze nur ein Landhaus in der Schweiz»

33 Russen dürfen wegen Sanktionen der EU nicht mehr in die Schweiz einreisen. 32 von ihnen dürfte das egal sein.

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Auf den beiden Listen der EU-Aussenabgeordneten Catherine Ashton figurieren 33 Namen von Personen aus dem Umfeld von Wladimir Putin, für die nun eine Einreisesperre in den Schengen-Raum gilt. Einer von ihnen hat direkte Verbindungen in die Schweiz. Andrei Klischas, 41-jährig, geriet in Ashtons Ungnade, weil er den Einmarsch der russischen Truppen auf der Krim als «allumfassende Unterstützung bei der Verteidigung der Bürger» rechtfertigte.

Klischas, Abgeordneter im russischen Parlament, besitzt ein Haus in der Schweiz. Im Sommer 2012 berichtete die russische Zeitung «Nowaja Gaseta», dass er in seiner Einkommenserklärung – neben einem Einkommen von umgerechnet 7,5 Millionen Franken – zwei Liegenschaften in der Schweiz deklarierte. Für wenigstens eine davon lieferte Klischas die Bestätigung vor wenigen Tagen selbst. Als die USA und die EU Sanktionen gegen seine Person erliessen, reagierte der Politiker mit Häme. Die grosse Wertschätzung, welche die US-Regierung ihm und seiner Arbeit entgegenbringe, sei absolut gerechtfertigt. Doch die Sanktionen beträfen ihn nicht. «Ich besitze nur ein Landhaus in der Schweiz und diese ist nicht einmal Mitglied der EU.»

Villa mit Sicht auf den Lago Maggiore

Inzwischen sieht die Sache etwas anders aus: Bundespräsident Didier Burkhalter teilte gestern mit, dass die Schweiz allen 33 Personen ein Schengen-Visum verweigern werde, die von der EU mit einer Einreisesperre belegt wurden. Andrei Klischas darf also weder in die EU noch in die Schweiz einreisen. Sein Landhaus, laut «Nowaja Gaseta» ist es 432 Quadratmeter gross, wird er bis auf weiteres nicht bewohnen können. Dazu äusserte sich Klischas auch in der italienischen Tageszeitung «La Stampa» völlig ungerührt. Er sei bereit, die Liegenschaft aufzugeben.

Klischas Feriendomizil befindet sich in Brione sopra Minusio – ein kleiner Ort mit einer beeindruckenden Villendichte und mit prächtigem Blick auf den Lago Maggiore. Dies recherchierte die «Neue Zürcher Zeitung» Ende 2012. Damals sagte ein Einwohner des Dorfes, Klischas habe viel Geld in die Renovation der grossen Villa gesteckt. Dort anzutreffen sei er trotzdem fast nie. Ferner recherchierte die NZZ, Klischas hab eine Postadresse am Limmatquai 94 in Zürich. Dort sei er über die Anwaltskanzlei «Bodmer Fischer AG» erreichbar. Gegen den Namensgeber der Kanzlei, Hans Bodmer, ermittelte die Bundesanwaltschaft im Jahr 2011 wegen Verdacht auf Geldwäscherei. Bodmer soll Gelder von Norilsk Nickel gewaschen haben –jenem Konzern, dem Andrej Klischas bis 2011 vorsass. Die Anzeige gegen Bodmer wurde fallengelassen, Verflechtungen zwischen Bodmer und Klischas sind dennoch augenscheinlich.

Zweite Garde

Klischas gehört heute zum Dunstkreis von Wladimir Putin. Er ist Vorsitzender des Russischen Föderationsrates, der einen von zwei Kammern des russischen Parlaments. Klischas präsidiert dort den Ausschuss für konstitutionelle Gesetzgebung, Rechts- und Justizfragen und Entwicklung der Zivilgesellschaft. Vor seiner Karriere in der Politik zählte Klischas zu den wichtigsten Exponenten in Russlands Wirtschaft. Mit zarten 29 Jahren wurde er Mitglied im Verwaltungsrat von MMC Norilsk Nickel – mit 15 Milliarden Dollar Umsatz der weltgrösste Nickelproduzent weltweit. Norilsk steuert laut eigenen Angaben 1,5 Prozent des russischen Bruttosozialproduktes bei. 2010 wurde der damals 38-jährige Präsident des Unternehmens – und damit Herr über fast 100'000 Mitarbeiter. Allerdings gab er dort nach nur sieben Monaten seinen Rücktritt bekannt. Laut eigenen Angaben, um für einen Sitz in der Duma zu kandidieren.

2008 wurde er mit der Medaille «Für Verdienste vor dem Vaterland» ausgezeichnet – der zweithöchsten staatlichen Auszeichnung der Russischen Föderation. Allerdings nur mit der Medaille zweiter Klasse – was mindestens sinnbildlich zeigt, dass Klischas nur zur zweiten Garde von Putins Vertrauten gehört. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 27.03.2014, 15:08 Uhr

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