«Ich bin für liberale Musik»

Tito Tettamanti möchte mit der «Basler Zeitung» für mehr Meinungsvielfalt sorgen. Im Interview äussert sich der Financier über das Scheitern von Moritz Suter und die Rolle von Christoph Blocher.

Neustart für die BaZ Holding: Die MedienVielfalt Holding von Tito Tettamanti.

Neustart für die BaZ Holding: Die MedienVielfalt Holding von Tito Tettamanti.

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Herr Tettamanti, Sie haben die Presse nach Zürich gerufen, um den Kauf der Basler Zeitung zu verkünden. Stossen Sie die Basler damit nicht gleich vor den Kopf?
Aber nein. Es handelt sich um eine Pressekonferenz, an der in erster Linie die Gründung der Holding für Medienvielfalt bekannt gegeben wird. Der Kauf der Basler Zeitung ist nur ein Teil unserer Strategie. Die MedienVielfalt Holding agiert gesamtschweizerisch. Alle in der ganzen Schweiz müssen ein Interesse daran haben, dass nicht alle Zeitungen nur einigen wenigen grossen Verlagen gehören.

Vor einem Jahr haben Sie die BaZ verkauft. Nun kommen Sie überraschend zurück. Was hat sich geändert?
Ich komme aus verschiedenen Gründen zurück. Erstens habe ich jetzt eine Gruppe von Leuten mit mir, die mich mit meinen Ideen unterstützen. Zweitens konnte sich die Zeitung qualitativ steigern, das sagen sogar Kritiker des Chefredaktors. Drittens gibt es nun in Basel Konkurrenz zur BaZ, eine echte Vielfalt also. Das erleichtert es, selbst eine profilierte Zeitung zu machen. Zudem ist es für mich, anders als das letzte Mal, nicht einfach nur ein weiteres Investment, sondern es ist auch ein wenig Leidenschaft dabei, weil die BaZ ein Mittel sein kann, unsere Konzepte bekannter zu machen. Und schliesslich bin ich angefragt worden, ob ich wieder einsteigen will, da habe ich Ja gesagt.

Von wem wurden Sie angefragt?
Von Christoph Blocher.

Wann?
Das war am 13. Oktober bei mir in Lugano.

Welche Rolle spielt Christoph Blocher von nun an in der BaZ?
Christoph Blocher hat mir — wie schon bei meinem ersten Engagement vor einem Jahr — eine Garantie für mögliche Verluste gegeben, die im Zusammenhang mit einer Sanierung des industriellen Teils entstehen könnten. Sonst hat die Familie Blocher mit der BaZ nichts mehr zu tun.

Was erhält Blocher als Gegenleistung?
Er erhält, dass ich auf seinen Wunsch eingegangen bin und wieder bei der BaZ einsteige.

Und von wem haben Sie die Aktien gekauft?
Von Rahel Blocher. Sie hat diese Aktien, so weit mir bekannt ist, am vergangenen Montag von Moritz Suter gekauft. Zuvor hatte sie keine Aktien der Gruppe.

Aber sie war bei der BaZ mit 70 Millionen Franken investiert?
Das weiss ich nicht. Ich habe auch diverse andere Namen gehört, etwa auch Ospel. Aber es interessiert mich auch nicht. Das war die Sache von Moritz Suter.

Wird Blochers Firma Robinvest an der Sanierung der BaZ beteiligt sein?
Nein, das ist nun die Aufgabe von Filippo Leutenegger, der bei Jean Frey für mich dieselbe Aufgabe erledigt hat.

Denken Sie, dass die BaZ restrukturiert werden kann, ohne einen massiven Arbeitsplatzabbau?
Das kann ich jetzt noch nicht sagen. Zuerst muss Filippo Leutenegger eine saubere Auslegeordnung machen. Erst dann können weitere Schritte ergriffen werden.

Welches sind Ihre Ziele mit dieser MedienVielfalt Holding?
Es geht darum, eine echte Meinungsvielfalt zu schaffen. Meinungsvielfalt bedeutet dabei, dass nicht viele Orchester die gleiche Musik spielen, sondern unterschiedliche Musik.

Welche Musik fehlt Ihnen denn?
Ich bin für liberale Musik. Ich bin aber auch bereit, mich mit anderen Ideen auseinanderzusetzen und zu streiten. Aber insgesamt dürfen wir nicht nur im Mainstream verharren.

Was verlangen Sie von der BaZ?
Das überlasse ich zwei erfahrenen Leuten. Zum einen Chefredaktor Markus Somm, der meine volle Unterstützung hat. Und zum anderen meinem Freund und BaZ-Verwaltungsratspräsidenten Filippo Leutenegger.

Im BaZ-Verwaltungsrat sitzt nun auch Adriana Ospel, die Frau von Marcel Ospel. Warum?
Warum nur diese Frage? Gibt es Berufsverbot für eine Frau, nur weil sie Ospel heisst? Sie ist eine Dame mit viel Kopf! Darum haben wir uns für sie entschieden.

Wie soll die BaZ künftig positioniert werden?
Für eine Tageszeitung sind vier Punkte wichtig: Erstens die lokale und regionale Verankerung. Wer am Stadt- oder regionalen Geschehen wirklich teilhaben will oder Todesanzeigen oder lokale Nachrichten lesen will, nimmt eine regionale Zeitung zur Hand. Das ist ein Standortvorteil. Zweitens glaube ich immer mehr daran, dass unterschiedliche Meinungen und Kommentare wichtig sind. Die Nachrichten sind gewissermassen bereits verbrannt, wenn sie in der Zeitung erscheinen. Ich finde es deshalb wichtig, Kommentare auch aus Basel zu haben und nicht nur aus Zürich. Drittens leben wir in einem föderalistischen Staat. Deswegen wird es niemals eine einzige Zeitung geben, Welche die ganze Schweiz abdeckt. Es gibt durchaus Platz für eine eigenständige Basler Zeitung.

Ist es nicht schlecht fürs Geschäft, wenn Abonnenten die Zeitung abbestellen, weil ihnen der ideologische Kurs nicht mehr gefällt?
Wir werden sehen, ob die Zeitung tatsächlich allgemein schlecht ankommt. Viele Leser finden die Zeitung heute wesentlich besser als früher. Es gibt also auch neue Abonnenten.

Beim letzten Mal verliessen Sie Basel nicht gerade mit einem friedlichen Ton. Sie sagten damals, die Basler seien engstirnig. Was denken Sie, wie Sie aufgenommen werden?
Damals war die Reaktion der Leute einigermassen gerechtfertigt. Es war ein Fehler, nicht von Anfang an zu sagen, dass Blochers Robinvest den industriellen Teil der BaZ sanieren sollte. Nun komme ich zurück, um für gewisse Ideen zu kämpfen, um mutig zu sein gegenüber dem vorherrschenden Mainstream. Ich glaube, dass ich durchaus gut aufgenommen werde. Aber natürlich nicht von allen.

Viele in Basel sind erbost, weil sie in den vergangenen zwei Jahren über die wahren Besitzer der BaZ getäuscht worden sind. Wurde da nicht viel Geschirr zerschlägen?
Es ist ein Salat, ich kann es nicht anders sagen. Auch ich habe Fehler gemacht. Aber ich schaue jetzt nach vorne.

Weshalb hat das Intermezzo mit Moritz Suter nicht geklappt?
Ich schätze Moritz Suter sehr. Er dachte, mit seiner Persönlichkeit würde er es hinbekommen, dass sich die ganze Angelegenheit beruhigen würde, indem er die Aktien übernehmen würde. Das war eine Fehleinschätzung. Offenkundig war vor allem auch sein Financier — wer immer das auch war — nicht bereit mit seinem Namen hinzustehen. Zudem war die Idee, die BaZ mit einer Volksaktie unter die Leute zu bringen, vom Termin her nicht gerade geschickt. Wer wollte jetzt wohl BaZ-Aktien in einem Börsengang erwerben?

Die BaZ ist nun also unter dem Dach der neu gegründeten Holding für MedienVielfalt. Planen Sie, auch die «Weltwoche» in diese Holding aufzunehmen?
Ich habe mit Roger Köppel nicht gesprochen, doch das kommt wohl nicht infrage. Köppel wird die «Weltwoche» eigenständig weiterführen wollen.

In Basel gibt es die «Stiftung für Medienvielfalt» von Beatrice Oeri, welche hinter der neuen «Tageswoche» steht. Sie haben nun die MedienVielfalt Holding gegründet. Zufall oder Absicht?
Zufall. Als wir es bemerkt haben, war es schon zu spät, um dies auf die Schnelle wieder zu ändern.

Der Holding-Sitz ist in Zug. Warum?
Viele gehen nach Zug. Zug ist sehr zentral... (lacht) (Basler Zeitung)

Erstellt: 15.12.2011, 12:45 Uhr

«Auch ich habe Fehler gemacht. Aber ich schaue jetzt nach vorne»: Tito Tettamanti. (Bild: Keystone )

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