«Ich entscheide mich bis am 4. Oktober»

Der Freiburger SP-Ständerat Alain Berset gilt als Kronfavorit für die Nachfolge von Bundesrätin Micheline Calmy-Rey. Im Gespräch mit Tagesanzeiger.ch/Newsnet sagt er, worauf er bei einer Kandidatur achtet.

In vier Wochen informiert er über seine Kandidatur: SP-Kronfavorit Alain Berset.

In vier Wochen informiert er über seine Kandidatur: SP-Kronfavorit Alain Berset. Bild: Keystone

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Sie werden seit Monaten als nächster SP-Bundesrat genannt. Was ging Ihnen gestern Nachmittag durch den Kopf?
Wir hatten gestern Nachmittag Kommissionssitzung, es ging um Massnahmen gegen die Frankenstärke, ein wichtiges Geschäft. Ich habe den Rücktritt zur Kenntnis genommen. Mir war aber auch bewusst, dass dieser Rücktritt neue Perspektiven eröffnet.

Wollen Sie kandidieren?
Zuerst einmal muss ich sagen, dass wir in der kommenden Session wichtige Themen vor uns haben. Es geht um den starken Franken, um den Atomausstieg. Aber ich werde mir während der Session auch Gedanken machen über eine Kandidatur.

Wann fällen Sie Ihre Entscheidung?
Am 4. Oktober werde ich meine Partei und die Öffentlichkeit informieren. Dies habe ich gestern Abend mit dem Präsidenten der SP Fribourg vereinbart.

Was sind die Entscheidungskriterien?
Zuerst einmal die Grundsatzfrage: Will ich das? Falls ja, geht es um die politischen Rahmenbedingungen, die Zusammensetzung des Bundesrats. Ist die Arbeit im Bundesrat effizient, kann ich mitgestalten, im Team etwas bewirken? Das war nicht immer der Fall. Es kommt jetzt auf die künftige Zusammensetzung an. Und auch die privaten Bedingungen spielen eine Rolle.

Wäre das Bundesratsamt mit Ihrer jungen Familie vereinbar?
Unsere Kinder sind 8, 6 und 4 Jahre alt und alle in der Schule. Die private Frage werde ich natürlich gemeinsam mit meiner Familie klären.

Erstellt: 08.09.2011, 14:58 Uhr

Koordinierte Kampagne

Ein drehendes Kandidatenkarussell könnte der SP im Wahlkampf Rückenwind verleihen - vor allem in der Romandie, woher ihre Kandidaten wahrscheinlich stammen werden. Dazu brauche es eine sehr gut koordinierte Kampagne, in der sich alle Anwärter möglichst lange im Gespräch halten, erklärte der Politberater Mark Balsiger. Gäbe der Freiburger Ständerat Alain Berset als einer der Favoriten sofort seine Kandidatur bekannt, wäre dieses Pulver verschossen. Vorerst hält er sich darum bedeckt.

Ebenfalls Interesse an einer Kandidatur hat der Walliser Nationalrat Stéphane Rossini. Er will am 3. Oktober informieren, ob er kandidiert oder nicht. Länger Zeit nimmt sich der Waadtländer Gesundheitsdirektor Pierre-Yves Maillard. Er werde nicht vor den eidgenössischen Wahlen vom 23. Oktober über eine Kandidatur entscheiden, sagte er am Mittwoch.

Neben diesen drei Politikern gibt es weitere Papabili: Der Neuenburger Staatsrat Jean Studer, die Genfer Ständerätin Liliane Maury Pasquier, die jurassische Erziehungsdirektorin Elisabeth Baume-Schneider und auch die Tessiner Nationalrätin Marina Carobbio. Sie alle hatten eine Kandidatur am Mittwoch nicht ausgeschlossen, ohne sich aber schon festzulegen.

Auch bei der SVP ist noch offen, wer als Kampfkandidat in Frage kommt. Seit Jahren im Gespräch und schon einmal als Kampfkandidat angetreten ist der Freiburger Nationalrat Jean-François Rime. Dass er im Dezember auf dem SVP-Ticket steht, ist darum gut möglich. (sda)

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