«Ich halte nichts von Eurolöhnen»

Die Idee, Grenzgängern oder auch Schweizern die Löhne in Euro zu entrichten, ist umstritten. Was SVP-Stratege Christoph Blocher von dem Vorschlag hält.

Christoph Blocher an der Albisgüetlitagung 2015

Christoph Blocher an der Albisgüetlitagung 2015 Bild: Walter Bieri/Keystone

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Herr Blocher, Firmen und lokale Arbeitgeberverbände prüfen, ob sie den Grenzgängern die Löhne in Euro bezahlen können. Was halten Sie davon?
In der aktuellen Situation müssen sich alle Firmen überlegen, wie sie die Kosten senken können, um wettbewerbsfähig bleiben und die Arbeitsplätze erhalten zu können. Ich kenne keine Firma, die bisher Eurolöhne eingeführt hat. Ich kenne aber Betriebe, die solche Löhne geprüft und wieder verworfen haben. Es ist eine Frage der Umrechnung. Wenn sie den bisherigen Lohn nach dem aktuellen Frankenkurs in Euro bezahlen, dann bringt es rein gar nichts. Falls der Eurokurs wieder steigt, müssen sie die Löhne wieder anpassen. Ich halte nichts von Eurolöhnen, da sie nichts bringen. Es ist aber auch nicht schlimm, wenn Firmen solche Massnahmen prüfen.

In der Region Basel und der Ostschweiz gibt es bereits je ein Dutzend Firmen, die Eurolöhne bezahlen.
Ich kenne diese Firmen nicht. Bekannt ist mir aber, dass das Kantonsgericht Baselland 2011 entschieden hat, dass Eurolöhne nicht rechtmässig sind. Für die Arbeitgeber ist das auch nicht schlimm, da sie so oder so zum Schluss kommen werden, dass Eurolöhne nichts bringen.

Die Firma Jaquet Technology Group in der Region Basel bezahlt seit 2012 den Grenzgängern die Löhne in Euro und profitiert dadurch in der aktuellen Situation.
Ich kenne die Firma nicht und werde mich nicht dazu äussern. Jeder Unternehmer ist frei, zu machen, was er für richtig hält.

Besteht nicht die Gefahr, dass auf diese Weise der Euro schleichend den Franken verdrängt?
Der Euro ist schon heute etwas Alltägliches in der Schweizer Wirtschaft. Wenn sie Güter in Europa kaufen, dann bezahlen doch heute schon sehr viele Firmen in Euro. Bei Rechnungen, ob man sie bezahlt oder anderen ausstellt, muss man sich immer fragen, in welcher Währung sie anfallen sollen. Das Kalkulieren mit Währungen gehört zur Wirtschaft.

Bundesrat Johann Schneider-Ammann fordert, dass die Arbeitgeber zu Lohnsenkungen bereit sind.
Die aktuelle Situation ist für die Firmen eine Knacknuss. Schliesslich ist das Lohnniveau plötzlich noch einmal 20 Prozent höher als im Ausland. Aber wenn eine Firma einen Ingenieur braucht, dann findet sie doch keinen, wenn sie von heute auf morgen 20 Prozent tiefere Löhne bezahlt. Momentan sollten wir vor allem den Bund anschauen, dort sind die Löhne viel zu hoch. Die Beamten kriegen überdies sechs Wochen Ferien und dann auch noch einen Vaterschaftsurlaub. Beim Bund müssen die Kosten massiv runter, damit die Firmen endlich entlastet werden können.

Der Druck auf die Firmen hat massiv zugenommen, müssen nun die Schweizer um ihr Lohnniveau und ihre Stelle fürchten?
Nach dem Ende des Mindestkurses ist umso wichtiger geworden, dass wir die Zuwanderungsinitiative nach dem Volkswillen umsetzen und wieder einen Inländervorrang einführen. Wenn der Bundesrat nun endlich handelt, dann wird der Druck auf die Schweizer Bevölkerung nicht übermässig gross. Wenn wir aber den bewährten Inländervorrang nicht wieder einführen, wird es für die Firmen umso attraktiver, billige Arbeitskräfte aus dem Ausland anzustellen. Gerade weil der Franken nun so teuer ist, wird es für Europäer noch interessanter, hier zu arbeiten.

Erstellt: 23.01.2015, 19:52 Uhr

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