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«Ich hoffe, dass der Kanton nicht in eine Depression fällt»

Die Organisatoren tragen das Nein zur Olympia-Kandidatur mit Fassung. Schwerer als die persönliche Enttäuschung wiegt die Sorge um die Zukunft des Kantons Graubünden.

Hofft, dass der Kanton Graubünden nun nicht in eine Art Depression verfällt: Gian Gilli. (Video: Chantal Hebeisen)

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«Heute hat die ganze Schweiz verloren», sagte Max Weiss, Gemeinderat in St. Moritz, nachdem die Bündner Bevölkerung die Olympia-Kandidatur verworfen hatte. Corrado Giovanoli, ehemaliger Gemeindepräsident in St. Moritz, findet noch deutlichere Worte: «Es ist ein Armutszeugnis für Graubünden», sagt er gegenüber der «Südostschweiz».

Wer in St. Moritz durch die Strassen läuft, kann die Enttäuschung in der Bevölkerung spüren. Die Engadiner Gemeinde war als Durchführungsort der Olympischen Winterspiele 2022 vorgesehen und muss nun zur Kenntnis nehmen, dass ein Grossteil der Bündner Bevölkerung dies ablehnt. «Das Nein ist eine verpasste Chance. Die Schweiz wäre in der Lage, die Olympischen Spiele zu organisieren, und wir hätten der Welt gezeigt, dass wir das auch können», sagt ein Rentnerpaar gegenüber Tagesanzeiger.ch/Newsnet.

Gilli: «Ich finde dieses Signal traurig»

Für die Organisatoren ist diese Niederlage ein herber Schlag: «Ich bin schon enttäuscht! Ich finde das sportliche Signal, das der Kanton Graubünden an die Weltjugend aussendet, traurig», sagt Gian Gilli, Direktor von Graubünden 2022. Dennoch kommt das Nein für Gilli nicht überraschend: Hinter der Kandidatur sei auch viel «Zweckoptimismus» gewesen. Sich selbst möchte Gilli keinen Vorwurf machen: «Wir haben sehr viele Veranstaltungen durchgeführt, um zu zeigen, was die Chance hinter der Kandidatur ist.» (siehe Video)

Auch Christian Gartmann, Sprecher der Olympischen Winterspiele 2022, zeigt sich in einer ersten Reaktion gefasst: «Es ist wie beim Sport. Wenn man die Niederlage scheut, dann darf man gar nicht erst zum Wettkampf antreten.» Für den Verein Graubünden 2022 ist das Votum des Bündner Stimmvolkes eine «grosse Enttäuschung», teilten die Promotoren mit. Nun seien neue Ideen für einen lebendigen Kanton Graubünden gefragt. Gilli sieht diesbezüglich Probleme auf den Kanton zukommen: «Ich hoffe, dass der Kanton nicht in eine Art Depression verfällt.»

Der Verein Graubünden 2022 will nun alle politischen und gesellschaftlichen Kräfte des Kantons aufrufen, um sich Gedanken über die wirtschaftliche Zukunft Graubündens zu machen und «entsprechende Massnahmen rasch anzugehen».

Jubel und Häme

Linke Politiker jubeln derweil über den Sieg, den sie durch das Nein errungen haben: «Olympia Tscha-tschüss!! Danke an Graubünden», twittert der Aargauer SP-Nationalrat Cédric Wermuth. Sein Parteikollege Matthias Aebischer äussert sich etwas sachlicher: «Als Erstes möchte ich meinen Parteikollegen in Graubünden gratulieren. Sie waren im Wahlkampf allein gegen alle – David gegen Goliath.» Aebischer war ein Befürworter der Olympischen Spiele: «Persönlich bedaure ich den Entscheid der Bündner. Es ist eine vertane Chance», sagt der Nationalrat gegenüber der «Südostschweiz».

Innert Minuten verbreitete sich über Social Media Spott und Häme: «Davos kein Olympia gibt» – das sei nun der neue Slogan, schreibt ein Twitterer. «National- und Ständerat können sich die Olympia-Milliarden-Debatte ersparen. Die Bündner sagen NEIN!», freut sich ein anderer User.

Hohe Stimmbeteiligung

Das Bündner Stimmvolk hat heute die Olympiavorlage mit fast 53 Prozent Nein-Stimmen abgelehnt. Bei der kantonalen Olympiavorlage ging es um eine Reservenbildung für die Winterspiele von 300 Millionen Franken. Die Vorlage wurde mit 41'758 zu 37'540 Stimmen verworfen. Die Beteiligung betrug 59,14 Prozent.

Fast auf den Tag genau vor 33 Jahren, am 2. März 1980, haben Bündnerinnen und Bündner letztmals Olympiapläne an der Urne mit einem Nein-Anteil von 77 Prozent versenkt. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 03.03.2013, 17:24 Uhr

«Es scheiterte auch am Neid gegen Südbünden»: Die Reaktionen von der Strasse. (Video: Chantal Hebeisen)

«Vielleicht sind die St. Moritzer stärker auf solche Grossanlässe sensibilisiert»: Sigi Asprion, Gemeindepräsident in St. Moritz. (Video: Chantal Hebeisen)

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