«Ich verkaufe die Bahnanlagen an einen Inder»

Der Besitzer der Bahnen im Skigebiet Lungern-Schönbüel fühlt sich gemobbt, weil die Behörden den Betrieb wegen Sicherheitsmängeln eingestellt haben.

Sessellift von der Mittelstation Turren nach Schönbüel. Panoramawelt.ch (Archivbild)

Sessellift von der Mittelstation Turren nach Schönbüel. Panoramawelt.ch (Archivbild)

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Der letzte aktuelle Wetterbericht auf der Website von Panoramawelt Lungern-Schönbüel stammt vom vergangenen Sonntag: leicht bewölkt, Pulver/hart, Schneehöhe 180 cm, Gondel- und Sesselbahn offen. Am Montag hat das Bundesamt für Verkehr (BAV) den Betrieb der Seilbahn Lungern Obsee–Turren sowie der Sesselbahn Turren–Schönbüel eingestellt, seitdem stehen die Bahnen still. Paul Niederberger, Besitzer der Anlagen, zeigte sich gegenüber dem TA tief enttäuscht: «Man ist neidisch auf unseren Betrieb. Ich werde wahrscheinlich die Bahnen an einen Inder verkaufen, dann ist es vorbei mit dem Mobbing.»

Wie das BAV mitteilt, hätten Kontrollen in den vergangenen Jahren und Monaten gezeigt, dass das Unternehmen wiederholt gesetzliche Vorgaben nicht eingehalten und damit gegen die Sorgfaltspflicht des Seilbahngesetzes verstossen hätte. «Das Personal war teils nicht genügend ausgebildet respektive überwacht worden», erklärte BAV-Sprecher Andreas Windlinger auf Anfrage. Ausserdem habe ein ausreichendes Bergungskonzept gefehlt. «Es kam auch vor, dass die Bahnen teilweise unbegleitet betrieben wurden», so Windlinger.

Die Kontrollen seien gemäss BAV-Mitteilung auch aufgrund von Hinweisen von Dritten erfolgt. Anfang März veröffentlichte beispielsweise der «Beobachter» unter dem Titel «Hier läuft was schief» einen kritischen Artikel über die Sicherheitslage. Unter anderem wird den Betreibern vorgeworfen, Passagiere mit offenem Sicherheitsbügel transportiert zu haben. Da der Skibetrieb wegen eines geknickten Liftmasts Ende Jahr eingestellt wurde, setzt man in Lungern-Schönbüel seitdem auf Schlittler und Wanderer. Doch wegen der mitgeführten Schlitten liessen sich die Bügel der mit bis zu vier Personen besetzten Vierersessel nicht schliessen. Gemäss BAV muss aber der Sicherheitsbügel zwingend geschlossen werden.

Verlust von 350'000 Franken

Für Paul Niederberger ist der Schliessungsbefehl eine Katastrophe. Die Bahnen fuhren in den letzten Jahren pro Saison 350'000 Franken Verlust ein. «Die Wintersaison wäre am 1. April sowieso beendet gewesen, aber das Hauptproblem sind die jährlich 38'000 asiatischen Fahrgäste, die vor allem danach zu uns kommen.» Der aus Nidwalden stammende Besitzer kann die Vorwürfe nicht nachvollziehen: «Ich habe vom Bundesamt noch nichts Schriftliches erhalten, deshalb weiss ich momentan auch nicht genau, welche Mängel ich beheben soll.» Zudem vermutet er hinter dem BAV-Entscheid Missgunst: «In Lungern ist man neidisch auf unseren Betrieb.» Einheimische hätten den Betrieb sabotiert und asiatische Gäste belästigt.

Sofortige Schliessungen kommen selten vor. Das letzte Mal war 2005, als das Bundesamt für Verkehr wegen Sicherheitsmängel die Einstellung eines Sessellifts im st.-gallischen Gommiswald anordnete. Heute verrotten die früheren Restaurants und der Sessellift.

Erstellt: 27.03.2013, 06:40 Uhr

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