«Ich werde weiterhin Bus fahren»

Die Bundesräte Simonetta Sommaruga und Ueli Maurer äusserten sich in Interviews zu den Folgen des Terrors in Paris für die Schweiz.

Trauer und Empörung, aber keine Angst: Bundespräsidentin Simonetta Sommaruga bei ihrer Neujahrsansprache auf dem Bundesplatz in Bern. (20. Dezember 2014)

Trauer und Empörung, aber keine Angst: Bundespräsidentin Simonetta Sommaruga bei ihrer Neujahrsansprache auf dem Bundesplatz in Bern. (20. Dezember 2014) Bild: Keystone

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Angst machten ihr die Ereignisse in Paris nicht, sagt Bundespräsidentin Simonetta Sommaruga im Interview mit der «Schweiz am Sonntag». «Es ist viel Trauer, und es ist Empörung.» Angst hingegen lähme. «Genau das dürfen wir jetzt aber nicht zulassen.»

Die Bundespräsidentin plädiert für ein Zusammenrücken. «Wir dürfen nicht erstarren. Im Gegenteil, wir müssen jetzt erst recht zusammenstehen und unsere Werte verteidigen.» Sommaruga hält fest, dass sie sich auch als Bundespräsidentin nicht in ihrer Freiheit einschränken lassen will. «Was mich anbelangt: Ich werde weiterhin Bus fahren», sagt sie zur «Schweiz am Sonntag». «Und ich werde weiterhin auf dem Markt einkaufen.» Sommaruga glaubt, die Schweiz müsse ein Gleichgewicht schaffen «zwischen dem Anspruch auf Sicherheit und den Risiken, die mit dem Einriff in die persönlichen Freiheiten verbunden sind».

Keine Aufrüstung nach dem Anschlag

In einem Interview mit dem «SonntagsBlick» spricht sich Sommaruga zudem klar für die Meinungsäusserungsfreiheit aus. «Wir dürfen keinen Zweifel daran lassen, dass wir unsere Grundwerte wie die Meinungsäusserungsfreiheit verteidigen, und zwar in jeder Situation und ohne jedes Wenn und Aber.»

Als Reaktion auf die Anschläge müssten die Schweizer von ihren Grundrechten Gebrauch machen. Einer Aufrüstung nach dem Anschlag erteilt die Bundespräsidentin eine Abfuhr: «Generell halte ich es für falsch, unmittelbar nach Einzeltaten Gesetze zu ändern.» Auf die Forderung des SVP-Nationalrats Walter Wobmann angesprochen, keine muslimischen Flüchtlinge mehr aufzunehmen, reagiert Sommaruga im «SonntagsBlick» scharf: «Es ist nicht nur deplatziert, sondern auch gefährlich, wenn man die schrecklichen Taten von einzelnen Anhängern radikaler Ideologien einer ganzen Glaubensgemeinschaft zuschreibt.»

«Schweiz nicht im Fokus von Terroristen»

Ebenfalls im «SonntagsBlick» äusserte sich Verteidigungsminister Ueli Maurer. «Ich glaube, die Schweiz steht glücklicherweise nicht im Fokus von Terroristen», sagt er. Die Schweiz dürfe jetzt nicht in Panik verfallen. «Und wir dürfen jetzt schon auch nicht die Grundrechte ihrer Bürger über Bord werfen. Das wäre eine falsche, überzogene Reaktion», so der Verteidigungsminister weiter.

Trotzdem warnt Maurer, absolute Sicherheit gebe es nicht. «Die Wahrscheinlichkeit, dass die Schweiz in einen Konflikt hineingezogen werden könnte, wird immer grösser. Damit wird leider auch die Möglichkeit grösser, dass wir mit einem Attentat hierzulande rechnen müssen. Die Schweiz ist nicht so sicher, wie wir das gerne hätten», erklärt Maurer. (rar)

Erstellt: 11.01.2015, 09:27 Uhr

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Blog

Kommentare

Paid Post

Die Schweiz zum halben Preis entdecken

Exklusiv und nur für kurze Zeit: Mobility-Testabo für 43 Franken inkl. gratis Hotelcard!

Die Welt in Bildern

Zeigen Flagge: Luftaufnahme der Flaggen-Zeremonie für die Olympischen Jugendspiele, die 2020 in Lausanne stattfinden werden. (19. September 2019)
(Bild: Valentin Flauraud) Mehr...