Immer mehr Ärzte, und trotzdem herrscht regional Mangel

Gab es 1960 lediglich 1,4 praktizierende Ärzte auf 1000 Einwohner, so sind es inzwischen 4. Die kantonalen Unterschiede sind allerdings beträchtlich.

Vor allem Hausärzte fehlen: Ein Arzt bei der Untersuchung einer Patientin.

Vor allem Hausärzte fehlen: Ein Arzt bei der Untersuchung einer Patientin. Bild: Keystone

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Alle reden von Ärztemangel, und doch gab es noch nie so viele berufstätige Ärzte in der Schweiz wie heute. Das zeigen die Zahlen der Ärzteverbindung FMH, die gestern in der «Schweizerischen Ärztezeitung» publiziert wurden. Im vergangenen Jahr arbeiteten demnach 33242 Ärzte in der Schweiz, das sind 1384 mehr als im Vorjahr (siehe Grafik). Gut die Hälfte der Ärzte sind in einer Einzel- oder Gruppenpraxis tätig, der Rest in Spitälern oder Heimen. Ein kleiner Teil (1,7 Prozent) arbeitet in einem anderen Sektor, etwa für Versicherungen oder Verbände. 71 Prozent der Ärzte haben einen schweizerischen Studienabschluss.

Der Anteil Frauen unter den Ärzten liegt bei 38,6 Prozent. Er nimmt weiter zu, denn inzwischen schliessen mehr Frauen als Männer das Medizinstudium ab.

Richtiges Fach am richtigen Ort

Der steigende Frauenanteil ist einer der Gründe, weshalb trotz mehr Ärzten von einem drohenden oder bereits bestehenden Mangel die Rede ist: Frauen arbeiten oft Teilzeit. 73,2 Prozent der Ärztinnen, die in einer Praxis tätig sind, arbeiten laut FMH nicht Vollzeit. Bei den Männern sind es 31 Prozent. Als ein weiterer Grund gelten die gestiegenen Ansprüche, weil die Medizin immer mehr leisten kann, aber auch weil die Bevölkerung älter wird.

Auf einen wichtigen Aspekt weist zudem die Schweizerische Universitätskonferenz hin: Es müsse gelingen, den Ärzten jene Fachrichtungen und Arbeitsorte schmackhaft zu machen, bei denen es einen Mangel gibt. Sonst bringe es nichts, wenn man einfach immer mehr Ärzte ausbilde. So fehlen hauptsächlich Hausärzte in den Randregionen, nicht aber Spezialisten in den Zentren.

Kantonale Unterschiede

Im Jahr 2012 arbeiteten laut FMH durchschnittlich 4 Ärzte pro 1000 Einwohner. Das liegt über dem OECD-Durchschnitt von 3,2. Im Jahr 1960 gab es lediglich 1,4 Ärzte auf 1000 Einwohner. Die Ärztedichte ist kantonal jedoch sehr unterschiedlich (siehe Grafik). Der Kanton Basel-Stadt hatte die höchste Ärztedichte, Uri und Appenzell-Innerrhoden hatten die tiefste. Das widerspiegelt sich in den Kosten. 2012 hatte Basel-Stadt die höchste Durchschnittsprämie bei den Krankenkassen, jene in Uri und Appenzell-Innerrhoden gehörten zu den tiefsten. (Berner Zeitung)

Erstellt: 20.03.2014, 10:35 Uhr

Ärztedichte 2012. Zum Vergrössern auf die Grafik klicken. (Bild: BZ-Grafik)

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