Immer mehr Menschen verlassen die Schweiz

Die Zahl der Auswanderer ist letztes Jahr auf über 100'000 gestiegen. Die Bevölkerung wächst aber trotzdem – nur in einem Kanton schrumpft sie.


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Aus der Schweiz sind 2012 so viele Menschen ausgewandert wie seit 20 Jahren nicht mehr. Sie bleibt aber als Einwanderungsland offensichtlich attraktiv: Im Vergleich zum Vorjahr nahm die ständige Wohnbevölkerung um 1,1 Prozent oder 84'400 Personen auf insgesamt 8'039'060 zu.

Im vergangenen Sommer überschritt die Einwohnerzahl der Schweiz die 8-Millionen-Marke. Bis Ende Jahr kamen nochmals knapp 40'000 Personen hinzu, wie aus den definitiven Bevölkerungsdaten des Bundesamtes für Statistik (BFS) für 2012 hervorgeht.

Einwanderung wichtigste Komponente

2012 hielt sich der Anstieg im Rahmen der Vorjahre. Seit 2009 schwankt er zwischen 1,0 und 1,1 Prozent. Laut dem BFS ist die Einwanderung aus dem Ausland nach wie vor die wichtigste Komponente des Bevölkerungswachstums. Die Auswanderungen nahmen zwischen 2011 und 2012 von 96'500 auf 103'900 (plus 7,7 Prozent) zu. Das ist der höchste Wert seit den frühen 90er-Jahren, als im Zuge der Wirtschaftskrise bis zu 117'000 Personen das Land verliessen.

Die Zunahme der Auswanderer lässt sich teilweise mit dem Bevölkerungswachstum erklären: Wandert im Verhältnis zur Gesamtzahl der Bevölkerung ein prozentual immer gleich grosser Anteil von Personen aus, steigt entsprechend die Zahl der Auswanderer in absoluten Zahlen. Allerdings zeigt ein Vergleich, dass die Zahl der Auswanderer von 2011 auf 2012 überdurchschnittlich wuchs.

Auswanderung nach Indien, China und Brasilien nimmt zu

Die beliebtesten Auswanderungsländer bleiben dieselben wie im Jahr zuvor: Mit 16'444 Personen liegt Deutschland deutlich an erster Stelle. An zweiter Stelle folgt Frankreich mit 10'251 Personen, danach die USA, Italien und Grossbritannien mit je rund 5000 Personen. Die Auswanderungsziele gewannen nicht alle gleich stark an Beliebtheit. Verhältnismässig stark stieg die Zahl der nach Indien (plus 36 Prozent), China (plus 24 Prozent) und Brasilien (plus 23 Prozent) auswandernden Personen. Weniger deutlich nahm hingegen die Zahl der deutschen Auswanderer zu (plus 9 Prozent), auch wenn die Zahl der Auswanderer mit Ziel Deutschland in absoluten Zahlen am stärksten stieg (plus 1354 Personen).

Mehr Südeuropäer, weniger Deutsche

Bei den Einwanderungen entfielen gemäss der Statistik der Bevölkerung und Haushalte (Statpop) 24'000 auf schweizerische und 125'100 auf ausländische Staatsangehörige. Vier Fünftel der Ausländer kamen aus Europa, mehrheitlich aus Deutschland, Portugal, Italien, Frankreich und Spanien.

Der stärkste Anstieg der Einwanderungen wurde 2012 bei Personen aus Südeuropa verzeichnet, das heisst bei griechischen (plus 44,8 %), spanischen (plus 36,2 %) und italienischen (plus 28,1 %) Staatsangehörigen. Hingegen übersiedelten weniger Personen aus Deutschland (minus 12,1 %), aus der Türkei (minus 11,1 %) und aus Kroatien (minus 8,2 %) in die Schweiz.

Umgekehrt verliessen vor allem polnische (plus 42 %), montenegrinische (plus 35 %), portugiesische ( 9,1 %), deutsche ( 8,8 %) und französische Staatsangehörigen (plus 6,4 %) in grösserer Zahl die Schweiz. Schweizerinnen und Schweizer wanderten 2012 wie schon in den Vorjahren mit Vorliebe nach Frankreich, Deutschland und die USA aus.

Ein Kanton schrumpft

Die Bevölkerungsstatistik zeigt zudem auch die Entwicklung des Bevölkerungsamts in den Kantonen. Am stärksten wächst weiterhin Zürich, als einziger Kanton schrumpft Appenzell-Innerrhoden.

Wachstum in den Städten

Wie das BFS weiter feststellt, wuchs die städtische Bevölkerung auch letztes Jahr schneller als jene auf dem Land, eine Entwicklung, die schon seit 1998 beobachtet und auf die Zuwanderung ausländischer Bewohner zurückgeführt wird.

Ende 2012 lebten knapp drei Viertel der ständigen Wohnbevölkerung in einem städtischen Gebiet. Zu den aufstrebendsten Agglomerationen zählte das BFS 2012 Wohlen ( 3,0%), Bulle ( 2,9%), Konstanz-Kreuzlingen ( 2,6%), Freiburg ( 2,3%) und Sitten ( 2,2%).Jede achte Person lebte in einer der fünf grössten Städte. (mw/sda)

Erstellt: 11.10.2013, 12:49 Uhr

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