Immer mehr potenzielle Rentner arbeiten länger

Noch arbeiten nur wenige Personen über das AHV-Alter hinaus. Doch ihr Anteil steigt, was der Altersvorsorge finanziell zugute kommt.

Alle Hände voll zu tun: Eine Frau an einem Seminar der Pro Senectute zur Vorbereitung auf das Pensionsalter.

Alle Hände voll zu tun: Eine Frau an einem Seminar der Pro Senectute zur Vorbereitung auf das Pensionsalter. Bild: Gaëtan Bally/Keystone

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Rentenalter 65 mit flexibler Pensionierungsmöglichkeit nach unten und oben – das ist eine Zielsetzung der Rentenreform 2020 von Sozialminister Alain Berset (SP). Dass diese Flexibilisierung einem Bedürfnis entspricht, zeigt sich bereits heute. Die Zahl der Personen, die vorzeitig in Rente gehen oder über das Pensionsalter hinaus arbeiten, nimmt zu. Noch immer ist die Zahl der Frühpensionierten zwar wesentlich höher als diejenige der arbeitstätigen Rentner, aber bei den zweiten ist die Wachstumsrate höher.

Die AHV-Statistik 2012 zählt rund 140'000 Frührentnerinnen und -rentner. Das sind gut 10 Prozent aller Rentenbezüger. 12'000 Personen haben ihre Pension aufgeschoben, was gut einem Prozent aller Rentenberechtigten entspricht. Sowohl bei den Männern als auch bei den Frauen hat sich die Zahl derjenigen, die ihre Rente um ein Jahr aufschieben, zwischen 1998 und 2011 vervierfacht.

Das Gesetz lässt einen Rentenaufschub während maximal fünf Jahren zu, also bis zum 69. Altersjahr der Frauen und dem 70. Altersjahr der Männer. Dass von dieser Möglichkeit zunehmend Gebrauch gemacht wird, bestätigt der gestern veröffentlichte Jahresbericht der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich (SVA). Diese zahlt rund 70 Prozent aller AHV-Renten im Kanton Zürich aus. 2013 haben sich bei der SVA 660 Personen gemeldet, die ihre Rente zurückstellen wollen. Im Verhältnis zur Gesamtzahl der Neurentner – rund 5400 – sind das zwar nicht viele. Aber der Anstieg gegenüber dem Vorjahr belief sich auf über 18 Prozent. Und der Trend zum Rentenaufschub hält seit einigen Jahren an. 2007 beantragten ihn noch 267 Personen, seither ist ihre Zahl stetig auf die erwähnten 660 gestiegen.

Diese Aufschübe sind für die AHV ein lukratives Geschäft, weil die arbeitstätigen Rentner Beiträge leisten, ohne dass ihre eigene Rente steigen würde. 2013 zählte die SVA Zürich fast 17'000 Erwerbstätige im AHV-Alter, die insgesamt 75 Millionen Franken Beiträge an die Sozialversicherungen bezahlt haben, wie die SVA gestern mitteilte.

Nur noch 14 Millionen im Plus

Diese Beiträge sind umso wichtiger, als die Finanzierung der AHV als Folge der zunehmenden Alterung bald in Schieflage geraten könnte. Das zeigt auch das Jahresergebnis 2013, das der AHV-Ausgleichsfonds gestern veröffentlicht hat. Insgesamt hat die erste Säule der Altersvorsorge mit einem Überschuss von 908 Millionen Franken abgeschlossen. Zieht man allerdings die Kapitalerträge ab, bleibt nur noch ein Plus von 14 Millionen übrig. Das bedeutet, dass die fixen Einnahmen der AHV die Ausgaben nur noch knapp decken. Dieses sogenannte Umlageergebnis fällt deutlich tiefer aus als im Vorjahr, als es sich auf 260 Millionen belief.

In den vergangenen Jahren ist das Umlageergebnis stetig zurückgegangen. Zwischen 2006 und 2009 waren es 1,2 bis 2 Milliarden Franken, 2010 643 Millionen und 2011 noch 321 Millionen. Die Kapitalerträge auf dem AHV-Vermögen von gut 40 Milliarden bewegten sich in den vergangenen acht Jahren zwischen 0,3 und 2,6 Milliarden. Als Folge der Finanzkrise resultierte im Jahr 2008 ein Minus von 4,3 Milliarden. 2013 erzielte der AHV-Fonds eine Rendite von 2,8 Prozent.

Erstellt: 29.03.2014, 02:00 Uhr

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