In Döttingen glaubt man noch an AKW

In der Standortgemeinde des Atomkraftwerks Beznau stellte sich die Axpo-Führung gestern der Öffentlichkeit. Es wurde ein Heimspiel.

Keine kritischen Stimmen: Heinz Karrer (l.) und Manfred Thumann (r.), beide von der Axpo, während der Informationsveranstaltung in der Döttinger Turnhalle.

Keine kritischen Stimmen: Heinz Karrer (l.) und Manfred Thumann (r.), beide von der Axpo, während der Informationsveranstaltung in der Döttinger Turnhalle. Bild: Keystone

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Döttingen, Bezirk Zurzach, ist die Atomkraft-Gemeinde schlechthin: Das auf dem Gemeindegebiet gelegene Kernkraftwerk Beznau sorgt nicht nur für Arbeitsplätze, es hat dem «Winzerdorf im Unteren Aaretal» – so die Eigenwerbung im Internet – auch den tiefsten Steuerfuss des Kantons Aargau beschert. Hier, auf dem für sie heimischsten aller Territorien, führten Axpo-Chef Heinz Karrer und seine Entourage gestern Abend einen «Informationsanlass» für die Einwohnerschaft durch. Rund 150 Personen nutzten die Gelegenheit, sich über die aktuelle Situation im japanischen Krisengebiet informieren zu lassen – und natürlich über die Schlüsse, die für den Kraftwerksbetrieb in Beznau und die Schweizer Energiepolitik zu ziehen sind.

Kaum Kritik an Atomkraft

Der Anlass machte deutlich, dass die japanische Atomhavarie den Glauben an die Kernkraft in Döttingen, anders als offenbar in der Restschweiz, kaum zu erschüttern vermochte. Grundsatzkritik gegenüber der Atomenergie blieb in der Publikumsfragerunde fast zur Gänze aus. Stattdessen legten mehrere Votanten ein klares Bekenntnis zur Kernkraft als zuverlässiger, klimafreundlicher Energiequelle ab. Karrer blieb im Wesentlichen die dankbare Aufgabe, das Gesagte zu bekräftigen und mit Zahlen zu stützen.

Dominierendes Thema war darüber hinaus die Sicherheit von Beznau. Urs Weidmann, Leiter des Kraftwerks, hob hervor, sein AKW sei trotz früheren Baudatums nicht unsicherer als etwa das jüngere Kraftwerk Leibstadt – «weil wir eben ständig nachrüsten». Die Sicherheitseinrichtungen von Beznau hätten selbst eine vergleichbar starke Beschleunigung der Erdbewegung wie in Japan überstanden. Was die Überflutungsgefahr betreffe, sei man gegenüber den Japanern insofern im Vorteil, als hier die maximalen Flutmassen leichter zu berechnen seien. Mehrmals betonten die Axpo-Chefs auch das gute Verhältnis, das man zu den Aufsichtsorganen pflege. Karrer bekräftigte sein volles Einverständnis mit den zusätzlichen Sicherheitsauflagen, die das Nuklearsicherheitsinspektorat nun den AKW-Betreibern in der Schweiz macht.

Ein Zuhörer liess sich von den Axpo-Chefs dann noch den möglichen Ablauf und die Folgen eines Super-GAU in Japan schildern. Mit dem Verweis darauf, wie sehr dieses Katastrophenszenario eben die Bevölkerung in der Schweiz ängstige – zumindest ausserhalb von Döttingen und dem Bezirk Zurzach. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 24.03.2011, 11:22 Uhr

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