In den Fussstapfen des Vaters

Unternehmerisch erfolgreich, als Chefin autoritär und empfindlich gegenüber Kritik: So wird Ems-Chefin Magdalena Martullo-Blocher wahrgenommen. Jetzt baut sie am nächsten Schritt ihrer Karriere.

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«Die Sonnenkönigin von Ems», titelte das Wirtschaftsmagazin «Bilanz» vor einem guten Jahr in einem Porträt über Magdalena Martullo-Blocher anlässlich ihres 10-Jahr-Jubiläums als Chefin der Ems-Chemie. Was den Geschäftsgang angeht, so gibt es an Christoph Blochers Tochter wenig auszusetzen: Umsatz, Gewinn, Börsenwert, alles hat Martullo-Blocher innerhalb eines Jahrzehnts deutlich gesteigert.

Weniger lobend wird ihre soziale Kompetenz erwähnt. Sie habe Mühe mit Kritik und pflege einen autoritären Führungsstil, wird über die 45-Jährige gesagt. Unvergessen die Szene in einem Fernsehporträt, wo Martullo-Blocher an einer Schulung vor laufender Kamera einige ihrer Kaderleute wie Schulbuben herunterputzt.

(Quelle: Youtube/trotzkyzh)

Verblüffend auch immer wieder, wenn man Magdalena Martullo-Blocher zusieht, wie sie spricht, geht, gestikuliert: die Ähnlichkeit mit ihrem Vater Christoph. Darüber wunderte sich auch Journalist und Publizist Karl Lüönd, der ein Buch zum 75-Jahr-Jubiläum der Ems-Chemie verfasst hat, in der Sendung «Reporter» vom Dezember 2010: Es sei «merkwürdig, wie altmodisch und gleichzeitig wirkungsvoll» Martullo führe, fast schon militärisch-diszipliniert, sagte Lüönd im Beitrag, während diese im Hosenanzug und mit zusammengepressten Lippen danebenstand. «Das ist wohl genetisch.»

«Das macht doch dem Kindli nichts»

Erzählt wird auch folgende Episode, die sich 2003 zugetragen haben soll, als Christoph Blocher frisch in den Bundesrat gewählt worden war. Praktisch über Nacht wurde Martullo-Blocher Chefin der Ems-Chemie, gerade mal 34-jährig, im 6. Monat schwanger. «Magdalena, du musst Ems führen», habe Christoph Blocher zu seiner Erstgeborenen gesagt. «Vergiss nicht, in drei Monaten bekomme ich ein Baby», antwortete die Tochter. Und der Vater: «Das macht doch dem Kindli nichts.»

Was die Bündner zur Kandidatur sagen: Umfrage am Bahnhof Chur. (Lea Blum/Felix Schindler)

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Nun tritt Martullo-Blocher also nach den beruflichen auch in die politischen Fussstapfen ihres Vaters und will für die Bündner SVP in den Nationalrat. Erst im Februar äusserte sich die HSG-Absolventin und dreifache Mutter gegenüber SRF skeptisch gegenüber einer Zukunft als Politikerin: Das Problem sei der Arbeitsumfang, der eine berufliche Tätigkeit daneben nicht zulasse. «Ich bin nicht Berufspolitikerin, ich bin Berufsunternehmerin», sagte sie damals. Nun hat sie ihre Meinung offenbar geändert. (thu)

Erstellt: 20.04.2015, 09:32 Uhr

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