In die eigene Falle getappt

Kann Salat aus deutschen Äckern schweizerisch sein?

Ein Schweizer Bauer überquert die Grenze bei Lottstetten. Foto: Keystone

Ein Schweizer Bauer überquert die Grenze bei Lottstetten. Foto: Keystone

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Kann Salat aus deutschen Äckern schweizerisch sein? Ja, er kann. Wenn er innerhalb von zehn Kilometern ennet der Grenze gewachsen ist und der Acker von einem Schweizer Bauern bewirtschaftet wird.

Aber jetzt will der Bundesrat die Regeln verschärfen. Auf den ersten Blick mag das einleuchten. Swissness steht beim Konsumenten schliesslich hoch im Kurs. Er lässt es sich etwas kosten. Auf den zweiten Blick erkennt man jedoch: Das ist Blödsinn.

Erstens ist es unfair, mitten im Spiel die Regeln zu ändern. Wenn Bauern in den letzten Jahren im Ausland Land gepachtet oder gekauft haben, gingen sie davon aus, dass die Lebensmittel von diesen Flächen als schweizerisch gelten. Rückwirkend die Verordnung anzupassen, ist – unschweizerisch.

Zweitens leuchtet es nicht ein, weshalb der Salat aus Liechtenstein schweizerischer sein soll als derjenige von einem hiesigen Bauern aus dem Grenzland. Das würde mit dem Vorschlag des Bundesrates passieren – wegen der Zollunion mit dem Fürstentum.

Und drittens ist die Chance riesig, dass der Salat, egal ob in Deutschland, Liechtenstein oder der Schweiz geerntet, denselben Ursprung hat: zum Beispiel in den Niederlanden, weil dort der (Hightech-)Setzling herkommt. Entscheidend für den roten Pass ist, wo die Gewichtszunahme geschieht. Es kommt also auf die Hege und Pflege an. Das Savoir-faire. Die Arbeit des Bauern. Ob diese inner- oder ausserhalb der Landesgrenze passiert, ist eigentlich einerlei. Wenn nötig, kann der Bund ja besser kontrollieren, dass auch im nahen Ausland mit den gleichen Pflanzenschutzmitteln gearbeitet wird.

Es entbehrt nicht der Ironie, dass die Bauern kräftig mitgeholfen hatten, dass für die künftige Verwendung des Schweizer Kreuzes auf Nahrungsmitteln lediglich die Herkunft der Rohstoffe entscheidend sein soll und das Savoir-faire der Lebensmittelindustrie ungewürdigt bleibt. Eine Dummheit sollte aber nicht mit einer anderen Dummheit bestraft werden.

Die Bauern merken sich aber bitte: Das einseitige Beharren auf dem eigenen Vorteil kann manchmal auch zum Nachteil werden.

Erstellt: 28.05.2015, 22:53 Uhr

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