Initiative könnte zu Boom von Ferienresorts führen

Für die Initianten ist klar: Wird eine Ferienwohnung vermietet, dann gilt sie nicht als Zweitwohnung. Die Baubranche dürfte daher vermehrt auf Resorts setzen.

Wer seine Ferienwohnung vermietet, soll nicht unter die Beschränkung fallen: Ferienresort im bündnerischen Domleschg.

Wer seine Ferienwohnung vermietet, soll nicht unter die Beschränkung fallen: Ferienresort im bündnerischen Domleschg. Bild: Keystone

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Der Trend zu Ferienresorts hat in der Schweiz bereits vor einigen Jahren begonnen. Nach der Annahme der Zweitwohnungsinitiative könnte nun ein regelrechter Boom daraus werden. Die Initianten haben nämlich bereits vor der Abstimmung betont, «kommerziell vermietete Ferienwohnungen» seien vom Volksbegehren nicht betroffen. Und sie halten auch jetzt daran fest: Im Visier habe man ausschliesslich die «kalten Betten». Wer also seine Ferienwohnung eine bestimmte Anzahl Nächte pro Jahr vermietet – die Initianten denken an 120 bis 180 Nächte – soll nicht unter die Beschränkung fallen.

Zwar obliegt die Umsetzung des Volksbegehrens nicht den Initianten, sondern dem Parlament. Es gibt aber wenig Grund zur Annahme, dass dieses den Ball nicht aufnimmt. Es wird kaum strenger sein wollen als die Initianten und daher vermietete Wohnungen wohl ebenfalls nicht als Zweitwohnungen im Sinn der Initiative deklarieren.

Schlupfloch für Baubranche

Für die Baubranche öffnet sich dadurch ein Schlupfloch: Wo sie keine konventionellen Zweitwohnungen mehr bauen kann, wird sie künftig wohl vermehrt sogenannte Resorts errichten. Auch die Gemeinden haben ein Interesse, sich so touristisch weiterentwickeln zu können.

Als wegweisendes Projekt gilt unter anderen das Rocksresort im bündnerischen Laax. Es wird von der «Weissen Arena Gruppe» betrieben, befindet sich direkt bei der Talstation der Bergbahnen und umfasst auch Restaurants, Shops sowie eine Wellnessanlage. Wer hier eine Wohnung kauft, darf sie während der Hauptsaison von Dezember bis März maximal drei Wochen selbst nutzen. In den restlichen Wochen muss er sie durch das Resort vermieten lassen, wobei er an den Einnahmen beteiligt wird.

Damit das Resort den Mietern ein einheitliches Erscheinungsbild anbieten kann, müssen die Käufer die Wohnungen fixfertig möbliert erstehen. Dafür erhält die Familie des Wohnungseigentümers das ganze Jahr über freien Zugang zu den Bergbahnen. CEO Reto Gurtner spricht von einem «grossen Erfolg». Inzwischen umfasse das Rocksresort 122 Wohnungen mit 590 Betten. Diese seien seit der Eröffnung im Jahr 2009 während der Wintersaison stets zu 80 bis 90 Prozent ausgelastet. «Das zeigt, dass das Konzept ‹buy to use and let› funktioniert und wir mit diesem Modell auf dem richtigen Weg sind», so Gurtner.

Das Klagen der Hotels

Auf Resorts setzt auch die Firma Grischalpin – wenn auch auf etwas kleinere. Sie betreibt in Savognin zusammen mit den Bergbahnen und der Gemeinde 69 Wohnungen in der Nähe der Talstation, die sie über nationale und internationale Reiseveranstalter vermietet. Auf dem Heinzenberg tut sie dasselbe mit 21 Maiensässen. Und in Splügen plant sie zurzeit zusammen mit der Gemeinde ein Resort mit 48 Wohnungen. Die Auslastung sei gross, sagt Claudio Baracchi von Grischalpin. In Savognin betrage sie durchschnittlich 80 Prozent.

Vor allem bei Familien mit Kindern sind die Resorts beliebt. So sind auch im Wallis mehrere solche Anlagen geplant. Simon Lehmann, CEO der Interhome-Gruppe, geht davon aus, dass die Zunahme solcher Projekte nach dem Ja zur Zweitwohnungsinitiative noch verstärkt wird: «Die Annahme der Initiative bedeutet nicht, dass nicht mehr gebaut werden kann. Es braucht jetzt neue Konzepte.» Die Vermietung könne Interhome übernehmen, so Lehmann. Überdies will er nun Tourismusregionen anschreiben, damit diese ihre Ferienwohnungsbesitzer ermutigen, vermehrt zu vermieten – am liebsten über Interhome. Derweil sehen sich die Schweizer Hotels «in ihrer Entwicklung gebremst», wie ihr Verband gestern mitteilte. Falle die Möglichkeit weg, einen Hotelbetrieb dank angegliederter Zweitwohnungen rentabel weiterzuführen, sinke dessen Marktwert, was schlimmstenfalls eine Schliessung zur Folge habe.

Erstellt: 12.03.2012, 20:28 Uhr

Nur 25 Prozent wollen vermieten

Auch Samih Sawiris ermuntert die Käufer einer Wohnung in seinem Resort in Andermatt, diese zu vermieten. Bis anhin haben sich aber erst 25 Prozent dafür entschieden, wie Alain Gozzer, Marketingchef von Andermatt Swiss Alps, dem TA verrät. Erste Käufer würden zudem planen, ihren Erstwohnsitz nach Andermatt zu verlegen. Darüber hinaus planen Sawiris’ Leute jetzt, «produktspezifisch Wohnungen mit Vermietungszwang anzubieten».

Andermatt Swiss Alps ist allerdings der Ansicht, nicht von der Zweitwohnungsinitiative betroffen zu sein. Die Quartiergestaltungspläne seien ja bereits genehmigt. Der vom Volk angenommene Verfassungsartikel spricht jedoch nicht von Quartiergestaltungsplänen, sondern von Baubewilligungen. Solche dürften ab dem 1. Januar 2013 für überzählige Zweitwohnungen nicht mehr erteilt werden. Was dies für Andermatt bedeuten soll, wollte Initiantin Vera Weber gestern nicht sagen. Auch der Bund lässt die Frage offen. Eine Arbeitsgruppe soll nun solche Fragen klären.

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