Interesse am grünen Markt

Ein neues Bezahl- und Ladesystem soll den Verkauf von Elektrofahrzeugen beschleunigen. Politiker loben die involvierten Firmen.

Momentan bestehen noch Hürden, die einen breiten Durchbruch verhindern: Elektroauto an der Ladestation. Foto: Patrick B. Krämer (Keystone)

Momentan bestehen noch Hürden, die einen breiten Durchbruch verhindern: Elektroauto an der Ladestation. Foto: Patrick B. Krämer (Keystone)

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Rund 9000 Hybrid- und Elektrofahrzeuge haben die Garagen das letzte Jahr verkauft. Obwohl dies doppelt so viele sind wie noch vor fünf Jahren, ist ihr Anteil mit insgesamt 45'000 Autos am Schweizer Personenwagenpark verschwindend klein und entspricht gerade einmal einem Prozent. Will der Bund seine C02-Ziele bis 2020 erreichen, müssten dannzumal 700'000 Elektromobile auf den Strassen verkehren.

Momentan bestehen noch Hürden, die einen breiten Durchbruch verhindern. Elektromobile sind vergleichsweise teuer, und es fehlt an öffentlich zugänglichen Ladestationen sowie an einem einheitlichen Bezahlsystem. Dies wollen die Konzerne Alpiq, Swisscom, Zurich und Siemens ändern. Gemeinsam kündigten sie gestern an, bis Mitte dieses Jahres ein «einheitliches und schweizweites Zugangs- und Abrechnungssystem für Elektroladestationen» anzubieten.

Der Clou: Alle Elektromobile-Fahrer sollen ohne grossen Aufwand per Handy und Kreditkarten-Daten bezahlen können. «Wir sind die Ersten, die ein barrierefreies System anbieten», sagt Peter Arnet, Geschäftsführer von Alpiq E-Mobility. Tatsächlich sind spezielle Schlüssel oder Mitgliederkarten notwendig, um an vielen der heute bestehenden rund 1000 Ladestationen zu tanken. Verkaufen wollen die Konzerne ihr System an Gemeinden, Energiefirmen oder Tankstellenbetreiber. Alpiq baut die Stationen, Siemens liefert die Software für den Betrieb sowie die Abrechnung, und die Swisscom stellt eine Verbindung zwischen Handy und Ladesäulen her. Zurich versichert die Mobilität. «Für den Fall, dass eine Ladestation nicht funktionieren sollte», erklärt Sprecher Adriano Pavone.

Weltweites Problem

In der Autobranche kommt das Engagement gut an. «Überall auf der Welt ist die mangelhafte Interoperabilität der Ladestationen ein Problem», erklärt Philipp Walser, der beim Verband E’mobile die Fachstelle für Elektrofahrzeuge leitet. «Je schneller nun ein ein­faches System zugänglich ist, desto besser.» Walser ist überzeugt, dass dies den Verkauf der Elektromobile antreiben wird. «Wir wären glücklich, wenn in der Schweiz bis 2020 rund 120'000 bis 150'000 Elektromobile verkauft würden.» Der Automobil Gewerbe Verband Schweiz begrüsst das angekündigte System ebenfalls: «Eine Tankladung kostet nur einige Franken», sagt Markus Peter, Leiter Automobiltechnik und Umwelt. «Da braucht es eine simple und günstige Lösung.»

Erfreut zeigen sich auch die von Tagesanzeiger.ch/Newsnet kontaktierten Energiepolitiker aus dem Nationalrat: «Solche Offensiven sind ein Hinweis, dass grüne Technologien wirtschaftlich interessant werden und wir mit der Energiewende auf einem guten Weg sind», sagt etwa der grüne Zürcher Bastien Girod. «Toll ist die Versicherungslösung, weil viele Fahrer noch Angst davor haben, in einem Elektromobil ohne Hilfe stehen zu bleiben.» Ähnlich äussert sich der grünliberale Berner Jürg Grossen und fügt hinzu: «Ladestationen sind heute teilweise noch gratis, was sich aber bald ändern wird.» Einfache Bezahlsysteme seien dann dringend nötig. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 05.02.2015, 20:51 Uhr

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