Internet und Computerspiele: Die FDP fordert Tests und einen Ausweis für Schüler

Die Schulen sollen künftig die Medienkompetenz ihrer Schützlinge zertifizieren lassen. Der Vorschlag findet Anklang in der Fachwelt.

Schweizer Kinder sollen sich die Medienkompetenz schon früh antrainieren, sonst entstehe ein Wettbewerbsnachteil, meinen Medienpädagogen.

Schweizer Kinder sollen sich die Medienkompetenz schon früh antrainieren, sonst entstehe ein Wettbewerbsnachteil, meinen Medienpädagogen. Bild: Keystone

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Im deutschen Bundesland Bayern kennt man ihn bereits: den «Medienführerschein», mit dem Schüler dokumentieren müssen, dass sie Internet und Computerspiele verantwortungsvoll anzuwenden wissen. Einen solchen Ausweis will FDP-Ständerat Rolf Schweiger namens seiner Partei nun auch im Schweizer Lehrplan 21 verankern.

Viele Menschen seien über die Tücken des Internets zu wenig im Bild, schreibt Schweiger in seiner Motion, die am 15. Juni vom Ständerat behandelt wird. Bezeichnend findet er etwa, wie offensiv auf Plattformen wie Facebook private Informationen preisgegeben werden – aber auch beim Umgang mit Programmen, die über Internet zugänglich sind, tue Sensibilisierung not.

Hierzu regen Schweiger und seine Fraktionskollegen an, dass die Schulen von Stufe zu Stufe zusätzliche Kenntnisse für die souveräne, gefahrenbewusste Nutzung moderner Medien vermitteln. Wie bei der Veloprüfung hätten die Schüler dabei einen Leistungsnachweis zu erbringen – mit dem Unterschied, dass die Medienkompetenz nicht einmalig, sondern periodisch getestet und zertifiziert würde.

Killerspiel-Verbot als Auslöser

Anlass für den Vorstoss war das vom Parlament beschlossene Verbot sogenannter Killerspiele, wie FDP-Sprecher Noé Blancpain erläutert. «Wir bezweifeln, dass sich ein solches Verbot in der Praxis realisieren lässt», sagt Blancpain. Der «Medienführerschein» hingegen könne dazu beitragen, dass die Jugendlichen selbstständig zwischen Gefährlichem und Ungefährlichem zu unterscheiden lernten.

Das Echo auf den freisinnigen Vorschlag ist geteilt. Ablehnend äussert sich der Bundesrat: Ein «Medienführerschein» würde kaum verhindern, dass Schüler problematische Inhalte konsumierten, schreibt die Regierung in ihrer Stellungnahme zur Schweiger-Motion. Gefragt sei hier primär die «elterliche Erziehungsverantwortung».

Auf Sympathie stösst die FDP-Idee dagegen in der Fachwelt – bei Christian Doelker zum Beispiel, emeritiertem Zürcher Uni-Professor für Medienpädagogik. «Man muss froh sein um jeden Vorschlag, der in diese Richtung zielt», sagt Doelker, der seit langem für mehr und bessere Vermittlung von Medienkompetenz an den Schulen kämpft.

Schwellenländer machens vor

Thomas Merz, Professor an der Pädagogischen Hochschule Zürich, pflichtet Doelker bei. Die Schweiz läuft Merz zufolge bei fortgesetzter Vernachlässigung des Themas gar Gefahr, im Wettbewerb der Nationen an Vorsprung einzubüssen. Den so wichtigen neuen Medien werde in den Schulsystemen vieler Schwellenländer nämlich deutlich mehr Beachtung geschenkt als hier.

Zustimmung kommt selbst von Beat Zemp, dem Präsidenten des Lehrerverbands. Der Grundtendenz, die Schule ständig mit neuen Aufgaben zu überlasten, steht Zemp zwar kritisch gegenüber. Der souveräne Umgang mit modernen Medien jedoch sei eine «Kernkompetenz», über die man heute im Wirtschaftsleben verfügen müsse. Zemp weist auch darauf hin, dass in manchen Kantonen bereits Systeme realisiert sind, die dem FDP-Konzept eines «Medienführerscheins» gleichen.

Indes ist man sich bei der FDP bewusst, dass der Wirkungsmacht des «Führerscheins» Grenzen gesetzt wären. Denn die Verbindlichkeit könnte wohl unmöglich gewährleistet werden. Anders gesagt: Wer ohne «Führerschein» im Internet surft, hätte dieselben Folgen zu fürchten wie ein Velofahrer ohne Prüfung. Gar keine.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 26.05.2010, 23:13 Uhr

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