Ist Posing schon Kinderpornografie?

Nach dem Skandal um SPD-Politiker Sebastian Edathy fordern deutsche Politiker und Kinderschützer ein Verbot von Nacktbildern von Kindern. Die Rechtslage in der Schweiz erläutert das Bundesamt für Polizei.

Ein fragwürdiges Geschäft: Im Internet werden Fotos nackter Kinder in aufreizenden Posen angeboten.

Ein fragwürdiges Geschäft: Im Internet werden Fotos nackter Kinder in aufreizenden Posen angeboten. Bild: Keystone

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Wie ist das sogenannte Posing von Kindern in der Schweiz aus strafrechtlicher Sicht zu beurteilen?
Das Strafgesetzbuch (Art. 197 Ziff 3) verbietet unter anderem Darstellungen von sexuellen Handlungen mit Kindern (Kinderpornografie). Neben den eigentlichen sexuellen Handlungen können auch Nacktfotos von Kindern als verbotene Pornografie qualifiziert werden. Rein statische Nacktfotos gelten dann als pornografisch, wenn sie durch eine übermässige Betonung des Genitalbereichs darauf angelegt sind, den Betrachter sexuell aufzureizen. Dies ist ohne Zweifel erfüllt, wenn der Fokus eindeutig auf das entblösste Geschlechtsteil des Kindes gerichtet ist, beziehungsweise nur dieses darstellt.

Gibt es punkto Posing Bundesgerichtsentscheide?
Ja. Das Bundesgericht geht noch etwas weiter und qualifiziert einzelne Bilder auch dann als pornografisch, wenn keine besondere Betonung des Genitalbereichs vorliegt. Als Beispiel werden etwa Fotos von Kindern mit entblösstem Genitalbereich in lasziven Posen aufgeführt, bei denen in klar erkennbarer Weise auf das Kind eingewirkt wurde.

Wann sind Bilder von nackten Kindern nicht pornografisch?
Wenn in keiner Weise entnommen werden kann, dass der Hersteller des Bildes auf das nackte Kind eingewirkt hat, sind entsprechende Bilder auch nicht als verbotene Pornografie zu werten. Typisch hierfür sind Schnappschüsse am Strand oder klassische FKK-Bilder.

Ist Posing oder Posing-ähnliches Material ein häufiges Thema für die Schweizerische Koordinationsstelle zur Bekämpfung der Internetkriminalität (Kobik)?
Im Zusammenhang mit Posing-Bildern tauchen ab und zu rechtliche Fragen auf. Kobik werden auch immer wieder sogenannte Teen-Modelling-Seiten gemeldet, die solche Posing-Bilder enthalten. Die Seiten werden in der Regel im Ausland gehostet und sind in vielen Ländern auch legal.

Die Fragen beantwortete die Medienstelle des Bundesamts für Polizei im Eidgenössischen Justiz- und Polizeidepartement (EJPD).

Erstellt: 18.02.2014, 11:18 Uhr

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Stellungnahme der Kriminalprävention

Hilfsangebote für Pädophile nötig

Aus kriminalpräventiver Sicht sei der Konsum und Besitz auch (oder gerade) von nicht strafrechtlich einstufbaren Nacktbildern von Kindern ein deutlicher Hinweis auf ein sexuelles Interesse am Kind, schreibt die Schweizerische Kriminalprävention auf Anfrage von Tagesanzeiger.ch/Newsnet. Viele Pädophile interessierten sich für FKK-ähnliche Nacktbilder von Kindern, die nicht pornografisch seien. «Pädophilie ist aber nicht strafbar und wenn Pädophile die Grenze des Rechts nicht überschreiten und ihre sexuelle Ausrichtung nicht ausleben, gibt es aus unserer Sicht keinen Grund, dies zu ächten». Bekannterweise sei es aber für diese Menschen sehr schwer, asexuell zu leben. Die Kriminalprävention befürwortet deshalb alle Bemühungen, verantwortungsbewussten Pädophilen Hilfsangebote analog zum Projekt in Deutschland «Kein Täter werden» anzubieten. Ächtung auch einer Gesinnung sei nicht im Sinne des Kinderschutzes. «Ist der Polizei und Justiz bekannt, dass eine Person Nacktbilder von Kinder sucht, anschaut oder besitzt, wäre das sicherlich aber als Anfangsverdacht zu werten und sollte zu weiterführenden Vorermittlungen führen.» (vin)

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