Jean Ziegler soll wieder in den UNO-Menschenrechtsrat

Die Schweiz schlägt Jean Ziegler als Experten beim UNO-Menschenrechtsrat vor. Eine Organisation kritisiert die Kandidatur scharf.

Er gehörte bereits zweimal dem UNO-Menschenrechtsrat an: Jean Ziegler. (Archivfoto)

Er gehörte bereits zweimal dem UNO-Menschenrechtsrat an: Jean Ziegler. (Archivfoto) Bild: Keystone

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Die Schweiz schlägt Jean Ziegler als Experten für den Beratenden Ausschuss des UNO-Menschenrechtsrates vor. Die Wahl ist für die nächste Session des Menschenrechtsrates im September vorgesehen und dürfte trotz Kritik eine Formsache sein.

Die Kandidatur von Ziegler gab die Schweiz in einem von Juli datierten Brief an alle Botschafter in der Genf bekannt. «Als renommierter Experte mit exzellenten Kenntnissen im internationalen Recht hat sich Professor Jean Ziegler immer durch Unbefangenheit ausgezeichnet», schreibt die ständige UNO-Vertretung der Schweiz in Genf.

Im Brief streicht die Schweiz auch die Erfahrung und das Engagement des alt Nationalrates als UNO-Berichterstatter für das Recht auf Nahrung zwischen 2000 und 2008 heraus.

«Die Arbeit ist nicht erledigt»

Damit könnte der Genfer Soziologe in den Ausschuss gewählt werden, dem er bereits 2008 und 2012 angehörte. Eine Wiederwahl ist nach einem Jahr Unterbruch möglich.

«Wenn du die Opfer kennst, wirst du aktiv», sagte der 79-jährige Ziegler gegenüber der Nachrichtenagentur sda. Die Arbeit sei nicht mit einer Deklaration oder einer Konvention über die Rechte der Bauern getan.

Die 18 Experten vom Beratenden Ausschuss geben Empfehlungen zuhanden des Menschenrechtsrates ab. Sie sind unabhängig, obwohl jedes Land eine eigene Kandidatur präsentiert. Zieglers Wahl scheint sicher, da er innerhalb der UNO immer auf den Rückhalt aus den Entwicklungsländern zählen konnte.

Kritik an Kandidatur

Als Skandal bezeichnete dagegen UN Watch Zieglers Kandidatur. Die vom American Jewish Committee gegründete Organisation fordert die Schweiz auf, diese zurückzuziehen.

«Während Muammar al-Gaddafi Frauen und Mädchen überall in Libyen vergewaltigte, war Jean Ziegler damit beschäftigt, den Diktator als Helden der Menschenrechte anzupreisen», wird Hillel Neuer, Exekutivdirektor von UN Watch, in einer Mitteilung zitiert

Ziegler weist diesen Vorwurf zurück. «Das ist üble Nachrede wegen meines unnachsichtigen Berichtes, den ich 2002 über das Recht auf Nahrung in den palästinensischen Gebieten veröffentlicht habe.» Ziegler möchte jedoch keine Anzeige erstatten. (kle/sda)

Erstellt: 13.08.2013, 18:30 Uhr

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