Hintergrund

Jetzt gerät der Kritiker selber in die Kritik

Nuklearexperte Marcos Buser hat mit seiner Kritik zum Vorgehen bei der Suche nach einem Atomendlager eine Lawine losgetreten. Jetzt gerät er wegen seiner vielen Mandate selber darunter.

Nun selber in der Kritik: Nuklearexperte Marcos Buser (rechts) 2008 im Felslabor der Nagra im Jura.

Nun selber in der Kritik: Nuklearexperte Marcos Buser (rechts) 2008 im Felslabor der Nagra im Jura. Bild: Keystone

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Nuklearexpeerte Marcos Buser kritisierte in den vergangenen Monaten und Wochen wiederholt die Atomaufsichtsbehörde Ensi, die Genossenschaft für die Lagerung radioaktiver Abfälle (Nagra) und das Bundesamt für Energie (BFE). Die Kritik richtete sich vor allem gegen das Vorgehen bei der Suche nach einer Endlagerstätte für hochgiftigen Atommüll. Von einem Filz zwischen Ensi, Nagra und BFE war die Rede und dass die Kommission für Nukleare Sicherheit (KNS) systematisch überhört werde. Buser war Mitglied der KNS und gab im Juni 2012 seinen Rücktritt bekannt.

Seine Kritik – und auch die von Professor Walter Wildi – führten zu zwei Untersuchungsberichten. Der Bericht des Ensi-Rates wurde heute an einer Pressekonferenz vorgestellt. Er zeigt diverse Schwachstellen bei der Aufsichtskultur des Ensi gegenüber der Nagra auf. Gleichzeitig hat das Departement von Energieministerin Doris Leuthard Abklärungen zu den Filzvorwürfen Busers gegen das BFE vorgenommen. Dieser Bericht wurde auf der Uvek-Homepage aufgeschaltet, aber nicht aktiv kommuniziert. Er wirft vor allem ein schiefes Licht auf Nuklearexperte Buser.

Mandate für über eine halbe Million Franken

Der Bericht des Uvek zeigt nämlich auf, dass Buser selber stark verbandelt war mit Ensi, Nagra und BFE. Herr Buser habe selber festgestellt, dass er zwischen 2009 und 2011 rund 573'000 Franken aus seinen Experten- und Gutachtertätigkeiten für die KNS, das Ensi, das Nagra-Felslabor im Mont Terri und in einem Fall für das BFE (Literaturrecherche zur Markierung) bezogen habe, schreibt das Uvek. Dabei habe er nicht sämtliche Mandate offengelegt.

Bei der Untersuchung habe der KNS-Präsident angegeben, dass er nur über einen Teil von Busers Mandaten informiert war. Vom Mandat Ensi-Projekt Lagerauslegung (2010-2012) im Umfang von 20'000 Franken habe er beispielsweise nichts gewusst. «Gemäss Angaben der Nagra hat Herr Buser in den Jahren 2009 bis 2011 von der Nagra 15'283 Franken erhalten», heisst es im Bericht. Dieser Tatbestand überrasche insofern, als Buser sich der Sensibilität solcher Mandate bewusst sei.

Das Uvek kritisierte die Mandate Busers

Das Uvek verweist dafür auf einen Artikel in der Berner Zeitung, in dem Buser zur Finanzierung eines Berner Uni-Institutes durch die Nagra sagt: Dagegen sei zwar nichts einzuwenden. Das Institut sei dann aber nicht mehr unabhängig. Für das Generalsekretariat des Uvek waren die erwähnten Mandate von Herrn Buser problematisch, auch «wenn sie im Wortlaut nicht gegen Verordnung über die KNS (VKNS) verstossen hätten.» Der Bundesrat genehmige jährlich den Tätigkeits- und Geschäftsbericht des Ensi-Rates. Dazu hole er eine unabhängige Zweitmeinung bei der KNS ein.

Der Bundesrat dürfe dabei davon ausgehen, dass kein Mandatsverhältnis zwischen einem KNS-Mitglied und jener Behörde bestehe, dessen Tätigkeit insbesondere durch dieses Mitglied beurteilt werde. Es stellt sich darüber hinaus die Frage, ob ein KNS-Mitglied, etwa dann, wenn es um die Formulierung einer kritischen Empfehlung an eine Behörde geht, tatsächlich unbefangen ist, wenn es gleichzeitig in einem Mandatsverhältnis zur gleichen Behörde steht. Nachdem das Uvek Buser darauf hingewiesen habe, habe der Nuklearexperte seine Mandate sistiert.

Erstellt: 03.12.2012, 18:12 Uhr

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