Jetzt ist Feuer im Dach der Wirtschaftsverbände

Der Arbeitgeberverband will bei der Kampagne gegen die 1:12-Initiative den Lead übernehmen. Das kommt bei Jean-François Rime, Nationalrat und Gewerbeverbandspräsident, sehr schlecht an.

Uneins: Thomas Daum vom Arbeitgeberverband und Jean-François Rime vom Gewerbeverband.

Uneins: Thomas Daum vom Arbeitgeberverband und Jean-François Rime vom Gewerbeverband. Bild: Keystone

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Wahrscheinlich im September oder November müssen die Schweizer Stimmbürgerinnen und Stimmbürger über die Initiative der Jungsozialisten (Juso), die 1:12-Initiative, befinden. Sie verlangt, dass der höchste Lohn in einem Unternehmen maximal zwölfmal so hoch ist wie der tiefste. Doch welcher Verband leitet die Gegenkampagne? Laut NZZ wird der Arbeitgeberverband die Führung im gegnerischen Lager übernehmen. Dieses Volksbegehren falle nämlich in die Arbeitsteilung zwischen Economiesuisse und dem Arbeitgeberverband, wie Thomas Daum, der Direktor des Arbeitgeberverbandes, ausführte.

Der Direktor des Schweizerischen Gewerbeverbandes (SGV) Hans-Ulrich Bigler und SGV-Präsident Jean-François Rime fielen aus allen Wolken, als sie die Meldung lasen. «Wir finden es völlig daneben, dass jetzt schon bekannt gegeben wird, dass der Arbeitgeberverband die Kampagne koordinieren werde», sagt Rime. Man habe nach der Abstimmung zur Abzockerinitiative abgemacht, dass man zusammensitze, um den Lead bei der 1:12-Initiative zu besprechen. Es gebe mit der Ecopop-Vorlage und der Initiative gegen Masseneinwanderung der SVP noch andere Volksbegehren, die man besprechen müsse. Jetzt sieht es so aus, als hätten Economiesuisse und der Arbeitgeberverband bereits eine Zuteilung vorgenommen. «Wenn dies tatsächlich der Fall ist, dann ist das schlimm», betont Rime.

Gentinetta nicht informiert

Der SGV wäre selber nicht abgeneigt, die Kampagne gegen die Juso-Initiative zu führen, wie Direktor Bigler dies vor einigen Tagen gegenüber Medien erklärte. Nach der Abzockerinitiative, wo Economiesuisse eine missglückte Kampagne geführt hatte, forderten Wirtschaftsvertreter und Politiker wie CVP-Präsident Christophe Darbellay explizit, dass der Gewerbeverband die Kampagne bei der 1:12-Initiative führen solle. Auch SGV-Vorstandsmitglied und CVP-Nationalrat Ruedi Lustenberger (LU) teilte diese Meinung. Da der Arbeitgeberverband als eine Art Filiale von Economiesuisse betrachtet wird, ist die Aufregung nach dem NZZ-Artikel gross.

Economiesuisse-Geschäftsführer Pascal Gentinetta steht nach dem Austritt des Uhrenverbandes also ein weiterer Krach ins Haus. Er versucht indessen den Ball flach zu halten: Er wisse nichts von einer definitiven Zuteilung der Kampagne für die 1:12-Initiative. Er habe auch erst aus der Presse erfahren, dass der Arbeitgeberverband diese Kampagne führe. Das habe man bisher noch nicht besprochen. Man werde sich ohnehin demnächst treffen, um die Rollenverteilung unter den drei Wirtschaftsdachverbänden bei dieser Kampagne zu klären.

Erstellt: 07.03.2013, 12:58 Uhr

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