Jetzt muss auch Beznau 2 vom Netz

Während vier Monaten wird in Block 2 des AKW Beznau eine Revision durchgeführt – Block 1 ist noch immer nicht wieder am Netz. Greenpeace plant rechtliche Schritte.

Arbeiten nur bei abgeschalteter Anlage möglich: Das Logo der Betreiberin Axpo auf dem AKW Beznau in Döttingen AG. (6. März 2015)

Arbeiten nur bei abgeschalteter Anlage möglich: Das Logo der Betreiberin Axpo auf dem AKW Beznau in Döttingen AG. (6. März 2015) Bild: Keystone

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Der Block 2 des AKW Beznau im Kanton Aargau geht am Freitag für eine vier Monate dauernde Revision vom Netz. Es soll unter anderem der Deckel des Reaktordruckbehälters ausgewechselt werden. Der Block 1 ist bereits seit März abgestellt.

Die Implementierung der neuen autarken Notstromversorgung und des neuen Anlageinformationssystems sowie der Austausch des Deckels des Reaktordruckbehälters könnten nur bei abgeschalteter Anlage erfolgen. Das teilte er Energiekonzern Axpo mit. Zudem würden Brennelemente ausgewechselt.

Ensi beaufsichtigt Arbeiten

Um den Deckel austauschen zu können, muss am Containment (Schutzhülle) eine temporäre Transportöffnung von fünf mal fünf Meter herausgebrochen werden. Im Reaktorkern werden sich keine Brennelemente befinden. Die Arbeiten stehen unter der Aufsicht des Eidgenössischen Nuklearsicherheitsinspektorats (Ensi).

Im Block 1 ist der Deckel des Druckbehälters bereits ersetzt worden. Es kam allerdings zu Verzögerungen. Der 52 Tonnen schwere Deckel hatte zunächst nicht aufgesetzt werden können, weil Führungsstange und Umfassungsrohr nicht aufeinander passten. Die Differenz betrug nur wenige Millimeter.

Unregelmässigkeiten festgestellt

Der Block 1 ist nach der Revision trotzdem nicht wie geplant am Netz. Grund sind Unregelmässigkeiten im Material des Reaktordruckbehälters, die dank neuster Messtechnologie gefunden wurden.

Der Prüfkopf registrierte gemäss Axpo beim Abtasten des Reaktordruckbehälters an einigen Stellen Anzeigen, die auf Unregelmässigkeiten bei der Herstellung hinweisen. Der Betreiber Axpo reichte bei der Aufsichtsbehörde Ensi einen vorläufigen Prüfbericht ein.

Axpo muss Sicherheitsnachweis erbringen

Das Ensi erwartet nun von der Axpo eine Bewertung dieser Befunde. Der Bericht müsse aufzeigen, ob und wie der Reaktordruckbehälter durch die Befunde geschwächt werde und ob die Anforderungen des Regelwerks noch erfüllt seien.

Der Betrieb von Block 1 darf gemäss Ensi erst wieder aufgenommen werden, wenn die Sicherheit des Reaktordruckbehälters nachgewiesen ist. Am Reaktordruckbehälter von Block 2 wollen die Verantwortlichen vergleichbare Messungen durchführen.

Betrieb bis nach 2020

Der Konzern Axpo will die beiden Blöcke nach eigenen Angaben «deutlich über das Jahr 2020 hinaus» betreiben. Die Nachrüstungen und Investitionen in die Erneuerungen sowie der Austausch der Komponenten würden als «vorbeugende Instandhaltungsmassnahmen» erfolgen, heisst es in der Medienmitteilung.

Der Block 1 ist das älteste kommerziell betriebene AKW der Welt. Er ist seit September 1969 offiziell in Betrieb. Der weitgehend baugleiche Block 2 nahm den kommerziellen Betrieb im Dezember 1971 auf.

Umweltverbände künden rechtliche Schritte an

Die Umweltorganisation Greenpeace hatte im Juli gefordert, dass eine unabhängige Expertenkommission die Unregelmässigkeit im Material des Reaktordruckbehälters von Block 1 untersucht, bevor die Anlage wieder hochgefahren wird.

Greenpeace, der Trinationale Atomschutzverband und die Schweizerische Energiestiftung planen nach eigenen Angaben nun rechtliche Schritte. Man habe eine neue problematische Sicherheitslücke identifiziert und dokumentiert, hiess es. Die Organisationen informieren die Medien in Bern am kommenden Donnerstag über ihre Pläne. (rar/sda)

Erstellt: 13.08.2015, 17:20 Uhr

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