Hintergrund

Jo Lang kehrt dem Kanton Zug den Rücken

Der abgewählte Zuger Nationalrat und amtierende Vizepräsident der Grünen zieht nach Bern. Er schliesst ein Comeback auf nationaler Ebene nicht aus.

Meldet sich heute bei der Zuger Einwohnerkontrolle ab: Jo Lang. (Archivbild)

Meldet sich heute bei der Zuger Einwohnerkontrolle ab: Jo Lang. (Archivbild) Bild: Keystone

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Dank der Nähe zu Zürich und den rekordtiefen Steuern strömen immer mehr Menschen und Unternehmen in den Kanton Zug. Jo Lang hingegen zieht es weg. Heute Morgen will sich der linke Politiker auf der Einwohnerkontrolle der Stadt Zug abmelden, wie er nun bestätigt: Der abgewählte Zuger Nationalrat und amtierende Vizepräsident der Grünen Partei der Schweiz zügelt nach Bern.

Lang führt private Gründe für den Umzug an. Er wolle mit seiner in Bern lebenden Ehefrau zusammenziehen. «Seit gut 18 Jahren sind wir ein Paar und seit 2003 auch verheiratet», sagt der 58-Jährige. Bereits vor zehn Jahren habe er einen Umzug erwogen, aber «dann passierte das Zuger Attentat; ein Wegzug war mir nach dem 27. September 2001 nicht mehr möglich». Zwei Jahre später wurde er im Kanton Zug in den Nationalrat gewählt.

Dass auch die Zuger Politik eine Rolle bei seinem Umzug spielt, erwähnt Lang zwar nicht ausdrücklich, aber es liegt auf der Hand. Die Abmeldung am heutigen Tag ist kein Zufall. Am 31. Oktober vor 30 Jahren wurde Lang als erster Vertreter der Sozialistischen Arbeiterpartei (heute Zuger Alternative) ins Zuger Stadtparlament gewählt. Es war der Beginn eines beispiellosen Aufstiegs der Lokalpartei: von 3 auf 21,3 Prozent der Stimmen in der Stadt Zug bei den jüngsten Nationalratswahlen. Der Erfolg ist nicht zuletzt auf die beiden Zugpferde Jo Lang und Ex-Regierungsrat Hanspeter Uster zurückzuführen. Er hat aber auch mit der schwachen Zuger SP zu tun: Sie erreichte letzten Herbst nur 5,3 Prozent Wähleranteil, das schlechteste Ergebnis, das eine kantonale SP-Sektion je erzielte.

Berufsverbot in Zug

Das stockbürgerliche Zug liess den aus dem Aargau stammenden Linkspolitiker Lang von Anfang spüren, dass er nicht willkommen war. Vor 30 Jahren gratulierte der Zuger Stadtpräsident Walther A. Hegglin nur 39 Räten zum Wahlerfolg – obwohl das Stadtparlament mit dem frisch gewählten Lang 40 Mitglieder umfasste. Noch im gleichen Jahr wurde der junge Historiker vom Kanton mit einem Berufsverbot belegt: Als Lehrer durfte er in Zug nicht arbeiten. Deshalb lehrt Jo Lang seit 1982 an der Zürcher Baugewerblichen Berufsschule. 1996 entschuldigte sich die Zuger Regierung schliesslich für das Berufsverbot.

Letzten Herbst verfehlte Lang die Wiederwahl in den Nationalrat wider Erwarten um 150 Stimmen. Acht Jahre zuvor war er mit weniger Stimmen gewählt worden. Schuld an der Abwahl war nicht zuletzt das rekordtiefe Ergebnis des Listenpartners SP. «Wäre ich nicht abgewählt worden, würde ich heute nicht nach Bern ziehen», sagt Jo Lang.

Hinzu kommt, dass das Zuger Haus, in dem er jahrelang wohnte, kommendes Jahr luxussaniert wird. «Das hat mir den Entscheid sicherlich erleichtert», so Lang. Damit ist auch er ein Opfer der «Zugisierung». Der Mitgründer der Gruppe für eine Schweiz ohne Armee (GSoA) freut sich nun auf Bern, die «ich schon immer eine der schönsten und sympathischsten Städte der Schweiz fand». Lang will Mitglied des Grünen Bündnisses Bern werden. Auf die Frage, ob er früher oder später ein Comeback als Berner Nationalrat plane, sagt er: «Alle anderen Engagements sind noch völlig offen.»

Jo Lang

Der 58-Jährige ist Vizepräsident der Grünen Partei der Schweiz. Er war drei Jahrzehnte lang in der Zuger Politik aktiv. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 31.10.2012, 06:45 Uhr

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