Johann Schneider-Ammann

«Im normalen Gespräch hat er grosse Defizite.» Der Wirtschaftsminister hat ein schweres Amtsjahr hinter sich. Die etwas andere Bilanz.

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Politische Inhalte Note: 4
Er war die grosse Hoffnung der Wirtschaft: Unternehmer, Nationalrat, Industrieverbandspräsident. Als Johann Schneider-Ammann vor 15 Monaten in den Bundesrat gewählt wurde, galt er als die kommende starke Figur der Regierung. Das ist Zukunftsmusik von gestern. Noch selten ist der Nimbus eines Bundesrats derart schnell verblasst, Schneider-Ammanns ungelenke Auftritte haben selbst viele Verbündete ernüchtert. Als die Wirtschaft im Sommer nach Staatshilfe rief, weil sie unter dem starken Franken litt, schnürte er ein Zwei-Milliarden-Franken-Paket. Ein Flop, wie sich im Nachhinein herausstellte. Das Paket schrumpfte auf 870 Millionen, zufrieden war am Ende niemand. Schneider-Ammann versprach Geld, ohne genau zu wissen, wer es erhalten soll. Dennoch ist für ihn nicht aller Tage Abend: Sollte er wiedergewählt werden, ist er ab 2013 auch für die Bildung verantwortlich. Mit seiner ruhigen, sachlichen Art könnte es ihm gelingen, zwischen Wirtschaft und Wissenschaft zu vermitteln. Dass er unterschiedliche Interessengruppen zusammenbringen kann, hat er schon verschiedentlich gezeigt, etwa mit dem Runden Tisch zu den erhöhten Importpreisen, den er im August organisierte.

Rhetorik Note: 2–3
Er hat eine ehrliche Ausstrahlung, wirkt staatsmännisch, aber seine Rhetorik ist spröde und unbeholfen, er setzt beim Reden zudem falsche dynamische Akzente. Er formuliert zu abstrakt, zu kompliziert und verwendet häufig Leerformeln. Statt einen Gedanken in einem Satz abschliessend zu formulieren, hängt er immer neue Gedanken an, dabei verschlimmbessert er seine Aussagen. Das stört den Rhythmus und wirkt extrem bemühend. Die richtigen Worte findet er nur, wenn er sich für eine Rede vorbereiten kann. Im normalen Gespräch hat er grosse Defizite.

Kleidung/Aussenwirkung Note: 4–5
Am dunklen Anzug mit Krawatte gibts nichts zu kritisieren. Johann Schneider-Ammann ist tadellos in Patronmanier gekleidet. Dennoch wirkt unser etwas unbeholfen agierender Wirtschaftsminister oft so, als würde ihn die Kleidung einengen. Hält er sich deshalb bei öffentlichen Auftritten gerne an Dossiers fest? Und dann diese Frisur, welche die kahlen Stellen verdecken soll. Geht gar nicht. Unser Tipp: Mut zur Glatze, weg mit den langen Haarsträhnen!

Gunst des Schicksals Note: 4
Er hat eine sympathische Ausstrahlung, aber seine Ideen sind veraltet. Er kann sich im Kopf nicht modernisieren. Wenn man nicht auf seiner Seite ist, kann er eklig werden. Im Moment hat er einen schweren Stand, weil er sich enorm behaupten muss. Er hat noch nichts erreicht, für das man ihn bewundern könnte, und er wird auch weiterhin grosse Mühe haben.

Erstellt: 07.12.2011, 14:33 Uhr

«Im normalen Gespräch hat er grosse Defizite.» Johann Schneider-Ammann hat ein schweres Amtsjahr hinter sich. (Bild: Keystone )

Die etwas andere Bilanz

Am 14. Dezember treten sechs Bundesräte zur Wiederwahl an. Es ist nicht unwahrscheinlich, dass auch dieses Jahr ein amtierendes Regierungsmitglied nicht im Amt bestätigt wird. Die «Basler Zeitung» hat deshalb Bilanz gezogen und das Wirken der Bundesräte analysiert. Wer verdient die Wiederwahl? Wer nicht? Wir definierten vier Kategorien, die für erfolgreiches Politisieren wichtig sind:

1. Politische Inhalte
2. Rhetorik
3. Kleidung/Aussenwirkung
4. Gunst des Schicksals

Unsere Experten

Wo wir nicht weiterwussten, haben wir uns Hilfe geholt. Die Rhetorik der Magistraten bewertete Marcus Knill, ein schweizweit bekannter Kommunikationsexperte. In Sachen Schicksal vertrauten wir auf Mike Shiva, das berühmteste Medium des Landes. Ursula Schneider, die in der «Basler Zeitung» die Lifestyle-Seiten verantwortet, hat sich der Kleidung der Bundesräte angenommen. Die Würdigung der politischen Inhalte übernahm das Politik-Ressort.

Entstanden ist das Notenblatt der Bundesräte. Gute Unterhaltung.

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