Jordan lüftet Goldgeheimnis – und warnt vor Initiative

SNB-Präsident Thomas Jordan gab erstmals bekannt, in welchen Ländern der Schweizer Goldschatz liegt. Er wehrt sich gegen die Goldinitiative, die Vorschriften bezüglich Menge und Lagerort machen will.

«Wir erachten es als unsere Aufgabe, schon früh auf die gravierenden Nachteile dieser Initiative hinzuweisen»: SNB-Präsident Thomas Jordan.

«Wir erachten es als unsere Aufgabe, schon früh auf die gravierenden Nachteile dieser Initiative hinzuweisen»: SNB-Präsident Thomas Jordan. Bild: Reuters

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Die Gold-Initiative hat die Schweizerische Nationalbank (SNB) zu einem Schritt verleitet, den sie äusserst selten tut: Sie hat sich zu einem politischen Geschäft geäussert. Zudem hat sie auch ihr Schweigen gebrochen, was den Lagerort ihres Goldschatzes angeht.

Dass sich SNB-Präsident Thomas Jordan an der Generalversammlung zu der von der SVP lancierten und im März eingereichte Initiative geäussert hat, hängt damit zusammen, dass die Nationalbank sehr direkt von dieser betroffen wäre. Deren Annahme würde in Jordans Augen die Arbeit der SNB nämlich massgeblich erschweren und sich zum Nachteil der Schweiz auswirken.

«Wir erachten es als unsere Aufgabe»

Mit der Gold-Initiative würde der SNB vorgeschrieben, dass sie mindestens 20 Prozent ihrer Aktiven in Gold halten müsste. Zudem dürfte sie kein Gold verkaufen und hätte alle ihre Goldbarren in der Schweiz zu lagern.

«Wir erachten es als unsere Aufgabe, schon früh auf die gravierenden Nachteile der Initiative hinzuweisen», sagte Jordan zu Beginn seiner ausführlichen Stellungnahme zur Gold-Initiative. Er wies gleichzeitig auch darauf hin, dass er die Ziele des Volksbegehrens – das heisst die Sicherung der Unabhängigkeit der SNB und die Sicherung der Währungs- und Preisstabilität - durchaus teile.

Die in der Initiative vorgeschlagenen Massnahmen hält Jordan aber allesamt für ungeeignet, um diese Ziele zu erreichen. Der SNB-Präsident meinte sogar, sie seien kontraproduktiv. Die Vorschläge beruhten «vielmehr auf Missverständnissen über die Bedeutung des Goldes in der Geldpolitik», so Jordan.

Mindestkurs wäre nicht mehr möglich

Würde die Initiative angenommen, müsste die Nationalbank beispielsweise in der gegenwärtigen Situation umfangreiche Goldkäufe tätigen, um den geforderten Goldanteil von mindestens 20 Prozent zu erreichen. Dieses Gold dürfte sie dann später nicht einmal mehr verkaufen, selbst wenn sie ihre Bilanz wieder verkürzen müsste, um die Preisstabilität aufrechtzuerhalten.

Im Extremfall würde die Aktivseite der Bilanz mit der Zeit weitgehend aus unverkäuflichem Gold bestehen, warnte Jordan. Deshalb würde es die Annahme der Initiative in Zukunft verunmöglichen, Entscheidungen über die Einführung des Mindestkurses oder die Rettung der UBS zu treffen. «Diese Einschränkung der Handlungsfähigkeit wäre nicht im Interesse der Schweiz», sagte Jordan.

Weniger Geld für Bund und Kantone

Der SNB-Präsident stellte zudem klar, dass es im heutigen Währungssystem kein direkter Zusammenhang zwischen dem Goldanteil in der Bilanz der Nationalbank und der Preisstabilität gebe. Dies zeige sich auch daran, dass die Preisstabilität in den letzten Jahren trotz eines gesunkenen Goldanteils in der SNB-Bilanz besser erfüllt gewesen sei als früher.

Im Unterschied zu anderen Anlagen unterliegt Gold zudem grossen Preisschwankungen und wirft keine Zinserträge oder Dividenden ab. Daher, so Jordan, würden durch einen hohen Goldanteil die Bilanzrisiken der SNB steigen. Als Nebeneffekt fielen ausserdem auch die Gewinnausschüttung an den Bund und die Kantone kleiner aus.

Kein Gold in den USA

In seiner Rede an die Aktionäre der SNB widerlegte Jordan im Weiteren die Behauptung des Initiativkomitees um die SVP-Politiker Lukas Reimann, Luzi Stamm und Ulrich Schlüer. Diese sprachen jeweils davon, dass rund die Hälfte des SNB-Golds im Ausland und vor allem in den USA liegen.

Um, wie Jordan es ausdrückte, Fehlinformationen und falschen Vorstellungen hinsichtlich der Lagerungsorte des Goldes richtigzustellen, hat die SNB nun erstmals transparent gemacht, wo ihre Goldreserven liegen.

Demnach befinden sich 70 Prozent der über 1000 Tonnen Gold der SNB in Schweizer Tresoren. 20 Prozent sind der Zentralbank von England angetraut und 10 Prozent liegen bei der kanadischen Zentralbank. In den letzten zehn Jahren sei kein SNB-Gold in anderen als diesen beiden Ländern aufbewahrt worden, sagte Jordan.

Bei der Auswahl der Standortländer werde darauf geachtet, dass diese eine hohe politische und wirtschaftliche Stabilität aufweisen und Anlagen von Zentralbanken einen Immunitätsschutz garantieren. Zudem sei jeder im Ausland lagernde Barren der SNB eindeutig identifizierbar und die Verfügbarkeit der Goldbestände jederzeit voll gewährleistet. (rub/sda)

Erstellt: 26.04.2013, 11:01 Uhr

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Frankenuntergrenze unverändert

Zur Geldpolitik der SNB bekamen die Aktionäre an der GV vom Freitag nichts Neues zu hören. SNB-Präsident Jordan bekräftigte einzig, was schon unzählige Mal von der Nationalbank zu hören war. Die Gefahr, dass der Franken plötzlich wieder unter Aufwertungsdruck geraten könnte, sei angesichts der globalen Wirtschaftslage und des beschwerlichen Wegs aus der Krise in Europa nicht gebannt, sagte Jordan gemäss Redetext. Der Mindestkurs sei daher ein wichtiges Instrument, mit dem eine unerwünschte Verschärfung der geldpolitischen Rahmenbedingungen vermieden werden könne.

Die SNB werde den Mindestkurs deshalb weiterhin mit aller Konsequenz durchsetzen und zu diesem Zweck wenn nötig Devisen in unbeschränkter Höhe kaufen. Ausserdem - und auch das hat Jordan schon mehrfach gesagt - stehe die Nationalbank bereit, jederzeit weitere Massnahmen zu ergreifen. Zur Durchsetzung des Mindestkurses des Euro zum Franken hat die SNB im vergangenen Jahr Devisen im Gegenwert von 188 Milliarden Franken aufgekauft. Die Bilanzsumme der SNB ist deshalb 2012 von 346 Milliarden Franken auf fast 500 Milliarden Franken angeschwollen. (sda)

Mehr Betriebsmittel

Mit dem für die UBS geknüpften Rettungspaket zu Beginn der Finanzkrise und dem 2011 eingeführten Euro-Mindestkurs stieg die Arbeitslast der SNB. Zudem wurden ihr auch neue Aufgaben im Zusammenhang mit der Finanzstabilität übertragen. Um all diese Aufgaben zu bewältigen, seien die finanziellen und personellen Mittel, die der SNB zur Verfügung stehen, angepasst worden, wie Bankratspräsident Jean Studer sagte. Der Bankrat fungiere aber weiterhin als Garant dafür, dass mit den betrieblichen Ressourcen diszipliniert, verantwortungsbewusst und mit Augenmass umgegangen werde. (sda)

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