Jugend ohne Auto

Eine gross angelegte Befragung des Bundes zum Verkehrsverhalten der Bevölkerung zeigt die Trends in einer mobilen Schweiz auf. Und die Meinungen zu Tunnel- und höheren Parkplatzgebühren.

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Der Schweizer Bevölkerung wurde in einer gross angelegten Befragung der Puls gemessen: Wie pendeln Sie zur Arbeit, welchen Weg legen Sie dabei zurück? Welche Fahrzeuge besitzen Sie und wie setzen Sie sie ein? Diese und viele weitere Fragen zu Mobilitäts- und Verkehrsthemen stellte das Bundesamt für Statistik (BFS) knapp 63'000 Einzelpersonen in rund 60'000 Haushalten des Landes. Die Statistiken zum Verkehrsverhalten der Bevölkerung erhebt das BFS seit 1974 alle fünf Jahre.

Jede Einwohnerin und jeder Einwohner der Schweiz legte 2010 im Durchschnitt 20'500 Kilometer im In- und Ausland zurück. Dies entspricht etwa dem halben Erdumfang. Durch telefonische Befragungen fand das BFS zudem heraus, dass 79 Prozent der Schweizer Haushalte mindestens ein Auto und 60 Prozent im Minimum ein Velo besitzen.

Deutschschweizer am meisten unterwegs

Täglich sind Schweizer im Durchschnitt knapp 37 Kilometer im Inland unterwegs (1994 waren es noch 31,3). Von diesen werden zwei Drittel mit dem Auto oder dem Motorrad zurückgelegt, ein Viertel mit den öffentlichen Verkehrsmitteln, und etwas weniger als ein Zehntel zu Fuss oder mit dem Velo. Interessant: 40 Prozent der Tagesdistanzen, die Schweizer im Inland zurücklegen, gehen aufs Konto von Freizeitaktivitäten. Hingegen werden lediglich 24 Prozent der Tagesstrecke für die Arbeit zurückgelegt.

Deutschschweizer, allen voran die Zürcher, sind am aktivsten, wenn es um die täglichen Distanzen geht: 38 Kilometer sind es pro Person. Bei den Romands beträgt die absolvierte Strecke pro Tag und Person 34,2 Kilometer, in der italienischen Schweiz 29,3 Kilometer. Etwas mehr legt man in der rätoromanischen Schweiz zurück: 32,5 Kilometer.

Auch wenn die Schweizer heute mehr Kilometer hinter sich bringen, hat sich die Zeit des Unterwegsseins verringert: Waren die Leute im Jahr 2005 noch 88,4 Minuten unterwegs, sind sie es heute nur noch 83,4 Minuten. Dies lässt darauf schliessen, dass die Verkehrsmittel schneller geworden sind.

Je höher das Einkommen, desto länger die Distanzen

Wenn das Haushaltseinkommen steigt, steigt auch die Anzahl Kilometer pro Tag: Bei Haushalten mit monatlich mehr als 14'000 Franken Haushaltseinkommen legt man zweieinhalb mal längere Tagesdistanzen zurück als bei jenen, die weniger als 2000 Franken verdienen. Weiter reisen im Inland auch die Männer: Sie legen pro Jahr 7000 Kilometer mehr als die Frauen zurück.

Ausserdem ist die jüngere Schweiz überdurchschnittlich mobil: 18- bis 44-Jährige absolvieren jährlich gut 26'000 Kilometer im In- und Ausland, was über 5000 Kilometer mehr sind als der Durchschnitt durch alle Altersgruppen. Hingegen haben jüngere Schweizer heute weniger Führerscheine: Der Besitz des «Billetts» ging bei den 18- bis 24-Jährigen von 71 Prozent (1994) zurück auf 59 Prozent (2010). Dagegen besitzen die heute über 80-Jährigen fast doppelt so häufig einen Führerschein (39 Prozent) als im Jahr 1994 (20 Prozent).

Verkehr fördern: Ja. Dafür bezahlen: Nein.

Und was meinen die Schweizer zu den verkehrspolitischen Massnahmen im Land? Zwei Drittel sind dafür, dass der öffentliche Verkehr gefördert wird. Im Jahr 2000 waren es erst 47,4 Prozent, fünf Jahre später gleich 64,3 Prozent. Für eine Verbesserung des Strassenverkehrs sind gar über drei Viertel der Befragten (75,6 Prozent). Um die Jahrtausendwende sprach sich nur gut die Hälfte von ihnen (39,9 Prozent) dafür aus. Gleichzeitig herrscht aber auch ein grosses Bedürfnis nach besseren Bedingungen für Fussgänger und Velofahrer: 83,3 Prozent wünschen dies, nachdem es 2005 noch 71,4 Prozent waren. Im Jahr 2000 wurde dieser Aspekt noch nicht erhoben.

Geht es jedoch um Kosten, regt sich Widerstand in der Bevölkerung: 75 Prozent sind gegen eine Erhöhung der Benzinpreise, und zwischen 61 und 70 Prozent wollen weder Gebühren für Parkplätze in Stadt- und Einkaufszentren noch ein Roadpricing für Städte. Gegen Tunnelgebühren wie etwa am Gotthard sind allerdings nur 38 Prozent, während 54 Prozent dafür respektive «unter Umständen dafür» sind.

Im weiteren Tagesverlauf werden wir Resultate der Studie im Einzelnen besprechen. Bleiben Sie dran. (or/cpm)

Erstellt: 08.05.2012, 10:02 Uhr

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