Junge sollen früher fürs Alter sparen

Schon junge Berufsleute ab 18 Jahren sollen zusammen mit ihrem Arbeitgeber einen Zehntel ihres Lohnes in die Pensionskasse einzahlen. Das fordert die BDP.

Gleich nach Abschluss der Lehre sollen junge Berufsleute einen Teil des Lohnes beiseitelegen. Foto: Gaëtan Bally (Keystone)

Gleich nach Abschluss der Lehre sollen junge Berufsleute einen Teil des Lohnes beiseitelegen. Foto: Gaëtan Bally (Keystone)

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Für die Bürgerlichen ist klar: Früher oder später werden Erwerbstätige über das heutige Rentenalter hinaus arbeiten müssen. Die BDP fordert nun, dass sie je nach Lebenserwartung nicht nur länger arbeiten, sondern auch früher beginnen, Beiträge in die Pensionskasse einzuzahlen. Statt wie heute mit 25 Jahren sollen sie bereits mit 18 Jahren oder gleich nach Abschluss der Lehre oder des Studiums einen Teil des Lohnes für das Alter beiseitelegen. Nationalrat Bernhard Guhl, von dem das Postulat stammt, denkt an rund 10 Prozent des Lohnes, die Angestellte und Arbeitgeber zusammen aufbringen.

Guhl hat vor allem Berufsleute im Auge, die eine Lehre ohne weitergehende Ausbildung absolvieren und nie ein Spitzeneinkommen erzielen werden. Wenn sie in jungen Jahren zusätzlich 14'000 bis 20'000 Franken zur Seite legten und dieses Geld verzinsen liessen, dann würden sie im Ruhestand davon sehr profitieren. Für die Pensionskassen wäre der Mehraufwand minim; sie müssen 18-Jährige bereits heute erfassen, da diese auch Risikoprämien zahlen müssen.

Zurückhaltende Arbeitgeber

Die Arbeitgeber, die mitbezahlen müssten, zeigen sich zurückhaltend. Nach Ansicht von Kurt Gfeller, Vizedirektor beim Schweizerischen Gewerbeverband, taugt diese Massnahme nicht, um die Folgen eines tieferen Umwandlungssatzes zu kompensieren. Anhand des Umwandlungssatzes wird die Höhe einer Rente berechnet. Der Verband würde sie auch höchstens als Teil eines Gesamtpakets prüfen, das für das Gewerbe vorteilhaft ist.

Der Arbeitgeberverband will sich nicht zu einzelnen Massnahmen äussern. Zusammen mit dem Gewerbeverband ist er noch immer im Gespräch mit den Gewerkschaften. Eigentlich hätten die Sozialpartner bis Ende April dem Bundesrat einen Vorschlag unterbreiten sollen, wie sie die berufliche Vorsorge reformieren wollen, haben ihn aber um eine Verlängerung bis im Sommer ersucht. Keiner der Beteiligten will sich heute dazu äussern, ob sie sich bis dann auf Reformvorschläge einigen können.

«Es käme nicht zu einem Aufstand, wenn die Jungen früher in die berufliche Vorsorge einzahlen müssten.»Andri Silberschmidt, Präsident der Jungfreisinnigen

Die BDP hat ihren Vorschlag bereits in die Verhandlungen zur Altersvorsorge 2020 eingebracht. Er wurde damals aber abgeschrieben, da er frühestens nach über 40 Jahren Wirkung zeigen würde – dann, wenn die heutigen Berufseinsteiger in den Ruhestand treten. «Es ist klar, dass man mit einer Massnahme alleine einen tieferen Umwandlungssatz nicht kompensieren kann», sagt Guhl. Aber als eines von mehreren Puzzleteilen eigne sich sein Vorschlag sehr wohl, um die Renten zu sichern.

Bei den Jungparteien kommt Guhls Vorstoss unterschiedlich an. «Es käme nicht zu einem Aufstand, wenn die Jungen früher in die berufliche Vorsorge einzahlen müssten», sagt Andri Silberschmidt, Präsident der Jungfreisinnigen. Eigentlich sei klar, dass die Versicherten länger Beiträge zahlen müssten, wenn sie trotz sinkender Umwandlungssätze einmal gleich hohe Renten wie heute erhalten möchten. Die Jungfreisinnigen bereiten eine Volksinitiative vor, die verlangt, das Rentenalter für Frauen und Männer auf 66 Jahre zu erhöhen.

Umverteilung stoppen

Auch Pascal Vuichard, Co-Präsident der Jungen Grünliberalen, erachtet den Vorschlag grundsätzlich als sinnvoll. Doch: «Es darf aber nicht sein, dass die Jungen früher Beiträge in die berufliche Vorsorge zahlen und das Geld weiter zu den Rentenbezügern umverteilt wird.» Erst müsse diese Umverteilung gestoppt werden. Auch Silberschmidt sagt, die Jungen seien zur Solidarität mit der Rentnergeneration bereit. Aber sie habe Grenzen.

Juso-Präsidentin Tamara Funiciello hingegen will keinen zusätzlichen Franken «in dieses marode System buttern». Die zweite Säule müsse grundsätzlich reformiert werden, und dabei wolle sie wissen, was genau mit dem einbezahlten Geld geschehe und wer davon profitiere. Ginge es nach den Juso, würde die zweite Säule schrittweise zurückgebaut und an ihrer Stelle die AHV gestärkt.

Nicht nur die BDP will früher Altersgutschriften erheben, um die Renten zu sichern: Der Pensionskassenverband Asip etwa schlägt neben anderen Massnahmen vor, dass junge Berufsleute bereits mit 20 Jahren Beiträge in der Höhe von 9 Prozent ihres Lohnes in die Pensionskasse einzahlen. Zudem sollen mit Ausnahme der über 55-Jährigen alle Versicherten leicht höhere Gutschriften entrichten.

Die Swisscanto-Vorsorge zeigt in einer Studie, dass die Folgen sinkender Renten alleine damit kompensiert werden könnten, indem Erwerbstätige sieben Jahre länger in die berufliche Vorsorge einzahlen. Das heisst, wenn sie früher Beiträge leisten und länger arbeiten als heute. Die Studie zeigt, dass junge Arbeitnehmer, die heute einer Pensionskasse beitreten, einmal eine um 28 Prozent tiefere Rente erhalten, als wenn sie das zehn Jahre früher getan hätten. Da viele Vorsorgeeinrichtungen bereits Massnahmen ergriffen haben, wären die Renten nur noch um 15 Prozent tiefer. Diese Lücke könnte mit sieben zusätzlichen Beitragsjahren geschlossen werden.

Erstellt: 20.06.2019, 22:09 Uhr

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