Jungen Sozialdemokraten stinkt der Feminismus

Eine Gruppe von jungen SPlern attackiert öffentlich die Feministinnen der Partei: Sie will die SP Frauen als Sondergruppe abschaffen.

«Man hört innerhalb der Partei viel Kritik an den SP Frauen»: Tanja Walliser.

«Man hört innerhalb der Partei viel Kritik an den SP Frauen»: Tanja Walliser.

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Gleichstellungspolitik? Ja schon, aber anders. Anders, als sie die Feministinnen verstehen, die in der SP noch immer das Wort führen: Das verlangen rund zehn junge Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten, wie die «SonntagsZeitung» publik machte. Mit ihrem Vorgehen fordern sie die eigene Partei heraus.

«Die SP Frauen betreibt eine Gleichstellungspolitik, die für viele abschreckend ist, Männer sind gar nicht erst willkommen», heisst es provokativ im Entwurf zum «Manifest für eine visionäre Gleichstellungspolitik der SP Schweiz». Formuliert hat ihn die Berner Stadträtin Tanja Walliser. «Man hört innerhalb der Partei viel Kritik an den SP Frauen, aber das geschieht nie direkt», sagt sie.

Überholte Rollenbilder

Grund für die Frustrationen: SP Frauen geniesst eine starke Position, und es fehlt ein anderes Gleichstellungsforum innerhalb der Partei. Die Jungen werfen der SP vor, sie habe die gesamte Gleichstellungspolitik an die SP Frauen delegiert. Und diese würde sich zu wenig um die Anliegen der Männer kümmern. Für Männer sei es noch immer sehr schwierig, eine Teilzeitstelle zu finden. «Und wenn einer Teilzeit arbeitet, wird er blöd angeschaut», sagt Walliser.

Die Basisgruppe will die Probleme beider Geschlechter gleich gewichten. «Es gibt nicht einfach die mächtigen Männer und die schwachen Frauen; das eigentliche Problem sind überholte Rollenbilder, die beide Geschlechter einschränken.» Die SP Frauen hätte eine wichtige Rolle gespielt, als die Frauen ihre Anerkennung erkämpfen mussten. «Doch nun ist das nicht mehr nötig oder sogar hinderlich, um fortschrittliche Positionen zu erarbeiten.»

Gleichstellung solle nicht länger ein «Geschlechterkampf sein zur Frage, wer mehr diskriminiert wird – Frauen oder Männer», sagt Mattea Meyer, (23), die jüngste Zürcher Kantonsrätin. Mit im Club der Reformer ist auch Jon Pult, Präsident der Bündner SP: «Wir sollten uns lösen vom Feminismus der vergangenen Jahrzehnte.»

«Es braucht die Feministinnen»

Mit einem «Die armen Mädchen!» reagiert Maria Roth-Bernasconi, Co-Präsidentin der SP Frauen. Sie finde es «eigentlich gut, dass die Jungen sich für Gleichstellungsfragen interessieren». Allerdings sei sie mit dem Fazit absolut nicht einverstanden, wonach es die SP Frauen nicht mehr brauche. Gleichstellungspolitik sei nicht nur Frauenpolitik, aber: «Ich bin fest davon überzeugt, dass es noch Feministinnen braucht.»

Die Jungen werfen der SP Frauen vor, sie hätten sie bis jetzt nicht wirklich ernst genommen und nicht reagiert, als sie um eine weitergehende Diskussion gebeten hätten. Roth-Bernasconi erwidert, sie habe durchaus einmal an einem Jungsozialisten-Podium zur Thematik teilgenommen. «Aber das Papier müssen sie selber formulieren. Ich bin doch nicht ihre Mutter!» Die SP Frauen erkenne in den Plänen der Jungen auch keine konkreten Vorschläge, was politisch zu verändern wäre. Walliser räumt ein, man habe keine fixen Antworten parat, es handle sich schliesslich um eine Debatte, die eben erst begonnen habe.

Aufruf an Gleichstellungsbüros

Der frühere SP-Präsident Hans-Jürg Fehr, der sich als einer der wenigen SP-Männer aktiv für Gleichstellungspolitik einsetzt, geht mit den Manifestanten einig: Gleichstellung müsse beide Geschlechter umfassen. Er wünscht sich zudem, dass nun Junge den Lead übernehmen. «Es braucht auch in der Partei einen neuen Effort.» Fehr geht aber nicht so weit, die SP Frauen als Organisation infrage zu stellen. «Wenn Frauen nicht ziehen und den Takt angeben, passiert zu wenig.»

Tanja Walliser möchte, dass nicht nur die SP, sondern auch die Gleichstellungsbüros konsequent Männer- und Bubenfragen angehen. Und sie kann sich grundsätzlich für das Anliegen von Männerorganisationen erwärmen, die mehr Männer in der Kommission für Frauenfragen fordern und die das Gremium in eine Kommission für Gleichstellungsfragen umbenennen möchten. Mitte Juni will die junge Kampftruppe ihr Papier der Öffentlichkeit präsentieren und Unterstützung suchen: Gleichgesinnte Genossinnen und Genossen werden aufgerufen, das Manifest zu unterschreiben. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 10.05.2011, 10:34 Uhr

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