KMU in der Romandie unterstützen überraschend SVP-Initiative

Gemäss einer Umfrage unterstützt die Mehrheit der Westschweizer Arbeitgeber die SVP-Initiative gegen Masseneinwanderung. Ein für die Romandie ungewöhnliches Ergebnis. Ein verkehrter Röstigraben?

SVP-Initiative «Gegen Masseneinwanderung» geniesst bei welschen KMU breite Zustimmung: Plakat in Genf.

SVP-Initiative «Gegen Masseneinwanderung» geniesst bei welschen KMU breite Zustimmung: Plakat in Genf. Bild: Keystone

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In Champéry VS finden heute und morgen die 45. Gewerbetage des Schweizerischen Gewerbeverbands (SGV) statt. Das diesjährige Thema der Veranstaltung lautet «KMU und Migration».

Im Vorfeld kam die Umfrage des Instituts für Wirtschaft- und Sozialforschung M.I.S. Trend zum Ergebnis, dass 57 Prozent der Westschweizer Arbeitgeber die von der SVP lancierte Initiative «Gegen Masseneinwanderung» unterstützen würden – ein für die Romandie eher überraschendes Ergebnis. Die Initiative sieht die Kontingentierung der Zuwanderer und die Bevorzugung Schweizer Arbeitnehmer vor. 19 Prozent der befragten Unternehmen zeigten sich «voll und ganz mit der Initiative einverstanden», 38 Prozent «stimmen eher zu».

Ein verkehrter Röstigraben?

Die gleiche Umfrage wurde im November 2011 auch bei Deutschschweizer Firmen durchgeführt: Demnach lehnen 65 Prozent die SVP-Initiative ab. «Im Gegensatz zur Deutschschweizer Umfrage wurden in der Romandie auch die sogenannten Mikrounternehmen befragt, das heisst Unternehmen mit fünf bis neun Angestellten. Genau diese Firmen sind mit den Problemen der Zuwanderung, wie zum Beispiel dem Lohndumping, am meisten konfrontiert», erklärt Jean-François Rime, Präsident des SGV. So gesehen erscheinen die Westschweizer Ergebnisse präziser.

Die Kampagne zur SVP-Initiative hat gerade erst begonnen – aber schon jetzt wird deutlich, dass Sicherheitsbedürfnisse auch in der Romandie immer wichtiger werden. Die Initiative wirft die Frage auf, ob man bei der Zuwanderung eher von Chance oder Risiko sprechen kann. Die Mehrheit der Befragten ist beispielsweise der Meinung, dass die Zuwanderung gewichtige Auswirkungen auf den Alltag hat, wie zum Beispiel bei der Überlastung des Verkehrsnetzes (58 Prozent) oder der Verteuerung des Wohnraums (48 Prozent). 55 Prozent der befragten Unternehmen sehen in den flankierenden Massnahmen ein wirksames Kontrollwerkzeug.

Was aber vor allem auffällt, sind die 80 Prozent, welche eine strenger kontrollierte Zuwanderung befürworten. «Die Problematik der Grenzgänger ist bei uns in der Romandie bestimmt akuter. Hinzu kommt das bei uns stärkere Gewicht der Mikrounternehmen, welche der ausländischen Konkurrenz nur schwer standhalten können. Daraus entsteht eine zwar grundsätzlich positive Einstellung zur Personenfreizügigkeit, aber auch eine gewisse Angst vor den Problemen, die sie mit sich bringt», erklärt Rime.

Grenzgänger insgesamt positiv wahrgenommen

Technischere Fragen zur Personenfreizügigkeit erfahren hingegen eine breitere Zustimmung. So sagten 76 Prozent der Westschweizer Arbeitgeber, die Personenfreizügigkeit hätte sich insgesamt positiv auf ihre Tätigkeit ausgewirkt. 36 Prozent der welschen KMU beschäftigen zurzeit mindestens einen EU-Bürger. Auch was die Grenzgänger angeht, ist die Stimmung insgesamt eher positiv: 59 Prozent sehen sie als positive Akteure für die Wirtschaft der Westschweizer Kantone.

(Übersetzung und Bearbeitung cor)

Erstellt: 25.06.2012, 11:54 Uhr

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