Kampf um das Image der Elektroautos

Das Elektroauto schneidet im Umweltbericht des Bundesrats dürftig ab. Ein politischer Vorstoss will nun für genauere Berechnungen sorgen.

Elektroautos: Wie stark belasten sie die Umwelt?

Elektroautos: Wie stark belasten sie die Umwelt? Bild: Keystone

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Die Zeit sei noch nicht reif für die Elektromobilität. E-Autos seien ja gar nicht sauberer, warum also solle man wechseln? Es sind Rückmeldungen dieser Art, die Jürg Grossen erreicht haben. Er habe «extrem viele negative Reaktionen» erhalten, sagt der GLP-Chef, der den Schweizerischen Elektromobilitätsverband Swiss E-Mobility präsidiert.

Auslöser war dieser kurz vor Weihnachten publizierte Artikel, der basierend auf dem jüngsten Umweltbericht des Bundesrats thematisierte, wie stark die verschiedenen Verkehrsträger die Umwelt insgesamt belasten. E-Autos, die im Betrieb kein CO2 produzieren, schneiden darin zwar besser ab als Benzin- und Dieselfahrzeuge, aber leicht schlechter als Erdgas- und Hybridautos – und das, obschon sie in den Berechnungen vollständig mit Ökostrom fahren. Der Hauptgrund für die dürftige Bilanz ist die energieintensive Herstellung der E-Auto-Batterien und die, wie Kritiker monieren, teilweise veralteten Datengrundlagen.

Solche Untersuchungen haben das Potenzial, das Image der E-Mobilität zu beschädigen – zu Unrecht, wie Grossen findet. Die E-Promotoren wissen um diese Gefahr. Sie verlangen deshalb ergänzende Ökobilanzierungen zur Herstellung der E-Auto-Batterien, die das Potenzial der E-Mobilität aufzeigen sollen. Grossen will nun einen entsprechenden Vorstoss ausarbeiten. Vom Bundesamt für Umwelt (Bafu) verlangt er, den Umweltbericht, den der Bundesrat Ende November 2018 gutgeheissen hat, anzureichern.

Second-Life-Lösungen einbeziehen

Konkret sollen Fachleute berechnen, wie stark ein E-Auto die Umwelt belastet, das samt seiner Batterie vollständig mit erneuerbarer Energie hergestellt wird. Dem aktuellen Umweltbericht läge der kohle-, gas- und nukleardominierte Strommix der Produktionsländer und nicht der effektive Mix der Produktionsfirma wie etwa Tesla zugrunde, was das Resultat deutlich verschlechtere, kritisiert Grossen. Auch sollen die Fachleute eine Variante mit einer E-Batterie berechnen, die nach ihrem Einsatz im Auto für zehn Jahre als Zwischenspeicherung von dezentral produziertem Strom oder im Gebäude als Speicher für netzdienlichen Einsatz zur Anwendung kommt.

«Wenn wir immer nur bereits breit umgesetzte Lösungen publik machen, dann bleiben wir in der Höhle sitzen.»Jürg Grossen, GLP-Nationalrat

Grossen räumt ein, dass solche Second-Life-Lösungen sowie eine E-Auto-Produktion allein durch erneuerbare Energien heute noch nicht Standard sind. «Wenn wir aber immer nur das Vergangene und nur bereits breit umgesetzte Lösungen publik machen und Berichte darüber schreiben, dann bleiben wir in der Höhle sitzen», sagt er. Es brauche deshalb auch seriöse Aussagen über das Umweltschutzpotenzial der E-Mobilität mit heute bekannten und in wenigen Monaten respektive Jahren breit umsetzbaren Lösungen.

«Welche Annahmen man den Berechnungen auch zugrunde legt: E-Autos belasten die Umwelt.»Andreas Burgener, Direktor Auto-Schweiz

Grossens Forderung löst unterschiedliche Reaktionen aus. «Welche Annahmen man auch immer den Berechnungen zugrunde legt: Auch E-Autos belasten die Umwelt», sagt Andreas Burgener, Direktor der Vereinigung der Autoimporteure Auto-Schweiz. Nun gelte es, diese Belastungen wie bei den Benzin- und Dieselautos möglichst zu minimieren. Dass die E-Mobilität ein Imageproblem hat, glaubt Burgener nicht: «Neue Technologien werfen immer Fragen auf.» Auch die Umstellung von der Pferdekutsche auf die Eisenbahn oder vom Segel- zum Dampfschiff sei nicht geräuschlos verlaufen. Insofern komme die Kontroverse um die E-Mobilität nicht überraschend.

Bundesamt nimmt keine Stellung

Auch FDP-Nationalrat Thierry Burkart zeigt sich überzeugt, dass die E-Mobilität in der Bevölkerung Rückhalt geniesse. Sie sei die beste Alternative zum Verbrennungsmotor; darüber bestehe breiter gesellschaftlicher Konsens.

Keine Stellung zu Grossens Forderung nimmt das Bundesamt für Umwelt, da der fragliche Umweltbericht ein Bericht des Bundesrats sei. Diese Antwort motiviert Grossen «umso mehr», den Vorstoss einzureichen, «weil ohne diesen das Bafu nichts mehr machen würde».

Erstellt: 07.01.2019, 13:22 Uhr

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