Kanadier suchen im Wallis nach Uran

Uran wird immer knapper. Nun sucht eine kanadische Firma im Wallis nach uranhaltigem Fels, der sich für den Abbau lohnt. Atomgegner sind entrüstet.

Ohne Uran läuft nichts: Im Inneren des AKW Leibstadt.

Ohne Uran läuft nichts: Im Inneren des AKW Leibstadt. Bild: Keystone

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Die Atomenergie steht vor einer Renaissance: In der Schweiz sollen in Gösgen, Beznau und Mühleberg neue AKWs gebaut werden. In ganz Europa waren Anfang Jahr zwölf neue Atommeiler im Bau und 16 weitere geplant – die meisten in Osteuropa. Doch eine dunkle Wolke trübt den Atom-Himmel: Uran wird knapp. Experten glauben, dass die bestehenden Minen in den nächsten Jahrzehnten versiegen könnten.

Das zeigt sich auch beim Preis: Seit den Achtzigerjahren ist Uran zehnmal teurer geworden. Heute zahlt man 60 Franken für das Pfund – letztes Jahr stieg der Preis zwischenzeitlich auf bis zu 167 Franken. Minenfirmen suchen darum weltweit nach neuen Vorkommen, so auch im Wallis. Laut der Genfer Tageszeitung «Le Temps» hat die Firma Aurovallis von der Walliser Regierung kürzlich die Bewilligung erhalten, bei Martigny und Salvan-Les Marécottes nach dem wertvollen Mineral zu suchen.

Es wurde schon mal gesucht

Dass die Wahl aufs Wallis fiel, ist nicht so überraschend wie es klingen mag: Bereits Mitte der Sechsziger- bis in die Achtzigerjahre suchten Alusuisse und die Westschweizer Energiegesellschaft EOS nach Uran – unterstützt vom Bund. Proben zeigten, dass das Gestein an manchen Orten durchschnittlich 1 Prozent Uran enthält. In Australien und Kanada reichen für den kommerziellen Abbau bereits 0,1 Prozent. 1982 endeten die Schweizer Uran-Träume jedoch, die Walliser Minen erwiesen sich wegen des tiefen Uran-Preises als nicht wettbewerbsfähig.

Beim Nuklearforum Schweiz freut man sich über das neue Interesse. «Die steigende Nachfrage nach Uran hat dazu geführt, dass die Walliser Vorkommen wieder untersucht werden», sagt Sprecher Max Rudolph gegenüber Tagesanzeiger.ch/Newsnet. Ob sich der Abbau lohnt, kann er noch nicht sagen. Doch er stellt fest: «Man hat im Wallis Gesteinsschichten mit interessantem Urangehalt festgestellt.»

Laut Atomexperten würde das Walliser Uran zur Versorgungssicherheit der Schweiz beitragen – gerade wenn es zu Spannungen auf dem Rohstoffmarkt käme. Auch Rudolph betont: «Das wäre eine einheimische Energiequelle.» Gleichzeitig versucht er, die Bedenken von Umweltschützern zu zerstreuen. So hätten sich die Untersuchungstechniken weiterentwickelt, und strenge Auflagen garantierten, dass kein verseuchtes Wasser im Boden versickere. «Das Uran könnte ohne Beeinträchtigung der Umwelt abgebaut werden.»

«Atomenergie ist überflüssig wie die Cholera.»

Ganz anders sieht das der Basler SP-Nationalrat Rudolf Rechsteiner. «Davon halte ich gar nichts. Bei einer Förderung würde radioaktives Material freigesetzt.» Der Atomgegner der ersten Stunde fordert, dass der Abbau von Uran in der Schweiz verboten wird. Für ihn steht die Uransuche im Wallis symptomatisch für die ganze Atomindustrie. «Die sind verzweifelt: Uran wird immer teurer, und die Lieferschwierigkeiten häufen sich.»

Der SP-Politiker glaubt, dass die Atomindustrie in den nächsten zehn Jahren sterben wird – wegen der hohen Kosten. Die Versorgungssicherheit der Schweiz will er mit alternativen Energien wie Solar- und Windenergie garantieren. Sein Fazit: «Atomenergie ist überflüssig wie Pest und Cholera.» (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 18.11.2008, 15:33 Uhr

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