Kanton Genf setzt Messlatte

Bisher erhalten ausländische Holdings in der Schweiz einen Steuerbonus. Damit ist bald Schluss. Nun nennt Genf als erster grosser Wirtschaftskanton eine konkrete Zahl für den Einheitssatz.

Hier haben viele internationale Unternehmen ihren Sitz: Blick auf die Stadt Genf. (Archivbild)

Hier haben viele internationale Unternehmen ihren Sitz: Blick auf die Stadt Genf. (Archivbild) Bild: Keystone

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Während die Verhandlungen mit der EU noch laufen, bereitet sich der Kanton Genf bereits auf die absehbare Abschaffung der steuerlichen Sonderbehandlung von Holding-Gesellschaften vor. Das Verschwinden dieser Gesellschaften hätte für die Genfer Wirtschaft einen Verlust von 3,7 Milliarden Franken zur Folge.

Das Thema sei für Genf absolut elementar, sagte der Genfer Regierungspräsident Pierre-François Unger heute Donnerstag vor den Medien. Aufgrund einer Studie des Instituts Créa der Universität Lausanne zeigte der Kanton zum ersten Mal die Bedeutung der Holding-Gesellschaften für Genf auf.

Demnach profitieren im Kanton Genf 945 Gesellschaften mit 136 angeschlossenen Firmen von einer steuerlichen Sonderbehandlung. Sollten diese Unternehmen wegziehen, würden dem Kanton Genf 3,7 Milliarden Franken entgehen.

35 Prozent der Steuereinnahmen

Die meisten der Holdings-Gesellschaften sind im Finanz- und Handelssektor aktiv. Sie beschäftigen 19'288 Vollzeitangestellte. Dies entspricht 8,1 Prozent aller Arbeitsplätze des Kantons Genf.

Dem Kanton Genf und den Gemeinden liefern die Holding-Gesellschaften jährlich rund 576 Millionen Franken an Steuern ab – 35 Prozent der gesamten Kantons- und Gemeindesteuern.

Hinzu kommen 435 Millionen Franken an Steuern von natürlichen Personen, womit sich die Steuereinnahmen für den Kanton und die Gemeinden auf total 1,011 Milliarden Franken belaufen. 640 Millionen Franken fliessen zusätzlich in die Bundeskasse.

Genf will Konkurrenz die Stirn bieten

Noch schlimmer sieht es laut dem Genfer Finanzdirektor David Hiler aus, wenn auch die indirekten Auswirkungen auf die Wirtschaft – etwa Zulieferer – miteingerechnet werden. Unter diesen Umständen steigt der Verlust sogar auf 9,6 Milliarden Franken. In Arbeitsplätzen entspricht dies über 50'000 Vollzeitstellen.

Um wettbewerbsfähig zu bleiben, schlägt die Genfer Regierung für den Kanton Genf einen Einheitssteuersatz für alle Unternehmen von 13 Prozent vor. Heute variieren die Unternehmensteuern zwischen 24,2 und 11,6 Prozent.

Hiler unterstrich, dass es für die Holdings keinen Grund geben sollte, von Genf wegzuziehen, etwa nach Zug, Schwyz, Luzern oder Glarus, wo die Unternehmenssteuern unter 15 Prozent liegen. Die ernsthafteste Konkurrenz liege aber im Ausland, nämlich in Irland und Grossbritannien, aber auch in den Niederlanden und Luxemburg. (fko/sda)

Erstellt: 11.10.2012, 19:09 Uhr

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