Kantone fordern DNA-Tests für Kinder von Asylsuchenden

Kantonale Migrationsbehörden sind alarmiert: Die Anträge auf Familiennachzug nehmen bei Asylbewerbern aus Eritrea stark zu. DNA-Tests sollen helfen, die Identität der Kinder und Ehepartner zu klären.

Stammen aus einem Land mit nicht vorhandenem Zivilstandwesen: Asylsuchende aus Eritrea gewähren Einblick in das temporäre Übergangszentrum Atlantis in Zürich. (Archivbild)

Stammen aus einem Land mit nicht vorhandenem Zivilstandwesen: Asylsuchende aus Eritrea gewähren Einblick in das temporäre Übergangszentrum Atlantis in Zürich. (Archivbild) Bild: Keystone

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Aus keinem anderen Land ersuchen so viele Menschen in der Schweiz Asyl wie aus Eritrea. Neuste Zahlen zeigen: 5730 Eritreer befinden sich aktuell im Schweizer Asylprozess. Hinzu kommt, dass sie überdurchschnittlich viele Familiennachzugsanträge für minderjährige Kinder oder Ehepartner stellen, wie die Zeitung «Schweiz am Sonntag» in ihrer neusten Ausgabe berichtet. Allein im ersten Halbjahr 2013 haben so 922 Angehörige Asyl erhalten. Zum Vergleich: Bei der zweitgrössten asylsuchenden Bevölkerungsgruppe – den 4167 Flüchtlingen aus Somalia – waren es lediglich 84 Verwandte.

Nun sind die Migrationsbehörden in den Kantonen wegen der hohen Zahl von Gesuchen alarmiert: «Dokumente wie ID oder Geburtsscheine aus diesen Ländern sind grundsätzlich anzuzweifeln», sagt Iris Rivas, Leiterin des Migrationsdienstes des Kantons Bern, gegenüber der «Schweiz am Sonntag». Die Zivilstandsbehörden würden oftmals unzuverlässig arbeiten, und gefälschte Urkunden seien leicht erhältlich. «Trotzdem hakt in der Botschaft niemand nach – der Familiennachzug kann in die Schweiz einreisen und wird in den Asylprozess aufgenommen», so Rivas weiter.

Konkret stellt die Familie auf der Schweizer Botschaft einen Antrag. Daraufhin prüft das Bundesamt für Migration (BFM) die Namen und Geburtsdaten der Gesuchsteller mit den Daten, die der Flüchtling in der Schweiz angegeben hat. Stimmen diese Daten überein, erlaubt das BFM die Einreise für den Einbezug ins Asyl. «Das ist ein grosses Problem, weil wir manchmal feststellen, dass Familiennachzügler hier nie richtig ankommen, sondern die Einreisebewilligung in die Schweiz nur als Sprungbrett zur Weiterreise in andere Staaten benutzen», sagt Rivas.

Die DNA-Abklärungen nehmen zu

Sie schlägt darum vor: «Aus Staaten, wo die Inhalte von ‹echten Zivilstandsurkunden› nicht eindeutig klar sind, sollten auch für den Familiennachzug nach dem Asylgesetz standardisierte DNA-Tests durchgeführt werden.» Unterstützung erhält sie vom Vorsteher des Luzerner Migrationsamtes, Alexander Lieb. «Im Asylwesen wird bei Familiennachzügen der Identität zu wenig Beachtung geschenkt», sagt er. Deshalb müsse überprüft werden, ob die DNA-Analyse eine Lösung für die Ermittlung der Familienbande wäre.

Heute kann das Bundesamt für Migration (BFM), wenn begründete Zweifel über die Abstammung bestehen, DNA-Analysen von Familiennachzüglern verlangen. Das geschieht zwar noch immer selten, doch die Fälle nehmen zu. Eine Umfrage der «Schweiz am Sonntag» bei den Kantonen zeigt, dass zur Identitätsabklärung für Familiennachzüge generell häufiger DNA-Tests benötigt werden. «Es ist eine Zunahme von Gesuchen festzustellen, die eine vertiefte Prüfung benötigen. Insbesondere von Personen aus Ländern mit nicht vorhandenem Zivilstandwesen», sagt etwa Linda Greber vom Aargauer Amt für Migration und Integration.

Das bestätigt auch eines der elf vom Bund anerkannten DNA-Labors: «Seit 2011 hat es eine Verdoppelung gegeben», sagt Roland Spiegel, Leiter des Labors Genetica AG in Zürich. Dieses Jahr hat das Labor bereits 54 Profile für Migrationsbehörden aus dem Raum Zürich, Graubünden und aus der Westschweiz erstellt.

Im Frühling hatte der Nationalrat eine Motion des CVP-Präsidenten Christophe Darbellay gutgeheissen, die präventive DNA-Proben von «bestimmten Asylsuchenden» forderte. Das Anliegen hatte hohe Wellen geschlagen; nun muss noch der Ständerat darüber befinden. (rbi)

Erstellt: 18.08.2013, 10:15 Uhr

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