Hintergrund

Karin Keller-Sutter kommt in den Economiesuisse-Vorstand

Die FDP-Ständerätin wird zu einer der einflussreichsten Frauen in der Schweizer Wirtschaft.

Kommt zu Economiesuisse: Karin Keller-Sutter bei der Debatte der 1:12-Initiative im Ständerat. (21. März 2013)

Kommt zu Economiesuisse: Karin Keller-Sutter bei der Debatte der 1:12-Initiative im Ständerat. (21. März 2013) Bild: Keystone

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Die krisengeschüttelte Economiesuisse erhält einen prominenten Zugang. Die populäre St. Galler FDP-Ständerätin Karin Keller-Sutter kommt in den Vorstand des Wirtschaftsdachverbandes. Damit wird Keller-Sutter zu einer der bestvernetzten Politikerinnen des Landes. Sie sitzt bereits im NZZ-Verwaltungsrat, im Vorstand des Arbeitgeberverbands und im Stiftungsrat dreier Pensionskassen.

Dabei soll es nicht bleiben. An der GV vom 2. Mai der Baloise will sie ebenfalls in den Verwaltungsrat des Versicherers gewählt werden, im Juni zur Präsidentin der Swiss Retail Federation, der Lobby-Organisation des Detailhandels. Ihre Mitglieder, zu denen die meisten bekannten Detailhändler mit Ausnahme von Migros und Coop zählen, machen 12 Milliarden Franken Umsatz und beschäftigen 40'000 Personen. Damit haben sie Anspruch auf einen Sitz im Vorstand von Economiesuisse. Bisher hatte diesen Bruno Frick, der ehemalige CVP-Parlamentarier, inne. Er tritt zurück.

«Weiterhin unabhängig»

Gelingt die Wahl, kommt Keller-Sutter in ähnliche Sphären wie einst die Zürcher FDP-Ständerätin Vreni Spoerry. Gegen sie wurden nach dem Swissair-Grounding Filzvorwürfe laut. Angesprochen auf ihre Unabhängigkeit als Parlamentarierin angesichts der wachsenden Zahl von Mandaten sagt Keller-Sutter: «Ich werde weiterhin unabhängig politisieren. Ich bin im Umfeld des Gewerbes aufgewachsen und werde auch bei Economiesuisse nicht abheben.»

Zusammen mit dem Baumeisterverband vertreten laut Keller-Sutter die Detailhändler in Economiesuisse sowieso nicht die Wirtschaftselite, sondern «quasi das Bodenpersonal». FDP-Präsident Philipp Müller, der seine Partei eigentlich etwas vom Ruf der bedingungslosen Wirtschaftsnähe wegführen will – und der selber in keinem grossen Verwaltungsrat oder Verbandsvorstand sitzt –, nimmt zu Keller-Sutters neuem Mandat keine Stellung. Er bezeichnet es als «Privatsache».

Bereits auf der Linie von Economiesuisse

Geht es um Sachfragen, liegt Keller-Sutter bereits heute auf der Linie von Economiesuisse. «Was die wirtschaftspolitischen Vorlagen betrifft, bin ich gegen die 1:12-Initiative, gegen die Mindestlohninitiative und gegen eine Begrenzung der mit der EU ausgehandelten Freizügigkeitsabkommen. Die Ventilklausel soll hingegen angewendet werden, wenn die Kriterien erfüllt sind», sagt Keller-Sutter. Der Detailhandel ist eine der wenigen Branchen, die von einer Annahme der Mindestlohninitiative betroffen wäre. In jüngster Vergangenheit machte sich die St. Galler FDP-Ständerätin auch gegen die Abzockerinitiative stark.

Nach dem verlorenen Abstimmungskampf bestritt sie dann in der «Arena» vehement eine allzugrosse Nähe zur Wirtschaftslobby. «Man kann die Leute auch auf Abstand halten», wandte sie ein. «Ich nehme für mich in Anspruch, dass ich das mache, was ich für richtig halte. Und manchmal ist das auch die Position von Economiesuisse.» Wichtig sei, so Keller-Sutter, dass es transparent sei. Das ist es nun. Allerdings: Dem Grundsatz der Eigenständigkeit wird Keller-Sutter innerhalb von Economiesuisse nicht nachleben. «Ich werde, sofern ich als Präsidentin gewählt werde, als Vertreterin der Swiss Retail Federation im Vorstand von Economiesuisse sein und deren Interessen vertreten.»

Erstellt: 03.04.2013, 06:24 Uhr

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