Kein Gehör für Töfflärmgeplagte

National-. und Bundesrat wollen die Besitzer lärmiger Motorräder nicht zur Umrüstung zwingen. Sie haben die Motion abgelehnt, die verlangte, dass neue Vorschriften auch für alte Motorräder gelten.

Der Polizei bleiben die Hände gebunden: Bis 2016 zugelassene Töffs können legal und auf Jahrzehnte hinaus Lärm produzieren.

Der Polizei bleiben die Hände gebunden: Bis 2016 zugelassene Töffs können legal und auf Jahrzehnte hinaus Lärm produzieren. Bild: Keystone

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Es ist ein offenes Geheimnis, dass nicht wenige Motorradfahrer mit technischen Tricks die Lärmvorschriften teilweise massiv und systematisch verletzen. Es geht dabei aber gar nicht um die illegal frisierten Töffs, sondern um Motorräder, die vom Hersteller auf mehr Lärm programmiert sind und absolut legal hierzulande zugelassen werden. Das Zauberwort heisst Klappenauspuff. Dabei handelt es sich um spezielle Auspuffanlagen mit einer Klappe, die sich teils vom Fahrer per Knopfdruck öffnen und schliessen lässt. In der Praxis können solche Motorräder bis zu 24-mal lauter als gesetzlich erlaubt herumdonnern – solange sie bei der Zulassung oder später bei einer Konformitätsüberprüfung die Grenzwerte einhalten. Das machen sie gar automatisch: Eine elektronische Motorensteuerung erkennt die Prüfbedingungen beim MFK und schliesst wieder die Auspuffklappe, um das Geräusch zu reduzieren.

Für den Obwaldner CSP-Nationalrat Karl Vogler ist das ein «klassischer Fall des Rechtsmissbrauchs», wie er heute Nachmittag im Nationalrat sagte. Er ist die treibende Kraft hinter einer Motion, die eine entsprechende Um- oder Nachrüstung aller Motorräder verlangt. Die vorberatende Umweltkommission folgte mit 13 zu 12 Stimmen seiner Argumentation, doch die bürgerlichen Nationalräte wie auch die Umweltministerin fanden kein Gehör für die lärmgeplagte Bevölkerung. Sein Gegenspieler war Walter Wobmann, Solothurner SVP-Nationalrat, früher aktiver Motorsportler und Präsident von Swissmoto. Der höchste Töfffahrer der Schweiz fuhr im Namen der rund 700'000 Schweizer Töfffahrer Karl Vogler mächtig an den Karren: «Sie haben uns diesen Unsinn eingebrockt, und Sie haben keine Ahnung von Technik. Das ist tragisch.»

Walter Wobmann: «Kreuzzug gegen Motorradfahrer»

Im Unterschied zum Bundesrat und den meisten bürgerlichen Nationalräten reicht es dem Obwaldner nämlich nicht, dass ab 2016 in der EU und damit auch in der Schweiz die Abgas- und Lärmnormen etappenweise verschärft werden. Er möchte vielmehr, dass die neuen Emissionsbegrenzungen auch rückwirkend für bereits zugelassene Töffs gelten sollen: «Der Rückbau ist technisch ein Leichtes.» Doch Wobmann stellte gleich die Schicksalsfrage: «Das ist ein neuer Kreuzzug gegen die Motorradfahrer. Wo ist unsere Freiheit in unserem schönen Land geblieben?»

Etwas nüchterner sah es Bundesrätin Doris Leuthard, manch Lärmgeplagter würde es vermutlich eher als zynisch empfinden: «Mit der Einführung der neuen Lärmvorschriften wird sich das Problem früher oder später von selbst lösen.» Auf die Frage, wie lange es dauern würde, bis sich der Töffbestand erneuern würde, sagte Leuthard: «Zwischen 13 und 15 Jahre.» Obwohl es Vogler klar um die anstandslos zugelassenen Fahrzeuge, also nicht um nachträglich manipulierte Töffs, geht, erweckte die Bundesrätin den Eindruck, dass es sich um frisierte Töffs handeln würde, die die Polizei durch Kontrollen aus dem Verkehr ziehen könnte.

Der Nationalrat lehnte die Motion mit 97 zu 79 Stimmen ab. Damit können alle bis 2016 zugelassenen Töffs legal und auf Jahrzehnte hinaus unbekümmert Lärm produzieren. Der Polizei bleiben die Hände gebunden.

Erstellt: 06.05.2014, 18:08 Uhr

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