Klare Botschaft, volksnaher Akzent

Magdalena Martullo-Blocher will in die Politik. Viele Churer sind skeptisch – niemand will es sich mit der mächtigen Unternehmerin verscherzen.

Will in die Politik: Magdalena Martullo-Blocher berichtete vor den Medien über ihre politischen Ambitionen.

Will in die Politik: Magdalena Martullo-Blocher berichtete vor den Medien über ihre politischen Ambitionen. Bild: Gian Ehrenzeller/Keystone

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Eigentlich hat die SVP Graubünden ihren Wahlkampf eröffnet. Eigentlich hat sie alle ihre Kandidaten präsentiert. Doch sämtliche Mikrofone waren auf eine Frau gerichtet, ausgerechnet auf jene Frau, die noch nie ein politisches Amt bekleidet hat: Magdalena Martullo-Blocher. Alle waren gekommen, um über den Beginn ihrer politischen Laufbahn zu berichten.

Und die Tochter von SVP-Übervater Christoph Blocher präsentierte sich, wie es sich für die Vertreterin einer Volkspartei gehört. Gesunde Bräune, zweckmässiger Haarschnitt und eine klare Botschaft. Weil heutige Politiker nur noch über «oberflächliche Sachkenntnisse» verfügten und «leichtsinnige Schnellschüsse» abfeuerten, gehe es abwärts mit der Schweiz. Der Bund bevormunde die Bürger, entziehe den Kantonen die Kompetenzen. Es sei nötig, dass die Unternehmerin Martullo-Blocher für das Milizsystem («einer der wichtigsten Grundpfeiler unserer gelebten Demokratie») ein Zeichen setze. Alles auf Hochdeutsch mit volksnahem Akzent.

Martullo Blocher nach der PK in Chur im Interview.

Wie ihr Vater suchte sie das Amt nicht. Das Amt suchte sie. Die SVP fragte an, Martullo-Blocher folgte dem Ruf. Ihre Kompetenzen sieht Martullo-Blocher in der Steuer-, der Bildungs- und der Energiepolitik. Sie wolle gegen die Subventionierung «höchst problematischer Energieformen» kämpfen. Und sie wolle dafür kämpfen, dass Randkantone wie Graubünden in Bern mehr Gehör fänden.

Dass Martullo-Blocher gar nicht im Kanton wohnt, sondern in Meilen, Zürich, ist aus ihrer Sicht kein Problem. Sie fühle sich mit Graubünden politisch am ehesten verbunden. Seit Dezember sei sie Besitzerin eines Ferienhauses auf der Lenzerheide und kenne den Kanton auch aus touristischer Perspektive. Vor allem aber steht die Ems-Chemie in Domat/Ems, jene Firma, die Martullo-Blocher seit zehn Jahren führt und von der die 45-Jährige Mehrheitsaktionärin ist. Sie plane deshalb nicht, ihren Wohnsitz zu wechseln. Das Gesetz verlangt das auch nicht, ihre Wähler möglicherweise schon.

Warum viele nicht gerne über die Blochers reden

Das ist es auch, was viele Leute auf der Strasse denken. Die Kandidatur Martullo-Blochers sei «nicht gut», sagt die Krankenschwester Silvia Steiner. «Man muss hier gelebt haben, um zu wissen, was die Leute hier brauchen», sagt die 44-Jährige. Allerdings stellt man vor allem eines fest, wenn man wissen will, was die Menschen in Chur von Martullo-Blocher halten. Eine Meinung haben die meisten. Etwas sagen mögen die wenigsten.

Das hat einen Grund. Die Ems-Chemie ist der grösste Arbeitgeber und der wichtigste Steuerzahler in der Region. Jeder kennt irgendjemanden, der für Magdalena Martullo-Blocher arbeitet. Mehr oder weniger abhängig sind die meisten. Etwa der junge Deutsche mit schwarzer Krawatte, gerade auf dem Weg zu einem Bewerbungsgespräch bei der Ems-Chemie, will erst erzählen, was er über die Chefin weiss (dass sie die Tochter von Christoph Blocher ist und jetzt für den Nationalrat kandidieren will), bis ihm schwant, dass ihm jede Aussage seine Bewerbung verhunzen könnte.

«Das ist ein heisses Eisen», sagt eine ältere Frau, die ihren Namen für sich behalten will. «Ein rotes Tuch», sagt eine andere. Auch sie ist kurz angebunden. Dass viele Churer nicht besonders gut auf Martullo-Blocher zu sprechen sind, hat nicht mit der Ems-Chemie zu tun, sondern mit der SVP.

Was die Leute in Chur zur Nationalratskandidatur von Martullo-Blocher sagen.

Der Kanton Graubünden ist die Wiege des Konfliktes zwischen der Volkspartei und der BDP. Hier hat Alt-Nationalrat Andrea Hämmerle (SP) seinen Plan ausgeheckt, wie Christoph Blochers zweite Kandidatur als Bundesrat vereitelt werde sollte. Und von hier kommt auch Eveline Widmer-Schlumpf, die mit dem Satz «Annahme der Wahl» die Spaltung der SVP Graubünden besiegelte. Dass man nur für oder gegen die SVP sein kann, gilt hier ein bisschen mehr als im Rest der Schweiz.

«Sie hat die Fähigkeiten»

So stehen vor allem diejenigen mit Namen hin, die sich über die Kandidatur von Martullo-Blocher freuen und sich vorstellen können, sie zu wählen. Peter Gort (56), Kunsthändler, sagt, Martullo-Blocher sei sehr sozial, Willi Zimmermann (82) hofft, dass sie auf der Linie ihres Vaters bleiben werde. Und Eugen Caduff schliesslich sagt: «Sie hat die Fähigkeiten, ein solches Amt zu übernehmen.»

Erstellt: 20.04.2015, 18:53 Uhr

Die Pressekonferenz von Martullo-Blocher.

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